Kontrolle von Corona-Regeln

Warme Tage in Bremen: Sonne satt und Maske ab

Die Sonne zieht die Menschen ins Freie: An der Schlachte und Bremens Flaniermeilen werden Abstände und Masken dabei teilweise vergessen. Die Polizei erhöht ihre Präsenz und kontrolliert verstärkt.
01.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Warme Tage in Bremen: Sonne satt und Maske ab
Von Pascal Faltermann
Warme Tage in Bremen: Sonne satt und Maske ab

Alle paar Meter sitzen Gruppen auf den Stufen an der Schlachte – auf Abstand wird am Nachmittag geachtet.

Christina Kuhaupt

Die Gesichter sind teilweise stärker verhüllt als der Körper. Mit Sonnenbrille, Mundschutz und vereinzelt mit Baseballcap oder Sonnenhut schlendern die Passanten die Schlachte entlang. Wer einen Pullover mit sich trägt, hat ihn über die Schulter geworfen. T-Shirt, kurze Hosen oder Kleider - die Menschen präsentieren das erste Mal in diesen Tagen ihre Frühlings- beziehungsweise Sommerkollektion. Mehr als 20 Grad Celsius und Sonnenschein ziehen die Bremerinnen und Bremer ins Freie. Denken Sie dabei an die Corona-Regeln? Werden Abstände eingehalten? Weil sich in den vergangenen Tagen trotz steigender Infektionszahlen auf Bremens Flaniermeilen viele Menschen nicht an die Regeln hielten, erhöht die Bremer Polizei ihre Präsenz und kontrolliert verstärkt.

Alle fünf Meter sitzen am Mittwochnachmittag Pärchen an der Weserpromenade. Mit Kaffee to go, Eistee im Plastikbecher, einer Flasche Mineralwasser oder einem Alster in der Hand schlendern die Bremerinnen und Bremer am Wasser entlang. Auf den großen Steinstufen sitzen kleine Gruppen. Die Sonne strahlt. Polizei und Ordnungsdienst fahren die historische Uferpromenade auf und ab. Doch trotz der vielen Menschen gibt die Schlachte ein eher trostloses Bild ab: Die Kneipen, Gasthäuser und Restaurants haben geschlossen. Die Stühle sind aufeinandergestapelt, Tische zusammengeklappt, Sonnenschirme heruntergelassen. Grau und kahl wirken die Bäume, es fehlt das Grün.

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„Freibier ab 12 Uhr“ steht mit Kreide geschrieben auf einer Tafel vor Feldmann's Bierhaus. Dabei heißt es doch sonst umgangssprachlich „kein Bier vor vier“. Die Betreiber des Gasthauses werden es wohl nicht angeschrieben haben, ihre Türen sind geschlossen, niemand ist zu sehen. Also war es vermutlich ein humoristisch veranlagter Passant, der hier seinen sehnlichen Wunsch nach einem hopfenhaltigen Kaltgetränk äußern musste. Apropos Bier: Je höher der Alkoholpegel der Menschen auf den Straßen, desto häufiger kommt es zu Verstößen gegen die Corona-Regeln. Als Reaktion auf dieses Verhalten hatte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) im vergangenen Sommer ein Außer-Haus-Alkoholverkaufsverbot ab 22 Uhr in drei Gebieten ausgesprochen.

Vor der Eisdiele „Bistro und Gelato Tonino“ hat sich eine kleine Warteschlange mit Abständen gebildet. Viel Eis ist der Verkäufer nach eigenen Angaben aber noch nicht losgeworden. Etwas besser läuft es an dem kleinen Stand vor dem Hotel- und Gastronomieschiff Alexander von Humboldt. Das Segelschiff hat am Anlieger A festgemacht, in Höhe des Martinikirchhofs, wo die Maskenpflicht an der Schlachte beginnt und sich bis zum Fangturm zieht. Mit FFP3-Maske ausgestattet verkaufen Vanessa Ziegan und eine Kollegin hier seit ein paar Tagen Eis und Bratwurst zum Mitnehmen.

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„Die Menschen sind richtig freundlich und halten sich an die Regeln“, sagt Ziegan. Die Freude vieler Passanten sei groß, dass sie nach langer Zeit mal wieder Gesichter aus der Gastronomie sehen. Der Verkauf von Eis und Wurst könne aber bei Weitem nicht die Unterhaltung des Schiffes finanzieren. „Wir wollen einfach zeigen, dass es uns noch gibt, dass wir durchhalten“, sagt Ziegan. Bei gutem Wetter sind sie von 12 bis 18 Uhr vor Ort. Tagsüber seien Polizei und Ordnungsamt sehr präsent an der Schlachte, Verstöße gegen die Corona-Regeln gebe es vor allem am Abend.

„Es sind viele Menschen unter anderem an der Schlachte und dem Osterdeich unterwegs“, sagt Polizeisprecherin Stefanie Freund. Bis zum späten Nachmittag habe sich der überwiegende Teil der Bürgerinnen und Bürger an die geltenden Corona-Vorschriften gehalten. Die Polizeisprecherin verweist darauf, dass die Anzahl der eingesetzten Kolleginnen und Kollegen erhöht und Maßnahmen intensiviert wurden. So seien Beamte an unterschiedlichen Orten zu Fuß, mit Fahrzeugen und auch mit dem Schiff unterwegs gewesen. Im Gespräch habe man die Menschen hinsichtlich der Corona-Regelungen sensibilisiert. Einzelne Verstöße seien geahndet worden.

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Mehr Corona-Verstöße und größere Menschenansammlungen registrierten die Beamten am Montag. „Gerade bei jungen Menschen scheint das Bewusstsein für die gegenwärtige Pandemie-Situation zu sinken“, schreibt Polizeisprecherin Franka Haedke in einer Pressemitteilung. Vor allem an der Schlachte, am Osterdeich und am Werdersee hätten sich zahlreiche Menschentrauben gebildet und dabei jegliche Distanz vermissen lassen. Auch im Bereich eines Sportgartens in der Überseestadt hätten Einsatzkräfte einschreiten müssen, da dort in größeren Gruppen auf Fußball- und Basketballfeldern gespielt wurde.

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Zur Sache

Polizei und Ordnungsamt

"Die Bestimmungen der Corona-Verordnung werden weiterhin überwacht und Kontrollbedarfe wöchentlich zwischen der Innenbehörde, der Polizei und dem Ordnungsamt abgestimmt", sagt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Innenbehörde. Klar sei, dass die Einsatzkräfte nicht zu jeder Zeit an jedem Ort sein können. "Insbesondere bei schönem Wetter und rund um das Osterwochenende werden Polizei und Ordnungsamt die Präsenz an bestimmten hochfrequentierten Orten - insbesondere an Schlachte, Werdersee, Osterdeich - verstärken, so Gerdts-Schiffler. Derzeit sind laut Innenbehörde im Außendienst des Ordnungsdienstes 60 Angestellte beschäftigt. Hinzu kämen zwei Kräfte aus einem anderen Referat des Ordnungsamtes, die den Dienst unterstützen.

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