Schaffermahlzeit und Eiswette

Diese Traditionen machen die Hansestadt sympathisch

Hunderte Gäste, Männer und - neuerdings zum Teil auch - Frauen von Rang und Namen: Wer bei der Schaffermahlzeit und dem Stiftungsfest der Eiswette platznehmen darf, gilt als starke Marke für Bremen.
16.01.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Diese Traditionen machen die Hansestadt sympathisch
Von Frauke Fischer
Diese Traditionen machen die Hansestadt sympathisch

Hochrangige Gäste bei der Schaffermahlzeit wie Bundeskanzlerin Angela Merkel als Ehrengast im Jahr 2007 bescheren Bremen positive Aufmerksamkeit.

Jochen Stoss

Hunderte Gäste, Männer und - neuerdings zum Teil auch - Frauen von Rang und Namen: Wer bei der Schaffermahlzeit und dem Stiftungsfest der Eiswette platznehmen darf, gilt als starke Marke für Bremen.

Auf gut und gern 20.000 Einträge bringen es die Begriffe „Schaffermahlzeit Bremen“ und „Eiswette Bremen“ jeweils, wenn man sie googelt. Alle großen Fernsehsender, überregionale Print-Magazine und Zeitungen sowie Internetportale haben vor allem die Schaffermahlzeit aufgegriffen. Dass es Bilder aus dem Rathaus in die überregionalen TV-Nachrichtensendungen schaffen, ist beinahe gesetzt, sobald hochrangige Ehrengäste bei der Schaffermahlzeit zugegen sind.

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Als 2007 Bundeskanzlerin Angela Merkel – immerhin erster weiblicher Ehrengast überhaupt – flankiert vom damaligen Bürgermeister Jens Böhrnsen und dem Verwaltenden Vorsteher zur Oberen Halle schritt, klickten die Kameras. Das Gleiche geschah, als im vergangenen Jahr Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zur Schaffermahlzeit anreiste. Die Namen von Bundespräsidenten schmückten die Gästeliste ebenso wie jene von Bundesministern, von Spitzen der Europäischen Zentralbank (Jean-Claude Trichet) oder der Bundesbank (Jens Weidmann). Wenn am 12. Februar Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier anreisen wird, darf erneut mit einem großen Medienecho gerechnet werden. Aber wem nützen die Veranstaltungen?

Die Feiern dienen guten Zwecken

Bremerinnen, Bremer und Besucher können allenfalls als Zaungäste am jeweils 6. Januar am Osterdeich, ein paar Tage später am Congress Centrum oder an jenem Februarfreitag einen Blick auf das illustre Treiben erheischen. Die Feiern dienen guten Zwecken. Gesammelt wird bei dem Brudermahl von Haus Seefahrt für bedürftige Mitglieder und deren Angehörige: Kapitäne, ihre Witwen, Studentinnen und Studenten der Nautik. Auf dem Seefahrtshof in Grohn leben in den acht Häusern etliche von ihnen und auch bedürftige Seeleute, die nicht zur Stiftung gehören. Auch außerhalb des Seefahrtshofs betreut sie Witwen und unterstützt sie finanziell, teilt die Stiftung mit.

Das Eiswettfest, bei dem die Ausrichter weiterhin ausschließlich männliche Gäste mit zum Teil hohen Positionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einladen, gehört ebenfalls zu den traditionellen Bremer Gesellschaftsereignissen mit Benefizgedanken. Im Gegensatz zur Schaffermahlzeit, über deren Spendenhöhe sich die Veranstalter meistens diskret ausschweigen, ist die Nennung der Summe im Nachgang zum Eiswettfest gute Tradition. 418.000 Euro verkündete das Präsidium 2015, im Jahr davor waren sogar 427.000 Euro, die traditionell an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) – neudeutsch Die Seenotretter – gehen. Ehrengäste waren 2014 Airbus-Chef Thomas Enders und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, im Vorjahr kamen Siemens-Chef Joe Kaeser und Münchens früherer Oberbürgermeister Christian Ude. In diesem Jahr haben Bundestagspräsident Norbert Lammert und Prinz Asfa Wossen-Asserate zugesagt.

„Die beiden Veranstaltungen haben unterschiedliche Farben“, sagt Eiswett-Präsident Patrick Wendisch, der 2006 als kaufmännischer Schaffer die Schaffermahlzeit mit ausrichtete. Die Gäste der Eiswette würden einen Tag lang das Gefühl erleben, zu einem großen Freundeskreis zu gehören. Geschäftliche Kontakte stünden nicht im Vordergrund. Es gehe um das Beisammensein in heiterer Runde.

Die Schaffermahlzeit habe schon günstige Auswirkungen auf Geschäftsbeziehungen, stellt Klaus Meier fest, der im Vorjahr als 2. Schaffer das Brudermahl mit ausrichtete. „Das ist eindeutig ein Mehrwert.“ Entweder könne man als kaufmännisches Mitglied durch die Einladung eines besonderen Gastes bestehende Kontakte vertiefen oder die Veranstaltung als Auftakt für eine neue Verbindung nutzen. Er hat außerdem festgestellt, dass die Schaffermahlzeit „im Grunde eine fünfstündige Werbeveranstaltung für Bremen“ ist. Viele der auswärtigen Gäste zeigten sich überrascht und begeistert von Bremen. „Ich habe dann so oft gehört: Bremen ist ja eine Superstadt. Das wusste ich gar nicht“, ergänzt der Bremer Unternehmer. „Davon profitieren mittelbar auch andere in der Stadt.“

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Diese Beurteilung passt zur Aussage von Christoph Burmann. „Schaffermahlzeit und Eiswette sind beides Produktmarken“, versichert der Wirtschaftswissenschaftler und Markenforscher von der Bremer Universität. Sie passten sehr gut zur Marke Bremen, die auf Historie und Geschichtsbezüge abhebt. Ein weiterer Faktor, der Bremen und den beiden Festen gemein sei, sei die gelebte Weltoffenheit. In großem Umfang würden jedes Jahr andere, externe Gäste eingeladen, die Multiplikationswirkung hätten. Zudem gebe es die Veranstaltungen über so lange Zeit, dass sie sich in den Köpfen Auswärtiger festsetzten.

„Die Veranstaltungen sind grundsätzlich gute Imagefaktoren“, bestätigt Maike Lucas von der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ). Die Geschichten hinter Schaffermahlzeit und Eiswette, ihre Gründung und Bewahrung von Traditionen, passen zu Bremen, das gern mit Weltoffenheit und dem hier gelebten Bürgersinn wirbt. „Sie runden das Bild der Stadt ab, machen sie sympathisch und echt“, sagt Lucas. Mehr Städtereisende ziehen diese Veranstaltungswochenenden zwar nicht an. Aber, sagt die Sprecherin, es gibt jeweils am 6. Januar Tagesgäste mit einem festen Ziel in Bremen: Sie steuern die eigentliche Eiswette an, das öffentliche Spektakel am Osterdeich.

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