Ausstellung im Europapunkt Ein Gipfel schreibt Geschichte

Vor 40 Jahren sind in Bremen die Weichen für den Euro gestellt worden. Daran erinnert eine neue Ausstellung im Europapunkt am Markt. Zur Eröffnung kam der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel.
02.07.2018, 20:24
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Hoesmann

Vor genau 40 Jahren stand Bremen im Fokus der europäischen Aufmerksamkeit. Was heute wohl nur noch wenige wissen: Im Bremer Rathaus trafen sich am 6. und 7. Juli 1978 Staats-und Regierungschefs der damals neun Mitgliedsländer der Europäischen Gemeinschaft (EG). Auf ihrem Bremer Gipfel stellen sie die Weichen für den Euro: Sie einigten sich auf die Grundzüge eines gemeinsamen Währungssystems. "Eine gute Story", sagte Rudolf Hickel, "schön, dass wir hier eine so tolle Botschaft haben". Der Wirtschaftswissenschaftler sprach zur Eröffnung einer kleinen Ausstellung über das historische Ereignis am Montag im Europapunkt (Am Markt 20). Hickel hatte den Gipfel "als junger Professor in Bremen hautnah mit erlebt", wie Staatsrätin Ulrike Hiller schilderte. Die Bevollmächtigte beim Bund, für Europa und Entwicklungszusammenarbeit dankte den Studierenden, die die Ausstellung konzipiert haben. Die Schau ist bis Ende August zu sehen.

"Es war ein Werk der beiderseitigen Freundschaft"

Zwei Tage Ausnahmezustand in Bremen. Das gesamte Areal von Rathaus und Bürgerschaft war abgeriegelt, die Straßenbahnen rollten im Schritttempo am Rathaus vorbei, schwer bewaffnete Sicherheitskräfte lagen auf den Dächern. Die Schreibmaschinen Hunderter von Journalisten ratterten um die Wette. während die Delegationen zusammenkamen und schließlich den entscheidenden Schritt zur Schaffung der späteren Euro-Währungsunion unternahmen. Hauptinitiatoren des „Bremer Plans“ waren Helmut Schmidt und Valery Giscard d´Estaing – die "deutsch-französische Achse", sagte Hickel. "Es war ein Werk der beiderseitigen Freundschaft."

Zwei Leistungen des Bremer Gipfels seien hervorzuheben, so Hickel. Zum einen die Emanzipation von der Dollar-Abhängigkeit ("ein radikaler Bruch"), zum anderen habe man eine Formel für nicht veränderbare Umtauschkurse entwickelt und festgelegt. Viele völlig neue Begriffe tauchten auf und hätten den Journalisten erklärt werden müssen, erzählte der Wirtschaftswissenschaftler. Beispielsweise ECU, eine synthetische Recheneinheit auf der Basis eines Währungskorbes.

"Endlich genug Toiletten"

Auch wenn er damals gut im Bilde war, so Hickel, "das wusste ich nicht" und zeigte auf eine Infotafel der Ausstellung. Etwas hämisch berichtete vor 40 Jahren die "Morgenpost" aus Hamburg, das Bremer Rathaus bekomme wegen des Treffens "endlich genug Toiletten". Die Überschrift des Artikels, eine Kopie ist in der Schau zu sehen, lautet: "Europas Gipfel befreit Bremen aus großer Not." Aber auch die Bremer Zeitungen wussten Amüsantes zu berichten. So fehlten nach dem großen Ereignis 15 Telefone im Rathaus. "Niemand wusste, wo sie abgeblieben waren", schrieb der WESER-KURIER. Auch ein Getränkerollwagen verschwand spurlos, sodass "schnell ein neues Wägelchen gekauft" werden musste.

Einen weiteren Gag steuerte Hickel bei: 20 Jahre nach dem Bremer EG-Gipfel sollte das Treffen noch einmal in einer Veranstaltung im Rathaus bewertet werden. Helmut Schmidt kam, blieb aber mürrisch und schweigsam, erzählte Hickel. Dagegen redete Valery d'Estaing um so mehr, aber wenig über den Gipfel. Der Grund: Kurz zuvor hatte Frankreich die Fußballweltmeisterschaft 1998 gewonnen, und der Franzose schwärmte ausgiebig vom Sieg der Mannschaft.

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