Zukunft der Halbinsel auf linker Weserseite

Eine Vision vom Lankenauer Höft

Das Lankenauer Höft als neues Wahrzeichen: Von einem Veranstaltungsforum auf der Halbinsel träumt der Bremer Horst Heeren. Das Bremer Wirtschaftsressort arbeitet derweil an einem neuen Konzept.
11.09.2017, 15:47
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Hethey

Warum das Lankenauer Höft nicht zu einem echten Anlaufpunkt gestalten? Zu einem neuen Wahrzeichen für Bremen? Wenn Horst Heeren an die Halbinsel auf der linken Weserseite denkt, sieht er vor seinem geistigen Auge eine ganze Bandbreite großartiger Chancen. „Ein einmalig gelegenes Areal mit wunderbarer Aussicht“, schwärmt der 76-Jährige. Geradezu geschaffen für außergewöhnliche Architektur.

Seine Lieblingsidee: eine verglaste Weltkugel mit drehbaren Ebenen, um die sagenhaften Sonnenuntergänge in vollen Zügen genießen zu können. Das Lankenauer Höft als Veranstaltungsforum mit einer Freiluft- und Konzert-Arena, mit Restaurants, einem Hotel und Jachthafen sowie Wohnraum an und auf dem Wasser. „Und ganz wichtig: die öffentliche Verkehrsanbindung übers Wasser, mit einem Verkehrsnetz von Vegesack bis zum Weserwehr.“

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Nicht nur Heeren, früher Werkstattleiter der Silberschmiede Koch & Bergfeld, macht sich Gedanken über die Zukunft des Lankenauer Höfts, auch in der Wirtschaftsbehörde zerbricht man sich den Kopf. Im Oktober läuft die Zwischennutzung des Geländes durch das Zuckerwerk aus, eine Verlängerung ist laut Ressortsprecher Tim Cordßen nicht geplant. Derzeit arbeitet die Behörde an einem Konzept für eine langfristige Nutzung, spruchreif ist aber noch nichts. Noch nicht einmal, ob es nach der gescheiterten Ausschreibung vom März dieses Jahres eine neue geben wird. Gleichwohl sieht es danach aus. „Es liegt im Bereich des Denkbaren, dass es wieder zu einer Ausschreibung kommen wird“, sagt Cordßen.

Zurück in die Obhut des Ressorts

In diesem Fall dürfte freilich mit einer modifizierten Version zu rechnen sein. Der Rückzieher des Investors hat der Behörde zu denken gegeben. „Es ist naheliegend, etwas an den Grundlagen zu ändern“, sagt Cordßen. Dazu gehört, die organisatorische Zuordnung des Geländes neu zu regeln – sprich: die Verwaltung von der Hafengesellschaft Bremenports zurück in die Obhut des Ressorts zu geben. Offenbar soll die Anbindung zur Überseestadt und zur „weichen Kante“ dort eine größere Rolle spielen. Man müsse die Dinge miteinander denken, so Cordßen. Unter diesen Voraussetzungen gebe es weiterhin gute Chancen, das Lankenauer Höft zu einem lebendigen Teil von Woltmershausen zu machen.

Einen festen Zeitplan für die Umsetzung gibt es nicht, die Behörde hat sich keine Frist gesetzt. „Gründlichkeit und Sorgfalt gehen vor Schnelligkeit“, sagt Cordßen. Dennoch soll ein neuer Anlauf nicht allzu lange auf sich warten lassen. „Wir wollen keine unendliche Hängepartie“, betont der Ressortsprecher.

Als problematisch gilt die marode Bausubstanz. Deren Tage dürften gezählt sein, nur der charakteristische Turm hat noch Aussichten, dem Abriss zu entgehen. „Bis jetzt denken wir das Lankenauer Höft immer mit Turm“, sagt Cordßen. Der könne zur Attraktivität des Geländes durchaus beitragen. Dennoch will der Ressortsprecher nichts ausschließen. „Es gibt keine Denkverbote.“ Zwar habe der Turm noch eine Funktion, aber die technische Ausrüstung könne notfalls auch an anderer Stelle untergebracht werden.

Ein Musikaltheater mit den Bremer Stadtmusikanten

In ganz anderen Dimensionen bewegen sich Heerens Ideen. Er sieht in der Neugestaltung des Geländes eine historische Chance, die nicht leichtfertig vertan werden dürfe. Was die Elbphilharmonie für Hamburg, das könne das Lankenauer Höft für Bremen werden. Seine Wunschvorstellung: ein Musicaltheater mit der „weltweit bekannten Marke der Bremer Stadtmusikanten“ im Programm. Dadurch könne Bremen einen neuen Anziehungspunkt schaffen.

Dazu eine Fährverbindung nach Bremerhaven, um den wachsenden Markt der Kreuzfahrt-Touristen nach Bremen zu lotsen. Dass ein Musicaltheater in Bremen schon mal gescheitert ist, vermag ihn nicht zu beeindrucken. In seinen Augen ergibt eine neue Planung nur Sinn, wenn sie groß angelegt ist. „Es muss etwas Herausragendes sein“, sagt er. „Sonst kann man dort auch wieder eine Gaststätte eröffnen.“

Gegen Anregungen von außen hat Cordßen nichts einzuwenden. „Grundsätzlich sind wir immer offen“, sagt er. „Wir freuen uns über jeden, der konstruktive Vorschläge macht.“ Allerdings warnt er vor allzu überschäumender Euphorie. Denn: „Zum Groß-Denken gehören auch große finanzielle Möglichkeiten.“

Dass für seine Vision ein potenter Investor her muss, ist indessen auch Heeren klar. Darum will er seine Vorschläge auch nicht als Handlungsanleitung, sondern nur als Anstoß verstanden wissen, als Fingerzeig darauf, was möglich wäre am Lankenauer Höft. „Wenn die Idee gut genug ist, dann finden sich auch Leute, die die Idee zum Leben erwecken“, lautet seine optimistische Formel.

Entwicklungspotential und Risiken

Dessen ist sich Cordßen nicht ganz so sicher. Die gescheiterte Ausschreibung treibt ihn noch heute um. „Wenn das Lankenauer Höft ein goldener Grund wäre, dann hätte sich auch ein Investor gefunden“, gibt er zu bedenken. Das Areal biete zweifellos Entwicklungspotenzial, berge aber auch diverse Risiken, besonders mit Blick auf die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Die zu verbessern sei keine Sache, die von heute auf morgen geregelt werden könne. Dennoch will die Stadt keinen Investor vor den Kopf stoßen. Cordßen: „Wenn sich jemand angesprochen fühlt – wir empfangen ihn mit offenen Armen.“

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