Umfrage des ADFC Bremen ist fahrradfreundlich - aber mit Mängeln

In Bremen lässt es sich – im Vergleich mit anderen Städten – besonders gut mit dem Rad fahren. Das hat eine Umfrage des ADFC ergeben. Nachholbedarf gibt es aber auch in der Hansestadt.
16.03.2021, 21:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremen ist fahrradfreundlich - aber mit Mängeln
Von Rebecca Sawicki

Bremen ist im Vergleich mit anderen Städten besonders fahrradfreundlich. Das hat eine bundesweite Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ergeben. Danach landete die Hansestadt mit einer Note von 3,57 auf dem ersten Platz vor Hannover (3,67) und Frankfurt am Main (3,72). Bremerhaven rangiert im Ranking der Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern mit der Note 4,4 auf Platz 36 der 41 teilnehmenden Städte.

Die Befragung zum Fahrradklima in Deutschland führt der ADFC alle zwei Jahre durch. Der bundesweite Durchschnitt ergab im vergangenen Jahr ein für den ADFC nach eigenen Angaben „unbefriedigendes Ergebnis“ mit der Note 3,9. „Es gibt aber leichte Verbesserungen in den Großstädten“, sagte Bremens ADFC-Vorsitzende Bonnie Fenton bei der digitalen Ergebnispräsentation am Dienstag.

Zufrieden seien die Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit, dass Einbahnstraßen für Fahrräder in beide Richtungen geöffnet und viele Menschen jedes Alters mit den Rädern unterwegs seien. Außerdem wurde die Erreichbarkeit der Innenstadt gelobt. Als größte Probleme hat der Club zu wenige Kontrollen von Falschparkern, zu schmale Fahrradwege und ein Gefühl von Unsicherheit ausgemacht. „Wir brauchen eine Verkehrswende hin zum Umweltvehikel“, sagt der Geschäftsführer des ADFC Bremen, Sven Eckert. Laut der Umfrage fühlen sich 53 Prozent der 1771 Umfrage-Teilnehmer nicht sicher, wenn sie auf dem Rad in Bremen unterwegs sind.

Staatsrat Ronny Meyer von der Senatorin für Klimaschutz und Mobilität stimmt ihm zu, dass es nicht genüge, Radstreifen zu markieren: „Farbe reicht nicht, um ein Sicherheitsgefühl herzustellen.“ Aus diesem Grund soll noch in diesem Frühjahr ein Vorschlag für sogenannte Protected Bike Lanes – also Fahrradwege, die beispielsweise mit Pollern von der Straße abgetrennt sind – gemacht werden. „Die Bürgerschaft hat viele Probleme, die der ADFC nennt, erkannt“, sagt Meyer. Er sieht viel Diskussionspotenzial bei einer möglichen Neuaufteilung des Straßenraumes.

Lesen Sie auch

Die Benotung der Stadt Bremerhaven hat sich im Vergleich zur vorherigen Befragung verbessert, im Städteranking allerdings sinkt die Platzierung: 2016 erreichte Bremerhaven Platz 26 und 2018 Platz 35. „Andere Städte tun also sehr viel mehr“, fasst Sven Eckert das Ergebnis zusammen. In beiden Städten des Bundeslandes sieht er das Problem, dass die Radwege und das Radwegekonzept seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt worden seien. Sein Urteil: Die Bürgerinnen und Bürger im Land Bremen führen trotz der Radwege Fahrrad, nicht wegen der Radwege.

Der Geschäftsführer appelliert deshalb: „Land Bremen, trau dich, etwas für den Radverkehr zu machen. Das Potenzial ist da.“ Statt die Stadt mit anderen Städten in Deutschland zu vergleichen, in denen es schlechter liefe, empfiehlt er einen europäischen Vergleich mit Fahrradstädten beispielsweise in den Niederlanden oder Dänemark anzustreben. „Die Note 3,57 ist nicht die Bewertung, die wir als Fahrradstadt anstreben“, sagt auch Staatsrat Meyer.

Lesen Sie auch

Im vergangenen Jahr hat es außerdem eine Sonderbefragung zum Thema Corona gegeben. Das Fazit des ADFC: „Der Großteil der Städte hat die Chance, Corona für den Radverkehr und die Verkehrswende zu nutzen, ungenutzt verstreichen lassen“, sagt Fenton. Berlin habe mit seinen Pop-up-Radwegen bewiesen, dass ein Wechsel schnell vollzogen werden könne. Auch Frankfurt am Main konnte sich auf diese Weise einen der Spitzenplätze der Großstädte sichern.

Bremen hat sich bei der Corona-Sonderauswertung hingegen auf dem zehnten von insgesamt 14 Plätzen platziert. „Die Politik hat nichts gemacht, obwohl die Bedeutung des Radfahrens gestiegen ist“, sagt Eckert. Anhand der gestiegenen Verkaufszahlen von Lastenrädern und E-Bikes im vergangenen Jahr zeige sich die Notwendigkeit, die Radinfrastruktur auszubauen, fasst Fenton zusammen.

Info

Zur Sache
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+