Mosaic-Expedition Forscher der Polarstern ziehen eine erste Bilanz

Nach einem halben Jahr ziehen die Forscher der Mosaic-Expedition eine erste Bilanz der Zeit in der Arktis. Besonders freut sich die Mannschaft der Polarstern darauf, dass sie demnächst im Hellen arbeiten wird.
11.03.2020, 14:49
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Forscher der Polarstern ziehen eine erste Bilanz
Von Elena Matera

Gefangen im Eis bei bis zu minus 36 Grad, in kompletter Dunkelheit – Mosaic, die größte Arktisexpedition aller Zeiten, hat es in sich. Seit gut sechs Monaten driftet das Forschungsschiff „Polarstern“ bereits durch die Arktis, eingefroren in einer Eisscholle. Insgesamt wird das Schiff ein Jahr unterwegs sein. Das Ziel der Expedition: die Erforschung der Klimaprozesse in der Zentralarktis und deren Einflüsse auf das Klima auf der Erde.

Zur Halbzeit zogen Expeditionsleiter Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (Awi) in Bremerhaven, Julia Regnery, wissenschaftliche Koordinatorin des Mosaic-Teams „Meereis“, und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Freitag eine erste Bilanz.

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Mosaic hat in den ersten sechs Monaten bereits zwei Rekorde gebrochen. Am 24. Februar war die „Polarstern“ nur 156 Kilometer vom Nordpol entfernt. So weit nördlich ist zuvor noch kein Schiff im Polarwinter gekommen. Nur zwei Tage später brach der russische Versorgungseisbrecher „Kapitan Dranitsyn“ einen weiteren Rekord. Kurz vor dem Zusammentreffen mit der „Polarstern“ erreichte das Schiff mit 88°28‘ ebenfalls einen neuen Breitenrekord. Noch nie ist ein Schiff so früh im Jahr aus eigenem Antrieb so weit in den Norden gefahren. Die Rekorde sind laut Rex zwei Meilensteine in der Polarforschung.

Die Mission Mosaic steht für „Multidisziplinäres Drift-Observatorium zum Studium des arktischen Klimas“. Sie ist die bislang größte Polarexpedition in der Geschichte, zehn Jahre lang wurde geplant. 20 Nationen, 900 Menschen an Bord und an Land und 90 Institutionen beteiligen sich an der Mission. Insgesamt kostet das Projekt 140 Millionen Euro. Die Hälfte wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bezahlt.

Die stärksten Klimaveränderungen auf dem Planeten

"Das ist es wert“, sagte Forschungsministerin Karliczek. „Wir brauchen diese handfesten Erkenntnisse zum Klimawandel.“ Nur mit wissenschaftlichem Basiswisssen könnten letztendlich politische Entscheidungen getroffen werden. Und eben dieses Basiswissen soll nun in der Arktis erforscht werden. Die arktischen Klimaveränderungen sind die stärksten, die der Planet aufweist. Ihr Einfluss auf das weltweite Klima ist laut Karliczek gigantisch.

Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Erde. Das Eis wird immer dünner. Bis 2050 könnte es in den Sommermonaten bereits kein Eis mehr in der Arktis geben. Gegen diesen Trend müsse man dringend ansteuern, sagte Karliczek. „Der Klimawandel ist die größte zu bewältigende Aufgabe unserer Zeit.“

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Die ersten Anzeichen der Erwärmung beobachten die Forscher täglich auf ihrer Expedition in der Arktis. Ein Beispiel: Durch die Erwärmung des Arktischen Ozeans entstehen immer kleinere und dünnere Schollen, die sich übereinander stapeln. Sie erzeugen sogenannte Presseisrücken, die laut Rex so groß wie mehrstöckige Häuser werden können. Die Presseisrücken können außerdem bis zu 30 Meter dick sein.

„Das Eis ist generell viel dynamischer als ich gedacht habe“, sagte Julia Regnery vom AWI. Sie war in den ersten Monaten auf der „Polarstern“ und möchte im letzten Forschungsabschitt wieder an Bord zurückkehren. „Das Eis bewegt sich, einzelne Stücke verschieben sich“, sagte sie.

Eine große Fülle an Daten

Auch die starken Stürme seien in diesem Jahr sehr auffällig, sagte Rex. Warmlufteinbrüche blieben in diesem Polarwinter hingegen aus. Die Wissenschaftler haben bereits angefangen, die gesammelten Daten und Erkenntnisse auszuwerten. Laut Rex sind es gewaltige Mengen. „Wir bringen die große Fülle an Daten auf Festplatten an Land“, sagte der Expeditionsleiter. Die ersten Ergebnisse werden erst in einigen Monaten vorliegen. Bis dahin messen die Forscher weiter auf dem Eis, an Bord und in der Atmosphäre. Tauchgänge mit den Unterwasserrobotern zeigen, wie das Leben unter der Eisoberfläche aussieht.

Die Messungen und Forschungen in der Forschungsstation laufen unter schwierigen Bedingungen. Starke Stürme, Minusgrade und komplette Dunkelheit – das Leben in der Arktis ist ein Leben der Extreme. Dennoch konnten die Forscher auch viel Leben entdecken. Sie konnten Dorsche, Rippenquallen, Polarfüchse, Robben und Eisbären beobachten. Letztere sind laut Rex nicht ganz ungefährlich. Denn hungrige Eisbären fressen auch Menschen. Doch die Forscher sind vorbereitet. Wärmelichtkameras zeigen etwa, ob sich ein Eisbär nähert. Falls dies der Fall ist, muss die Mannschaft schnell an Bord verschwinden. „Man sieht: Die ganze Expedition ist an der Grenze des Machbaren“, sagte der Expeditionsleiter.

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Rex ist im Januar von der Polarstern zurückgekehrt. In einer Woche geht es für ihn wieder an Bord. Er freue sich, die Forschungsstation auf der 2,5 mal 3,5 Kilometer großen Eisscholle erstmals im Hellen zu sehen. Denn von Oktober bis März herrscht in der Arkis komplette Dunkelheit. Die Forscher konnten bislang nur mit ihren Stirnlampen die Scholle erkunden. „Die ganze Station haben wir noch nie im Licht gesehen“, sagte Rex.

In wenigen Wochen geht dann die Sonne wieder auf. Man sehe dann die schönsten Farben, erklärt der Expeditionsleiter. Es werde von Tag zu Tag heller, bis die Sonne ganz aufgeht und monatelang das Eis in Licht hüllt. Erst im Herbst wird sie schließlich wieder untergehen.

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