Fridays for Future Mehr Demonstranten als erwartet

In ganz Deutschland wurde am Freitag für das Klima demonstriert. Über 400 Protestzüge plante Fridays For Future bundesweit, auch in Bremen war die Resonanz groß.
24.09.2021, 14:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Patricia Friedek und Sophia Allenstein

Zu Tausenden sitzen sie am Freitagmittag auf den Osterdeichwiesen: Eltern mit kleinen Kindern, Schüler und Studentinnen, Rentner. Generationenübergreifend waren viele Menschen dem Aufruf von Fridays For Future zu einem globalen Klimastreik gefolgt. Ihr Ziel: Vor der Bundestagswahl am Sonntag noch einmal auf den Klimaschutz aufmerksam machen.

Von 10 Uhr an waren die Demonstrantinnen und Demonstranten zuvor durch Bremen gezogen. Startpunkt war die Gustav-Deetjen-Allee neben der Bürgerweide. Von dort lief der Protestzug in Richtung Herrmann-Böse-Straße über den Stern, Dobben und Ostertorsteinweg zum Wall. Begleitet von Trommelschlägen und Trillerpfeifen ging es später am Dom entlang und über Obernstraße und Martinistraße zum Osterdeich. Nach Veranstalterangaben versammelten sich etwa 15.000 Menschen, die Polizei sprach von mindestens 8.000 Teilnehmern. Das übertraf die Prognosen um mehr als das Doppelte: Im Vorfeld war mit einer Menge von 3.000 Demonstranten gerechnet worden. Zeitweise erstreckte sich der Demonstrationszug über eine Länge von mehr als drei Kilometern.

Gegen zwölf Uhr erreichte die Spitze des Protestzuges den Osterdeich. Bei einer Abschlusskundgebung meldeten sich verschiedene Organisationen wie der Naturschutzbund (Nabu), das Wissenschaftsbündnis Science For Future, das Afrika-Netzwerk und Fridays For Future selbst zu Wort. "Wir nehmen den Kohleausstieg selbst in die Hand", erklärten die Aktivisten vor applaudierendem Publikum. Zudem forderten sie, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Aktuell steuere die Welt auf ein Temperaturplus von 2,9 Grad zu. Mit Blick auf die Bundestagswahl riefen die Aktivisten dazu auf, aus ihr eine "Klima-Wahl" zu machen.

„Die Demonstration ist nicht ganz so groß wie vor zwei Jahren, aber dafür umso intensiver“, sagte Michael Horling. Bereits als Kind war er auf den Anti-Atom-Demos, erzählte er, jetzt stehe er gegen fossile Brennstoffe und für erneuerbare Energien ein. Mitgebracht hat er ein „Stoppt Braunkohle"-Schild. 

Zum ersten Mal bei einem Bremer Klimastreik dabei war Nadine Wulf. Die Biologie-Studentin wollte, insbesondere vor den Wahlen am Sonntag, noch einmal auf Themen aufmerksam machen, die sonst untergehen. "Es muss ein generelles Umdenken geben, weniger Fokus auf den Kapitalismus", sagte sie.

Ähnlich sah das auch Wolf Rogowski. Der Professor für Management und Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen an der Universität Bremen ist Mitglied einer Scientists for Future Gruppe. "Ich glaube, dass Klimaschutz und der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft das wichtigste Anliegen unserer Generation ist", sagte Rogowski. Er hofft auf einen Wandel nach der Bundestagswahl und wünscht sich ökologische Maßnahmen mit sozialem Ausgleich. "Das Wichtigste ist, dass der CO2-Preis so hoch ist, dass er eine Steuerungswirkung entfacht."

Aufgrund der Masse an Teilnehmern forderten Polizei und Veranstalter die Demonstranten immer wieder auf, die Corona-Abstandsregeln einzuhalten und sich während der Abschlusskundgebung auf den Osterdeichwiesen bis zum Weserstadion zu verteilen. Ansonsten wäre der Streik aufgelöst worden. Darüber hinaus kam es laut der Polizei zu keinen nennenswerten Störungen, die Stimmung sei ausgesprochen friedlich gewesen. Zeitweise wurde der Osterdeich zwischen Tiefer und Sielwall gesperrt und der Verkehr über die Lüneburger Straße umgeleitet. Gegen 13.30 Uhr wurde die Versammlung, an der zu diesem Zeitpunkt nur noch rund 500 Menschen teilnahmen, von den Veranstaltern beendet.

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Die Bremer Ortsgruppe von Fridays For Future zeigte sich mit dem Ablauf der ersten größeren Demonstration seit September 2020 zufrieden. "Es sind viel mehr Menschen gekommen, als wir erwartet hätten," erklärte Milan Wischnath, Sprecher der Bewegung. "Wir haben ein deutliches Zeichen gesetzt." Corona habe es Fridays For Future schwieriger gemacht, sich zu organisieren. Das wolle man, sobald es die Coronalage zulasse, schnell wieder ändern.

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