Neustart für Tourismus Ein Fan-Mobil wirbt für Bremen

Der Tourismus in Bremen hat im Jahr 2020 wegen der Pandemie wöchentlich Umsatzeinbußen von knapp 13,1 Millionen Euro hinnehmen müssen. 2021 war nicht viel besser. Zeit für einen Neuanfang. Aber wie?
21.03.2022, 18:49
Lesedauer: 3 Min
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Ein Fan-Mobil wirbt für Bremen
Von Jürgen Hinrichs

Reisende auf dem Bahnsteig in Leipzig oder Nürnberg – nach Bremen wollen sie oft nicht, noch nicht. Mit einer Kampagne, die Bremen im kommenden Jahr zusammen mit der Deutschen Bahn AG starten will, soll das anders werden. Dann wird dafür geworben, den Zug nach Norden zu nehmen, an die Weser, wohin denn sonst? Mit Reisepaketen vielleicht und Sonderpreisen, so genau weiß Oliver Rau das noch nicht oder will es vorerst nicht verraten.

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Der Mann für den Tourismus bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) hat am Montag mit Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) Pläne erläutert, wie in den nächsten zwei Jahren nach der langen und zermürbenden Corona-Pause wieder mehr Gäste in die Stadt gelockt werden können. Der Senat stellt dafür zusätzlich 2,6 Millionen Euro zur Verfügung, eine Rekordsumme, wie die Regierung betont. "Wir waren mal bei 40 Millionen Tagesgästen pro Jahr, da wollen wir wieder hin", gibt Rau als Zielmarke aus. Es soll nichts weniger als ein Neustart werden, so jedenfalls ist das Programm überschrieben. Der Ansatz ist da, das Geld auch, viele konkrete Projekte sind es aber noch nicht. 

Regionale Maßnahmen:

Hier liegt der finanzielle Ansatz bei je 500.000 Euro für 2022 und 2023. Mit einem Bremen-Fan-Mobil will sich die WFB auf die Reise durch den Nordwesten machen. „Da besonders Tagestouren ein wichtiger Faktor für den Bremen-Tourismus sind, planen wir diverse Maßnahmen in der Region“, so Rau. Während der sogenannten Roadshows an der Nordseeküste und in ganz Niedersachsen würden die Bremer Wissenswelten, Kultur-, Freizeit- und Tourismusangebote präsentiert. Gleichzeitig könne das Fan-Mobil auch als Tourist-Information auf Veranstaltungen oder Messen dienen. Angestrebt werden ferner Kooperationen mit lokalen und regionalen Medien.

Weil es überall im Tourismus und Gastgewerbe einen Mangel an Arbeitskräften gibt, will die WFB das Image dieser Berufe stärken. Auch dafür sollen die bewilligten Gelder eingesetzt werden. Zu den Aktionen zählt unter anderem ein Stammtisch, an denen sich Menschen versammeln, die in der Stadt für Personal verantwortlich sind und am besten wissen sollten, wie es gewonnen werden kann.

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Nächstes Stichwort sind die Geschäftsreisenden, von denen vor allem das Gastgewerbe und die Messe- und Kongressbranche profitieren. Hier gab es durch die Pandemie besonders starke Rückgänge, mit dem Ergebnis, dass die meisten Tagungen und Kongresse abgesagt werden mussten. Deshalb, so die WFB, soll versucht werden, in Zusammenarbeit mit Professorinnen und Professoren der Bremer Universität und der Hochschulen das  Veranstaltungsgeschäft neu zu beleben.

Überregionale Maßnahmen:

Geplant ist die Ausgabe von je 800.000 Euro für 2022 und 2023. Unter anderem sollen die klassischen Werbeelemente eingesetzt werden, also Anzeigen in Tageszeitungen und Magazinen, außerdem Filme und Plakate in deutschen Großstädten. Gas geben wollen die Bremer Tourismusexperten auch auf digitalem Weg. "Da sind wir noch ziemlich blank", gibt Rau zu. Themen, die insbesondere das jüngere Publikum ansprechen sollen, sind die Vereinbarkeit der touristischen Angebote mit Klimaschutz und Klimaanpassung.

Sie sollen außerdem authentisch sein, also das Besondere von Bremer herausstellen. Helfen soll dabei die Marktforschung, auch die wird nun mit dem Extrageld finanziert.

Zur Sache

Streit mit Bremerhaven

Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) nutzte die Präsentation am Montag zur Klarstellung im Streit mit Bremerhaven, das sich bei der Tourismusförderung benachteiligt sieht. Es geht um Landesmittel, 640.000 Euro, die sich die Seestadt mit Bremen geteilt hätte. Entnommen werden sollte der Betrag aus dem sogenannten Bremen-Fonds zur Abfederung der Corona-Folgen. Der Senat konnte sich darauf zuletzt aber nicht einigen, weil der Fonds mittlerweile überbucht ist. Vogt findet nicht gut, dass es nun gerade beim Tourismus ein Stoppsignal gibt: "Anders als so manches, was aus dem Fonds finanziert wird, ist dieser Bereich definitiv von der Pandemie betroffen", so die Senatorin. Dass sich Bremerhaven nun besonders im Hintertreffen sehe, könne sie nicht nachvollziehen, es betreffe ja schließlich beide Städte, wenn die Mittel nicht flössen. Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) wirft Vogt in dieser Sache Untätigkeit vor: "Ich finde, man muss sich auch mal kümmern." Grantz habe im Senat bis zum Schluss zu dem Vorgang nichts gesagt. Aufgeben will die Senatorin noch nicht, sie wolle weiterhin für die Mittel kämpfen, kündigte Vogt an. Vorgesehen ist das Geld unter anderem für einen sogenannten Tourismus-Award eine Fisch-Genuss-Route.

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