In Krankenhäusern und Pflegeheimen Corona-Reihentests: Bremen fehlt ein Konzept

Mit Reihentests für gefährdete Personen soll die Pandemie eingedämmt werden, das hat Jens Spahn gefordert. In Bremen fehlt bisher aber sowohl in Pflegeheimen als auch in Kliniken ein entsprechendes Konzept.
23.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Corona-Reihentests: Bremen fehlt ein Konzept
Von Lisa-Maria Röhling

Was die Bundesregierung vor knapp einer Woche mit dem zweiten Infektionsschutzgesetz beschlossen hat, soll nun Realität werden: Präventive Reihentests in Pflegeheimen und Krankenhäusern sind aus Sicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen. In Bremen ist die Debatte nicht neu: Seit den ersten Infektionen in Pflegeheimen mehren sich Forderungen nach regelmäßigen Testungen in dieser besonders gefährdeten Gruppe. Auch der Marburger Bund und die Deutsche Krankenhausgesellschaft bestehen auf Reihentestungen des Klinikpersonals. Allerdings kommt in Bremen nur langsam Bewegung in die Sache.

Das neue Infektionsschutzgesetz sieht unter anderem ausgeweitete Möglichkeiten vor, Menschen auf Corona zu testen. Der Fokus soll dabei vorerst auf gefährdete Personen wie Pflegeheimbewohner gelegt werden. Sie sollen auf dem Weg in und aus Kliniken getestet werden; eine Forderung, die Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bereits nach den ersten Infektionswellen in Bremer Pflegeheimen in der Sozialdeputation geäußert hatte. Nach der neuen Bundesvorgabe soll nun auch in Krankenhäusern wesentlich mehr getestet werden. Damit sollen mögliche Infektionen früher erkannt und Infektionsketten rasch unterbrochen werden. Neu ist auch, dass die Krankenkassen künftig auch dann die Kosten eines Tests übernehmen, wenn der oder die Getestete keine Symptome zeigt.

Konzept in Arbeit

Das Bremer Gesundheitsressort hatte in der vergangenen Woche erklärt, ein Konzept für mehr Testungen in den Pflegeheimen sei in Arbeit. Inwiefern das auch für das Klinikpersonal denkbar ist, war zu dem Zeitpunkt noch nicht diskutiert worden. Auf Nachfrage erklärte Behördensprecher Lukas Fuhrmann am Freitag zu den Reihentestungen in Pflegeheimen und Krankenhäusern: „Wenn diese Strategie über der Robert-Koch-Institut rausgegeben wird, wird das auch nichts sein, wogegen wir uns sperren würden.“ An den Aussagen des Bundesministers hingen allerdings auch Finanzierungs- und Leistungsfragen, die zunächst geklärt werden müssten.

Dass noch keine Pläne für Tests in den Pflegeheimen vorliegen, ärgert deren Träger. „Wir hören seit Wochen, dass daran gearbeitet wird“, sagt Arnold Knigge, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände. Das sorge inzwischen bei den verschiedenen Pflegeheimbetreibern für große Sorgen und Probleme; auch, weil für viele Einrichtungen die Lockerungen des Besuchsverbots anstehen (wir berichteten). Gerade, weil die Krankenkassen nach den Bundesregelungen nun die Kosten bei allen Testungen übernehmen müssen, könne es keine Frage der Finanzierung sein, sagt Knigge. „Wir sind nicht bereits, das länger hinzunehmen. Wir fühlen uns allein gelassen.“

Lesen Sie auch

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hofft, dass auch das Personal in den Kliniken bei den Reihentests in den Fokus rückt. Denn regelmäßige Tests seien zentral in der Pandemiebekämpfung. Das sei vor allem auch bei symptomfreien Krankenhausmitarbeitern erforderlich, weil diese in ständigem Kontakt mit Infizierten oder mutmaßlich Infizierten seien. Gerade wegen der kürzlich erlassenen Lockerungen gelte es jetzt besonders, die Gesundheitsversorgung weiterhin zu gewährleisten.

71 Menschen aus Kliniken und Pflegeeinrichtungen infiziert

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich laut Robert-Koch-Institut bundesweit 20.400 Menschen aus Gesundheitsberufen infiziert, das sind elf Prozent aller Fälle. Alleine in Krankenhäusern, Praxen, Dialyseeinrichtungen und bei Rettungsdiensten verzeichnete das RKI bislang mehr als 11.800 Corona-Fälle. In Bremen sind aktuell 71 Menschen, die in Kliniken und Pflegeeinrichtungen arbeiten, infiziert.

Deswegen fordert der Dachverband der Krankenhausgesellschaften das Personal in Kliniken als gefährdete Gruppe anzuerkennen. „Niederschwellige Tests sind zentrale Voraussetzung für die Eindämmung der Epidemie und die Wiederaufnahme der Regelversorgung“, erklärte Gerald Gaß, Präsident der DKG. Konkret sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in stetigem Kontakt mit Patienten sind, einmal die Woche getestet werden.

Auch der Marburger Bund in Niedersachsen hält mehr Tests in den Kliniken für „alternativlos“. Die niedersächsische Landesregierung hatte zuletzt angekündigt, mehr präventive Tests in Pflegeheimen umzusetzen, das Krankenhaus- und Pflegepersonal sei bisher kein Thema gewesen. „Insbesondere unter Klinikärztinnen und -ärzten sowie der Pflegerschaft gilt es, Infektionsketten möglichst schnell aufspüren und unterbrechen zu können“, erklärte der Vorsitzende des Marburger Bundes Niedersachsen, Martin Wollenberg. In Niedersachsen sei aktuell ein Rückgang der Testungen zu beobachten, dabei mangele es nicht an Kapazitäten.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+