Restaurantführer Gault Millau Gault Millau zeichnet Bremer Köche aus

Die 32 Kritiker des Gault Millau haben für die neue Ausgabe mehr als 1000 Restaurants bundesweit getestet - darunter auch einige in Bremen, Bremerhaven und Niedersachsen.
06.11.2019, 11:50
Lesedauer: 3 Min
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Gault Millau zeichnet Bremer Köche aus
Von Marcel Auermann

Der Restaurantführer Gault Millau hat seine Bewertungen vergeben und dabei Stefan Ladenberger vom „Kleinen Lokal“ und Christian Wichtrup von „Grashoff's Bistro“ auf Platz eins der kulinarischen Hitparade in Bremen gesetzt. Ladenberger bemühe sich um einen raffinierten und experimentierfreudigen Stil und arrangiere die Teller mit ästhetischem Anspruch, loben die Tester. "Perfekt gegart kommt die Dorade mit glasierten Möhren und Currypolenta, eine schöne Inspiration ist der geröstete Pulpo auf Paprikawürfeln, grünen Peperoncini und Korianderfrische", ist in der Kritik zu lesen. Wichtrup biete in stets allersolidestem Kochhandwerk und aus vorzüglichen Produkten viele bewährte Gerichten, die schon Stammgast Vicco von Bülow alias Loriot liebte – allen voran der dampfgegarte Schellfisch mit seiner unvergleichlichen Joghurt-Senf-Soße, schreiben die Gourmets über "Grashoff’s Bistro". "Es gibt aber auch als ,Hot Chicken’ saftig gebratene
Medaillons von der Poulardenbrust, die zuvor in Tandoori-Masala mariniert wurden und mit Kokosnuss-Chili-Soße, frischer Minze und rotem Mango-Chutney serviert werden.„ Verlockend seien stets die Soßen, “die man am Ende, pardon!, vom Teller abschlecken möchte.“

In Punkten, die der Gault Millau nach dem französischen Schulnotensystem vergibt, heißt das für beide Küchenchefs 15 von 20 möglichen Punkten. Damit ist die Bewertung zumindest für Stefan Ladenberger um einen Punkt niedriger ausgefallen als im vergangenen Jahr. Christian Wichtrup hat sein Niveau gehalten. Im Verständnis der Restauranttester stehen 15 Punkte für jene Klasse, in der „Kochen zur Kunst wird“.

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Auf den Plätzen folgen wie im Vorjahr mit je 13 Punkten für inspirierte Gerichte Richard Apel vom „Natusch“ in Bremerhaven, Michael Sünram vom „Topaz“ in Bremen und Michael Uphoff vom „Pier 6“ in Bremerhaven. Erstmals erhielt dieses Jahr das „Due Fratelli“ im Viertel die Weihen des Gault Millau. Das Team überzeugte mit „seiner Cucina von Spaghetti alla carbonara bis Kalbsleber mit Salbei“. Ebenfalls neu dabei ist „Isaak’s Garden“ mit seinem zum Teilen angebotenen Programm von "gegrillten Langostinos auf mild gewürztem Sauerkraut bis zum Hirschkarree in Wacholder-Gin-Soße“. Beide Restaurants erhielten 13 Punkte.

Zwar bleibt die Markthalle Acht in der Bremer Innenstadt ohne Bewertung, aber sie erhielt eine besondere Erwähnung wegen des „von internationalen Streetfoodklassikern über Bowls und Smoothies bis zu regionaler Bio-Kost breitgefächerten Angebots".

Im niedersächsischen Umland verteidigt Tim Extra vom „Apicius“ in Bad Zwischenahn seine 17 Punkte. Das „No 4“ in Buxtehude kommt auf 16 Punkte.

Der gebürtige Delmenhorster Kevin Fehling zelebriert die große Kochkunst im Hamburger „The Table“ in der Hafencity. Ihn hat der Restaurantführer zum Aufsteiger des Jahres in der Hansestadt gekürt. Der 43-Jährige erhält 19 von 20 möglichen Punkten. Sie stehen für „prägende Küche, führend in Kreativität, Qualität und Zubereitung“.

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Die 32 Kritiker des Gault Millau haben für die neue Ausgabe mehr als 1000 Restaurants bundesweit getestet. Sie sehen insgesamt mehr „Nachdenklichkeit“ in gehobenen deutschen Küchen. „Vor allem die junge Generation kocht mit einem geschärften Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen“, sagt Chefredakteurin Patricia Bröhm. Junge Köche orientierten sich „zunehmend an dem, was für unsere Großeltern und Urgroßeltern selbstverständlich war. Eine Küche, die die Schätze heimischer Natur hochachtet, die Saison respektiert und alles vom Tier und von der Pflanze verwendet, was essbar ist, bis hin zu den lange verschmähten Innereien“.

In der Gruppe der deutschen Spitzenköche mit 19,5 von 20 Punkten hat sich in diesem Jahr nichts getan. Nach wie vor gelten acht Männer laut Gault Millau als Deutschlands beste Köche: Christian Bau („Victor's Fine Dining by Christian Bau“, Perl), Sven Elverfeld („Aqua“, Wolfsburg), Klaus Erfort („Gäste Haus“, Saarbrücken), Christian Jürgens („Überfahrt“, Rottach-Egern), Torsten Michel („Schwarzwaldstube“, Baiersbronn), Clemens Rambichler („Waldhotel Sonnora“, Dreis bei Wittlich), Tim Raue („Tim Raue“, Berlin) und Joachim Wissler („Vendôme“, Bergisch Gladbach).

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