Noch keine Entscheidung beim Freimarkt Verbrauchermesse Hanse Life fällt dieses Jahr aus

Die Hanse Life findet in diesem Jahr nicht statt. Die Messe setzt aber darauf, im Herbst wieder zu Fachmessen einzuladen. Derweil warten die Schausteller weiterhin auf eine Entscheidung zum Freimarkt.
17.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Silke Hellwig, Frank Hethey und Jan Petermann

Die Verbrauchermesse Hanse Life fällt in diesem Jahr aus. Geplant war sie vom 16. bis 20. September. Grund für die Absage: Es gebe keine Planungssicherheit, sagt Messe-Geschäftsführer Hans Peter Schneider. „Die aktuelle Rechtslage gilt bis Ende August, ab wann Großveranstaltungen wie diese wieder zugelassen sind, kann derzeit kein Mensch sagen.“ Die Hanse Life ist die größte Publikumsmesse Bremens. Die Absage reiße ein entsprechendes Loch in die Kalkulation, so der Geschäftsführer. „Wir machen mit diesem starken Produkt sonst starke Deckungsbeiträge.“

Selbst wenn die Veranstaltung erlaubt worden wäre – bei den Ausstellern erlebe er große Zurückhaltung und Skepsis, was das Publikumsinteresse betrifft. „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir uns um den Teppich, den Standbau und die Plakate hätten kümmern und sehr viel Geld hätten in die Hand nehmen müssen. Niemand kann einschätzen, ob solche Veranstaltungen von den Konsumenten angenommen werden. Das Risiko war uns zu groß.“ Klar sei, dass für künftige Veranstaltungen mehr Platz benötigt werde. Das habe Auswirkungen auf die Kosten, für die Messe und für die Aussteller.

Konzept erstellt

Das bedeute nicht, dass die Messehallen bis auf Weiteres komplett leer stehen. Die Messe Bremen hat ein Konzept erstellt, um wieder Veranstaltungen zu beherbergen, sagt Hans Peter Schneider. Dabei gehe es – wie bei anderen Gastgebern – um Abstände zwischen den Messeständen, um geordnete Zu- und Abgänge, das Erfassen von Kontaktdaten sowie um Putz-, Lüftungs- und Desinfektionsrhythmen. Neu belebt werden sollen die Hallen zunächst mit sogenannten Business-to-Business-Veranstaltungen für Fachpublikum, wo sich die Besucherströme leichter kontrollieren lassen, weil jeder Gast registriert wird. Die Breakbulk Europe als größte Messe der internationalen Stückgut- und Schwergutlogistikbranche vom 29. September bis 1. Oktober wird vermutlich die erste Fachveranstaltung sein.

In Hannover will die Deutsche Messe AG ebenfalls wieder Veranstaltungen möglich machen. Kern eines entsprechenden Sicherheitskonzepts sind auch hier spezielle Abstands- und Hygieneregeln sowie eine Erfassung von Kontakten, wie das Unternehmen mitteilte. Im Großen und Ganzen ähnelten sich die Hygienekonzepte, sagt Hans Peter Schneider, allerdings unterschieden sich die geforderten Auflagen von Bundesland zu Bundesland. Die Fachmessen Euroblech (27. bis 30. Oktober) und Eurotier (17. bis 20. November) sollen in Hannover stattfinden. Das Sicherheitskonzept, der bei Landesregierung eingereicht wurde, nehme auch das Jahr 2021 in den Blick, hieß es. „Wir haben uns mit dem Thema genauso intensiv beschäftigt wie mancher Bundesligist“, sagt Jochen Köckler, Vorstandschef der Deutsche Messe AG.

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Was wird aus dem Freimarkt? Der traditionelle Umzug ist abgesagt. Zur Begründung verwies Rolf Robrahn, Vorsitzender des Schaustellerverbandes, auf die lange Vorbereitungszeit für die Teilnehmer. „Viele Gruppen richten ihre Wagen mit großem Aufwand für den Festumzug her.“ Um ihnen unnötige Kosten zu ersparen, habe man Anfang Mai entschieden, auf den Umzug zu verzichten. Auf den Besuchermassen liegt das Hauptaugenmerk von Rolf Herderhorst vom Verein der Schausteller und Marktkaufleute. Bei 200.000 Menschen an der Wegstrecke sind aus seiner Sicht die Abstandsregeln nicht einzuhalten. Als Veranstalter hätten sich die Schaustellerverbände deshalb entschlossen, den Antrag zur Genehmigung des Festumzugs gar nicht erst zu stellen.

Findet der Freimarkt statt?

Unklar ist noch, ob der Freimarkt wie geplant vom 16. Oktober bis 1. November veranstaltet werden kann. Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen untersagt. Wird das Verbot verlängert, gibt es laut Wirtschaftsressort keinen Entscheidungsspielraum. Doch das gilt als unwahrscheinlich: „Wir gehen davon aus, dass das Verbot am 31. August kippt“, sagte Kai Stührenberg, Sprecher des Wirtschaftsressorts.

Spätestens in der letzten Septemberwoche müsse eine Entscheidung fallen, so Robrahn. Bis dahin wollen Schaustellerverbände und Behörde über den Veranstaltungsrahmen und Hygienekonzepte beraten. Schon jetzt deutet sich an, dass der Freimarkt schrumpfen wird. „Eine gewisse Reduktion ist durchaus eine Option“, so Stührenberg, womöglich zulasten der großen Bierzelte. Hygienekonzepte vorzulegen und die Bestuhlung einzuschränken ist laut Robrahn das geringste Problem der Betreiber. Die Frage sei: „Lohnt dann noch der ganze Aufwand?“ Gibt der Senat grünes Licht für Großveranstaltungen, müsse in Sachen Großzelte frühzeitig eine Entscheidung her. Die Planungen für den Weihnachtsmarkt – in diesem Jahr vom 23. November bis 23. Dezember – werden derzeit weiter vorangetrieben, heißt es.

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