Willi Lemkes Blick auf Bremen

Illegale Graffiti – ein ständiges Ärgernis

Mit Graffiti besprühte Wände sehen oft nicht nur übel aus, die Schmierereien verursachen auch hohe Kosten. Die Relevanz von illegalem Graffiti ist auch anzuzweifeln, meint der ehemalige Senator Willi Lemke.
04.01.2019, 20:28
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Willi Lemke

Für den einen oder anderen Sprayer mag es ja irgendeine Relevanz haben, wenn er Häuserwände und Mauern mit Graffiti besprüht, ohne die Besitzer oder Verwalter der Einrichtungen zu fragen. Die Relevanz erschließt sich mir nicht und den meisten Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt auch nicht. Illegale Graffiti sind ein permanentes Ärgernis, und dies ganz besonders, wenn man persönlich betroffen ist.

Nicht nur dass die beschmierte Wand übel aussieht, es kostet oft auch einiges, um die Schmiererei wieder zu entfernen. Und wenn man es nicht umgehend tut, ist bald noch mehr Farbe an der der Wand. Es ist aber nicht jeder Hausbesitzer in der Lage oder willens, die Reinigung zu bezahlen. Die Stadt gibt sich dann machtlos und so verunziert dies Farbmonstrum das Stadtbild.

Lesen Sie auch

So waren die Graffiti einst nicht gedacht, als die alten Griechen und Römer ihren eigenen Namen, witzige Sprüche oder Liebesbotschaften auf Wänden und Mauern hinterließen. Der Begriff Graffiti (Singular Graffito) wurde zur Benennung jener antiken Inschriftenform geprägt, die im 18. Jahrhundert bei Ausgrabungen in Pompeji und Rom erstmals zutage trat. Graffiti wurden an Häuserfassaden, Gräbern und Stadttoren, in öffentlichen Gebäuden, Läden, aber auch in den Wohnhäusern Pompejis angebracht. Heute sind die Graffiti an öffentlichen Einrichtungen wie Brücken, Bahnanlagen, Bunkern und anderen Gebäuden ein immer wiederkehrendes Ärgernis. Und meistens eine Beleidigung für die Augen.

Beseitigung dauert lange

Es kann lange dauern, bis städtische Institutionen sich daran machen, diese Schmierereien zu beseitigen. So wandte sich ein Bekannter von mir an den neuen Ordnungsdienst der Stadt und regte an, sich um die Beseitigung der zahlreichen Schmierereien an der Weser verstärkt zu kümmern. Er benannte die Graffiti an der Ufermauer an der Tiefer, unter den Tiefer-Arkaden, bei den Aufgängen zur Wilhelm-Kaisen-Brücke und im Anlegerbereich der Schlachte.

Nachdem der Ordnungsdienst sich für nicht zuständig erklärte, kam nach einer gewissen Zeit Post vom Amt für Straßen und Verkehr. Dies teilte freundlich mit, die Graffiti an den Oberflächen der Ufermauer im Bereich der Tiefer sowie an den Aufgängen zu den Brückenbauwerken anlässlich der jährlichen Unterhaltungsarbeit nach und nach entfernen zu lassen. Einsatzfreude klingt anders. Allerdings will ich nicht verschweigen, dass das Amt nach eigenen Angaben Graffiti und Schmierereien mit politischem und sexistischem Hintergrund umgehend beseitigt.

Lesen Sie auch

Aber viele andere eben nicht. Ich will hier nicht die Beamten und Angestellten kritisieren. Sie antworten und handeln im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Wenn ihnen die Mittel nicht zur Verfügung stehen, die Graffiti sofort nach Kenntnisnahme zu beseitigen, dann geht das eben nicht. Jedenfalls nicht ohne besondere Anstrengungen. Und nicht ohne politischen Rückenwind.

Frühere Stabstelle neu besetzen

Früher gab es zu diesem Thema eine Stabsstelle „Saubere Stadt“ beim Senat. Vielleicht kann man diese Position wieder als zentrale Steuerung einsetzen. Besondere Anstrengungen könnten auch Abgeordnete, Parteien oder Senatoren einbringen. Könnte es nicht hilfreich sein, hin und wieder eine Kampagne gegen illegale Graffiti in der Stadt zu starten?

Zum Beispiel könnte ein Senator (ob für Bau oder Inneres oder Wirtschaft ist mir egal) zusammen mit Stadtteilbeiräten und Ortsämtern sowie Gruppierungen der Zivilgesellschaft Aktionen gegen die Verschandelung unserer schönen Stadt initiieren, illegale Graffiti ächten und für deren zügige Beseitigung werben.

Lesen Sie auch

Dabei kann Wandbemalung sehr schön sein. Wie viele andere war ich von Anfang an begeistert von dem Wandbild am Gebäude der Awo am Rembertikreisel. Es gibt viele andere schöne Beispiele nicht nur im Viertel, sondern auch in diversen anderen Stadtteilen. Wenn jemand seine Wände für diese Art der Kunst zur Verfügung stellt, ist das völlig okay. Solche Wände, auf denen Sprayer sich auf legalem Wege ausleben können, sogenannte „legal walls“, machen die Stadt bunter. Da hat es sicher gelegentlich Diskussionen mit der Nachbarschaft gegeben. Aber da ist dann auch jemand, der sich auf solche Diskussionen einlässt.

Ich will nicht behaupten, dass jedes legale Graffito meinen Geschmack trifft. Aber über legale kann man diskutieren. Kunst soll ja anregen, Diskussionen auslösen. Aber die illegalen Sprayer machen sich nicht nur der Sachbeschädigung fremden Eigentums schuldig, sie sind auch zu feige, zu ihrem Werk zu stehen. Übrigens können sie, auch wenn sie erst Jahre später als Täter ausfindig gemacht werden, zur Begleichung des entstandenen Schadens herangezogen werden. Doch solange wir die farbigen Schmierereien vor Augen haben müssen, ist das ein schwacher Trost.

Info

Zur Person

Willi Lemke (72) schreibt jeden Sonnabend im WESER-KURIER über seine Heimatstadt und was ihn in dieser Woche in Bremen bewegt hat.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+