Start in den Lockdown Mehrheit der Kinder bleibt in Bremen zu Hause

In Bremen bleiben die Kitas und Schulen trotz Lockdown grundsätzlich offen. Nun wird klar: Die überwiegende Mehrheit der Eltern will etwas dazu beitragen, die Pandemie zu bremsen.
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Mehrheit der Kinder bleibt in Bremen zu Hause
Von Sara Sundermann

Ab jetzt gibt es in Kitas und Schulen wohl deutlich weniger Kontakte: Ein großer Teil der Eltern lässt die Kinder zu Hause. In den Schulen waren am ersten Tag des Lockdowns laut Bildungsbehörde im Schnitt etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler anwesend. In vielen Kitas ist der Anteil der Kinder, die trotz Lockdown gebracht werden, deutlich höher, aber auch hier zeichnet sich ab, dass mehr als die Hälfte der Eltern die Kinder zu Hause lässt.

In den Kitas der Arbeiterwohlfahrt, die in der Stadt 1500 Plätze anbietet, seien derzeit etwa 30 bis 40 Prozent der Kinder vor Ort, schätzt Karin Wetzel von der Awo Bremen. In den kommenden Tagen werde die Zahl vermutlich sinken. „Die Eltern sind sehr verständnisvoll, obwohl viele in diesem Jahr schon besonders belastet sind, behalten viele ihre Kinder zu Hause“, so Wetzel.

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In den Einrichtungen des größten Betreuungsträgers Kita Bremen ist die Lage je nach Stadtteil sehr unterschiedlich – vor allem bei den jüngsten Kindern unter drei Jahren. Das sagt Wolfgang Bahlmann, Geschäftsführer von Kita Bremen. Im Schnitt bleibe jedes zweite Krippenkind zu Hause, bei den Kindergartenkindern gelte dies sogar für etwa 60 Prozent.

In Stadtteilen wie Horn, Schwachhausen oder Findorff kämen weiter relativ viele Kinder in die Kita: „Dort gibt es viele Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind“, so Bahlmann. In Stadtteilen wie Gröpelingen, Tenever und Hemelingen dagegen würden viele ihre Kinder zu Hause lassen. „In diesen Stadtteilen sind viele Eltern ohnehin sehr verunsichert durch die Pandemie, weil es dort besonders oft Teilschließungen nach Infektionen in den Gruppen gab.“

Offene Kitas sorgten für Verunsicherungen

Aus Sicht von Bahlmann ist es „höchste Eisenbahn“ für einen Lockdown. „Die Fälle steigen bei uns seit Anfang Dezember wieder deutlich an.“ Er übt Kritik an Bremens Kurs: „Wir hätten uns ein noch deutlicheres Zurückfahren der Kitas gewünscht, um Kontakte zu reduzieren und klare Vorgaben zu haben“. Der Beschluss, die Kitas trotz Lockdown in dieser Form offen zu halten, habe auch für erhebliche Verunsicherung bei den Beschäftigten gesorgt.

Probleme gebe es in den Horten: Weil dort nur noch Kinder aus zwei Klassen gemeinsam betreut werden dürften, könne man vielen Grundschulkindern derzeit keine Nachmittagsbetreuung anbieten, so Wolfgang Bahlmann.

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Für die evangelischen Kitas betont Carsten Schlepper, dass man zwar generell die Eltern bitte, ihre Kinder selbst zu betreuen, einzelnen Familien aber auch bewusst anbiete, ihre Kinder zumindest an zwei oder drei Wochentagen in die Kita zu bringen. „Das machen wir zum Beispiel bei Familien, wo wir wissen, dass es mit vielen Kindern in der Wohnung eng wird“, sagt Schlepper.

Die meisten Klassenräume dürften unterdessen deutlich leerer sein als die Kitas. Laut Personalrat Schulen ist die Situation an den Schulen sehr unterschiedlich. „Wir hätten uns gewünscht, ab Klasse sieben alle in den Distanzunterricht zu schicken“, sagt die Personalratsvorsitzende Angelika Hanauer. So hätte man Lernen für die ganze Klasse pädagogisch sinnvoller organisieren können, als wenn eine Handvoll Schüler im Klassenraum sitze und der Rest zu Hause.

Zuletzt viele Kinder krank gemeldet

An der Grundschule in der Humannstraße in Hemelingen waren am Mittwoch etwa zehn Prozent der Kinder vor Ort, sagt Schulleiterin Annekatrin Kelz. „Viele Eltern waren wohl erleichtert, dass nun das Ansteckungsrisiko sinkt.“ Zuletzt hätten überdurchschnittlich viele ihre Kinder krank gemeldet, teils aus Sorge vor Corona. Weiter zur Schule kämen nun vor allem Kindern von berufstätigen Eltern und neu zugezogene Schüler.

In der Grundschule an der Glockenstraße (Hemelingen) kam am Mittwoch jedes achte Kind zur Schule, in der Kantstraße (Neustadt) jedes fünfte Kind, in der Stader Straße (Hulsberg) jedes dritte. Mehrere Grundschulleitungen berichten, dass ihre Schüler sich jeden Tag zu festen Zeiten per Video beim Portal Its Learning mit Lehrern treffen. Bei den einen gibt es individuelle Lernpakete und zwei Stunden Online-Hilfe pro Tag. Die anderen erzählen, dass sie versuchen, mit jedem Kind einmal am Tag per Telefon oder Video im Kontakt zu sein und extra Stundenpläne für zu Hause erstellt haben: 45 Minuten Aufgaben bearbeiten, dann eine kleine Bewegungspause, heißt es in darin zum Beispiel. An mehreren Schulen wurde der erste Tag des Lockdowns den Schulleiterinnen zufolge von Lehrern auch dafür genutzt, die zum Teil gerade erst angekommenen Tablets für Schüler einzurichten.

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Infektionen in Krippen und Kindergärten

In den 435 Kitas der Stadt gab es zuletzt laut Bildungsbehörde 59 Corona-Infektionen, davon 52 bei Beschäftigten und sieben bei Kindern. Seit Beginn des Kita-Jahres wurden insgesamt 171 Beschäftigte und 47 Kinder in Bremer Kitas positiv getestet.

Kita Bremen als größter Träger ist stark betroffen: Der städtische Eigenbetrieb zählt nach eigenen Angaben seit Beginn der Pandemie 142 Infektionen, davon 120 bei Beschäftigten und 22 bei Kindern. Eine Mitarbeiterin starb an den Folgen von Corona. Fast alle Infektionen fallen in die Zeit ab Oktober.

Aktuell gibt es 30 Infektionen in 13 der insgesamt 78 Einrichtungen von Kita Bremen. Damit ist jede sechste städtische Kita von Teilschließungen betroffen. In der ersten Novemberhälfte konnten in Spitzenzeiten mehr als 800 von insgesamt 9000 Kindern bei Kita Bremen coronabedingt nicht betreut werden.

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