Direktor des Bremer Bürgerparks im Interview

„Wir stoßen an unsere Grenzen“

Corona und Trockenheit: Die Pflanzen im Bremer Bürgerpark leiden unter den Folgen von Pandemie und Wetter. Bürgerparkdirektor Tim Großmann erzählt, wie es Fichten, Rhododendren und Co geht.
06.07.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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„Wir stoßen an unsere Grenzen“
Von Jürgen Hinrichs

Herr Großmann, wie geht es dem Bürgerpark?

Tim Großmann: Mittelprächtig. Es gibt die Auswirkungen von Corona – weniger Einnahmen, weil wir die Tombola unterbrechen mussten, die Parkgastronomie still stand, genauso der Bootsverleih und die Minigolfanlage. Und dann sind da natürlich die Probleme mit dem Wetter.

Heiß und trocken.

Genau. Wir müssen bei den neu angepflanzten Bäumen deutlich mehr wässern, auch bei den Sonderkulturen wie den Rhododendren. Da stoßen wir zuweilen schon an unsere Grenzen und sind dankbar, wenn uns zum Beispiel die Freiwilligen Feuerwehren unterstützen.

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Rhododendren sind Flachwurzler, sie können in den tieferen Schichten kein Wasser ziehen. Muss man sich eines Tages von ihnen verabschieden?

Das wäre schade, denn sie geben im Park ein schönes Bild ab. Wir wollen es deshalb beim Bewässern mit anderen, gezielteren Methoden versuchen. Aber Sie haben recht, irgendwann kommt der Punkt, an dem man abwägen und rational entscheiden muss.

Bei der Fichte haben Sie es schon getan. Der Baum wird im Bürgerpark nicht mehr gepflanzt. Gibt es andere Streichkandidaten?

Das muss man sehen, keiner weiß, wie es mit dem Klimawandel weitergeht. Unsere Eichen halten sich noch relativ gut, sie sind sehr anpassungsfähig. Die Buchen bleiben auch noch im Rennen, wenngleich sie in anderen Parks bereits Probleme bekommen haben. An den besonders heißen Tagen sind auch bei uns die Spitzen der Blätter verbrannt.

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Wenn Sie zum Beispiel die Fichte nicht mehr pflanzen. Was sind die Alternativen?

Bestimmt keine Palmen oder Olivenbäume, wenn Sie darauf hinaus wollen. Unser Auftrag ist es, das traditionelle Bild des Parks zu erhalten. Wir probieren deshalb schon seit Jahren neue Sorten der angestammten Arten aus. Bei der Linde zum Beispiel gibt es Gattungen, die das veränderte Klima besser vertragen. Bei den Eichen testen wir Zerr-Eichen, die besser mit der Hitze zurechtkommen. Überwiegend pflanzen wir aber weiterhin die einheimischen Stiel-Eichen.

Das Gespräch führte Jürgen Hinrichs.

Info

Zur Person

Tim Großmann (49) ist seit acht Jahren Direktor im Bremer Bürgerpark. Gebürtig kommt der Landschaftsarchitekt aus Wanne-Eickel. Vor seiner Zeit in Bremen hat er in Marl in einem Planungsbüro gearbeitet.

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