"Mall of Fame" in der Lloydpassage

Jan Böhmermann enthüllt Handabdrücke in Bremer Innenstadt

Ehre für Jan Böhmermann: Der Satiriker aus Bremen-Nord hat am Mittwoch seine Handabdrücke in der Lloydpassage in der Bremer Innenstadt enthüllt.
30.01.2019, 12:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn
Jan Böhmermann enthüllt Handabdrücke in Bremer Innenstadt

Ist nun mit seinen Handabdrücken in der Lloydpassage vertreten: Jan Böhmermann.

Christina Kuhaupt

Streng genommen hätte er sich natürlich in Vegesack verewigen müssen. Aber in Bremen-Nord sind sowohl Einkaufszentren als auch Malls of Fame nun mal eher rar gesät. Neben dem Goldenen Buch des Rathauses ist die Lloyd-Passage der Ort in Bremen, an dem seine berühmen Söhne und auch einige Töchter sowie Prominente, die einen Bezug zur Stadt haben, geehrt werden. Und so stand am Mittwochmittag Fernsehmoderator Jan Böhmermann, in Gröpelingen geboren und in Vegesack aufgewachsen, vor den Medienvertretern und einigen Fans, um seine Bodenplatte zu enthüllen.

Anders als den 24 Persönlichkeiten vor ihm blieb es dem 37-Jährigen übrigens erspart, vor den Fotografen auf die Knie zu gehen und mehr oder weniger fotogen auf dem Boden hockend zu beweisen, dass seine Finger exakt in den Gipsabdruck passen, aus dem die Version in Bronze gegossen wurde. Es war nämlich schlicht zu kalt, die Platte konnte noch nicht in den Boden eingelassen werden. „Der Handwerker hat uns erklärt, dass bei diesen Temperaturen der Kleber nicht gehalten hätte, mit dem die Platte befestigt wird. Also können wir sie erst später einlassen“, erklärte Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative. Böhmermann durfte seinen Abdruck also stehend enthüllen. Zu finden sein werden seine Hände später dann ungefähr auf der Höhe der Esprit-Filiale.

„Ein bisschen viel der Ehre“

„Natürlich bin ich stolz. Mich hier einreihen zu dürfen, ist mir eine Ehre. Naja, es ist mir eigentlich fast schon ein bisschen viel der Ehre“, sagte Böhmermann. „In einer anderen Stadt hätte ich das nicht gemacht.“ Aber auch wenn er mit seiner Familie längst in Köln wohnt – Bremen ist nun mal sein Bremen, und da lässt er sich künftig auch gerne mal mit Füßen treten. „So fühlt sich das für mich ja eh’ immer an“, sagte Böhmermann – was natürlich erst mal ironisch gemeint war, aber durchaus nicht nur: Als Satiriker zog er sich unter anderem 2015 den Zorn des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu, der folgende Rechtsstreit um das Verbot eines Schmähgedichts wird demnächst den Bundesgerichtshof beschäftigen.

Als Neumitglied in der Mall of Fame hat Böhmermanndie Liste der anderen etwas genauer studiert, und was ihm dabei aufgefallen ist, passt ganz gut in die Diskussion, die die Stadt seit der Nicht-Einladung von Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) bei der Eiswette führt. „Es gibt jetzt 25 Tafeln, 20 Männer, fünf Frauen. Aber die Hälfte der Leute sind doch Frauen. Bremen, you are better than this (dt.: Bremen, das kannst Du besser)“, sagte Böhmermann. „Ich wünsche mir, dass die nächsten zehn Platten Frauen sind. Ich würde gerne auf absehbare Zeit der letzte Mann hier sein.“

"Es muss nicht immer jemand aus dem Showgeschäft sein"

Wen er sich wünscht? Böhmermann nennt Maren Kroymann – als gebürtige Walsroderin könnte die Kabarettistin tatsächlich durchaus als Buten-Bremerin durchgehen. Traditionell ist die Ehrung eines Prominenten in der Lloyd-Passage auch mit einer Spende verbunden, deren Empfänger sich der Geehrte aussuchen darf. Böhmermann wählte das Autonome Bremer Frauenhaus, „weil es ein Platz ist, an dem Frauen Schutz finden vor Gewalt“. Außerdem verdoppelte er den Betrag auf 2000 Euro.

Im Internet weisen die Betreiber der Lloyd-Passage übrigens darauf hin, dass Joachim Hauser, Geschäftsführer der Ende Dezember geschlossenen Roland-Moden, seit langem schon für die Aufnahme der Delmenhorsterin Sarah Connor plädiert; durchgesetzt hat er sich offenbar noch nicht. Seine Wunschkandidaten beziehungsweise -kandidatinnen kann übrigens jeder per E-Mail an lloyd-passage@bremen-city.de schicken. „Es muss ja auch nicht immer jemand aus dem Showgeschäft sein“, findet jedenfalls Böhmermann.

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Apropos Show: Für Böhmermann war nicht nur die Ehrung Anlass seines Bremen-Besuches, abends trat er mit dem Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld im Pier 2 auf. Sicherheitshalber war Böhmermann dieses Mal schon am Dienstag nach Bremen gereist, mit dem Auto. Seine Anreise im November mit außerplanmäßigen Zughalt, um pünktlich zum WESER-Strand zu kommen, hatte für Schlagzeilen gesorgt. Den längeren Aufenthalt nutzte das Multitalent, um sich mal wieder auf Stand zu bringen, was sich in seiner alten Heimat so alles getan hat.

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„Ich bin seit 8.30 Uhr unterwegs, laufe die Stadt ab“, sagte Böhmermann. Zum Beispiel am Dienstagabend das Viertel, „zum ersten Mal seit 20 Jahren. Das war schon ein bisschen wie nach Hause kommen.“ Und Bremen-Werbung hat Böhmermanngemacht, bei seiner Band: Er hat sie zum Essen in den Ratskeller geschleppt, 40 Leute, und ihnen vorher die Böttcherstraße gezeigt. „Orte, die man als Bremer gar nicht so wahrnimmt. Aber die waren alle begeistert. Und ich auch. Man fühlt sich da einfach so positiv beschwingt.“

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