Kampf gegen Corona

Impfstart in sechs Bremer Pflegeheimen

Bis Silvester sollen 1300 Bewohner und 600 Beschäftigte die erste der zwei notwendigen Spritzen erhalten, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Zum Auftakt konnten 500 Menschen geimpft werden.
28.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Impfstart in sechs Bremer Pflegeheimen
Von Timo Thalmann

Alice Oeßelmann darf sich nun mit amtlichen Segen als die erste in Bremen gegen Corona geimpfte Person bezeichnen. Ob die 85-jährige tatsächlich die allererste Impfung in Stadt oder gar Land erhalten hat, steht indes dahin. Denn zeitgleich starteten die mobilen Impfteams des Roten Kreuzes und der Johanniter in sechs Pflegeeinrichtungen mit den Impfungen. Aber Oeßelmann und die Leitung des Seniorenhauses Ansbacher Straße, in dem Oeßelmann lebt, waren am Sonntagvormittag bereit, den offiziellen Pressetermin zum Impfstart mitzumachen. So traf die alte Dame auf fast den halben Bremer Senat sowie zahlreiche Fotografen und Kameraleute.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) und Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) ließen es sich als fachlich zuständiges und parteipolitisch austariertes Gespann nicht nehmen, den Bremer Part beim europaweiten Beginn der Impfungen persönlich zu begleiten. Gemeinsam mit Oeßelmann in ihrem Rollstuhl stand das Trio darum bei nasskaltem Schmuddelwetter mit FFP2-Masken und gebotenem Abstand zueinander vor der Findorffer Pflegeeinrichtung.

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Bovenschulte nannte die Impfungen einen Hoffnungsschimmer am Ende eines anstrengenden Jahres und auch Bernhard zeigte sich zuversichtlich, dass mit den Impfungen in den Pflegeeinrichtungen die Gefahr für die älteren Menschen sinkt. Stahmann sagte, die Impfungen werden dazu beitragen, dass das soziale Leben für viele ältere Menschen auf mittlere Sicht wieder etwas bunter wird, auch wenn auf Masken, Abstandsregelungen und Tests vorerst noch nicht verzichtet werden könne.

„Es geht mir gut, kein Problem. Die Impfung mitzumachen war selbstverständlich“, sagte Oeßelmann zum Geschehen, sichtlich erstaunt über den Presseandrang. Die übrigen Bewohner des Seniorenhauses ließen sich ebenfalls fast vollständig impfen. Auch das anwesende Pflegepersonal nutzte zu über 90 Prozent die angebotene Möglichkeit, sich unmittelbar im Anschluss an die Bewohner impfen zu lassen. Für Jennifer Müller-Wilckens von der Geschäftsführung des Heimbetreibers Convivo ein Beleg für die erfolgreiche interne Impfwerbung. „Wir bemühen uns jedes Jahr bereits um hohe Quoten bei den Grippeimpfungen in unseren Häusern“, sagte sie. Eigens dafür gebe es Ansprechpartner und ein Info-Telefon für alle Fragen der Mitarbeitenden über die Impfungen. „Das haben wir jetzt für die Corona-Impfungen genauso eingerichtet.“

Am Ende dieses Tages haben die mobilen Impfteams etwa 500 Menschen in Bremen die erste der zwei notwendigen Spritzen verabreicht. Der zweite Impftermin für die heute Geimpften folgt dann in drei Wochen. Bis einschließlich Silvester sollen knapp 2000 Personen in Bremer Pflegeeinrichtungen geimpft sein: etwa 1300 Bewohnerinnen und Bewohner und etwa 600 Beschäftigte.

Bremen hat dafür am zweiten Weihnachtstag knapp 5000 Impfdosen erhalten, die mit Polizeischutz bis zu den Orten der Impfungen transportiert werden. Rund 1000 Dosen davon sind so geschützt nach Bremerhaven gegangen. Dort besuchen zwei mobile Teams die Pflegeheime. Das Impfzentrum in der Halle 7 auf der Bremer Bürgerweide wird an diesem Montag seine Arbeit aufnehmen. Das Impfzentrum in der Bremerhavener Stadthalle wurde dagegen am Sonntag eröffnet. Dort wurden die ersten Mitarbeitenden von ambulanten Pflegediensten geimpft, insgesamt 50 Personen.

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Impfbeginn auch in Niedersachsen

Die Landkreise Osnabrück und Cloppenburg waren Startpunkte der Corona-Impfungen in Niedersachsen. In beiden Regionen gab und gibt es besonders viele Infektionen. „Das ist der Auftakt zu der größten Impfaktion, die wir in Niedersachsen je gesehen haben“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Er sprach von einem Lichtblick zum Ende eines schwierigen Jahres. Im Kreis Cloppenburg bekamen zunächst die Impfteams die erste von zwei schützenden Spritzen.

Danach wurden die Bewohnerinnen und Bewohner eines Altenheims und die Patienten einer Einrichtung für Intensivpflege geimpft. Wie überall in Deutschland begannen die Impfungen auch in Niedersachsen nur mit einem Bruchteil der Impfstoff-Einheiten, die eigentlich gebraucht werden. Die angelieferten 9750 Impfdosen reichen bei zwei notwendigen Impfungen für knapp 5000 Menschen. Bis Jahresende soll das Land nach Regierungsangaben weitere 117.000 Einheiten bekommen.

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