Kinder- und Jugendhilfe in Bremen Kinderschutzbund eröffnet Geschäftsstelle an der Schlachte

Der Kinderschutzbund hat ein neues Zuhause: Seit gut einem Monat sitzt der Bremer Landesverband an der Schlachte. Ein neues Projekt für Kinder und Jugendliche ist auch geplant.
17.07.2020, 05:00
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Kinderschutzbund eröffnet Geschäftsstelle an der Schlachte
Von Lisa Urlbauer

Vor mehr als 30 Jahren wurde sie verabschiedet, die UN-Kinderrechtskonvention. Viele Kinder und Jugendliche kenne sie allerdings nicht: Dreiviertel der jungen Bremerinnen und Bremern ist die Kinderrechtskonvention unbekannt – zu dem Ergebnis kam das LBS-Kinderbarometer 2018. Außerdem wüssten viele nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie Probleme haben oder etwas in ihrer Stadt verändern wollen. Das soll sich mit einem neuen Projekt des Kinderschutzbundes ändern. „Wir wollen die Kinderrechte auf besondere Weise an die Öffentlichkeit tragen und in die Stadtteile bringen“, sagt Gisela Knigge, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes.

Projektstart im September

Das Kinderrechte-Projekt startet im September und wird in den kommenden drei Jahren von der Aktion Mensch gefördert. Projektleitung und einen Mitarbeiter habe man bereits gefunden, sagt Knigge. Das erklärte Ziel: Kinder und Jugendliche sollen ihre Rechte kennenlernen, Fachkräfte und Eltern zu Multiplikatoren werden. 54 Artikel umfasst die Konvention, darunter vier allgemeine Prinzipien: das Recht auf Nichtdiskriminierung, der Vorrang des Kindeswohls, das Recht auf Entwicklung und die Berücksichtigung der Meinung des Kindes. Geplant sind 25 Veranstaltungen in allen fünf Stadtbezirken, sagt Knigge. „Wir wollen nicht nur, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Rechte auswendig lernen. Durch die Workshops soll sich die Alltagspraxis nachhaltig verändern.“

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Die Kinderrechte sollen dorthin getragen werden, wo die Kinder und Jugendlichen bereits sind: In Kindergruppen und zu freien Trägern, sagt Knigge. In Schulen und Kitas solle das Kinderrechte-Projekt allerdings nicht stattfinden. Unter anderem hätten bereits der Martinsclub, das SOS-Kinderdorf, das Lidice-Haus und die Friedensgemeinde Interesse an dem Projekt bekundet, ergänzt die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Kathrin Moosdorf.

Wie genau die einzelnen Veranstaltungen ausgestaltet würden, sei noch offen und würde mit den teilnehmenden Trägern als auch mit den Kindern und Jugendlichen abgestimmt. „Partizipation ist ein wichtiges Thema der Kinderrechte. Darum sollen die Kinder und Jugendlichen sich an der Entwicklung beteiligen“, sagt Knigge. „Das ist ein grundlegender Pfeiler des Projektes.“ Einige Ideen für verschiedene Zielgruppen haben die Organisatoren aber bereits: eine Kinderrechte-Rallye für eine Handballgruppe, ein Filmprojekt in einer Unterkunft für Geflüchtete oder eine Ferienfreizeit für einen Jugendverband.

Neuer Standort bietet mehr Platz

Neben dem Projekt stellt der Kinderschutzbund auch seinen neuen Standort an der Schlachte vor. Seit gut einem Monat findet man die Geschäftsstelle und das Kinderschutz-Zentrum in der Innenstadt; zuvor hatte die Organisation ihre Räumlichkeiten in der Friedensgemeinde im Viertel. Nun gibt es mehr Platz für den Kinderschutz, die Zimmer sind heller. Auf der einen Seite der Etage liegen Büros, auf der anderen Räume für Beratungsgespräche mit Eltern und Therapiestunden für Kinder und Jugendliche.

Kinder schützen, Eltern unterstützen, Familien stärken – darin sieht der Kinderschutzbund seine Verantwortung. Mit dem neuen Standort will der Landesverband eine zentrale Anlaufstelle sein und die Herausforderungen des Kinderschutzes besser angehen, sagt Vorstandsvorsitzender Carsten Schlepper. „Wir sind weit entfernt davon zu sagen, dass Kinder ein gutes Leben in der Stadt haben.“ Der Kinderschutzbund könne Familien in kritischen Lebenslagen unterstützen und begleiten, sagt Schlepper. Dies gehe allerdings nur in einem Netzwerk aus Akteuren – und mit der nötigen finanziellen Unterstützung.

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Zwei Drittel der Finanzierung laufen über die Ressorts Bildung und Soziales, der Rest über Drittmittel, die der Kinderschutzbund einwerben muss. Schlepper wünscht sich mehr Beständigkeit und eine Planungssicherheit, die über ein Jahr hinausgeht. „Wir sind ein Spielball der Haushaltsberatung.“ Es sei erfreulich, dass der Kinderschutzbund die Finanzierung des Kinderrechte-Projektes mithilfe der Aktion Mensch für drei Jahre sichern konnte. Allerdings sei dies eine besondere Aktion. „Wir kommen an die Grenzen unserer grundständigen Arbeit.“

Das zeigt auch die Statistik: Während des Corona-Lockdowns habe sich die Lage für die Kinder und Jugendlichen daheim zugespitzt, sagt Kathrin Moosdorf. Nach Angaben des Bundesverbandes lag die Zahl der Anrufe bei der Beratungsstelle „Nummer gegen Kummer“ um gut ein Drittel über der des vergangenen Jahres. „Daher unsere These: Es gibt mehr Stress in den Familien.“

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