Teil der Uni Bremen?

Kontroverse um Zukunft der privaten Jacobs University

Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, schlägt vor, die Jacobs University unter dem Dach der Universität Bremen fortzuführen. Das sorgt für Diskussionen.
02.04.2018, 22:43
Lesedauer: 3 Min
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Kontroverse um Zukunft der privaten Jacobs University
Von Kristin Hermann

Könnte die Jacobs University (JUB) eines Tages ein Teil der Universität Bremen werden? Ein entsprechender Vorschlag des Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, wird in Bremen kontrovers diskutiert. Kleiner hatte ein solches Ansinnen im Zuge der von Bürgermeister Carsten ­Sieling (SPD) einberufenen Zukunfts­kommission vorgebracht. Während das Szenario in Behördenkreisen und bei der Privat­universität selbst kaum zur Debatte steht, gibt es in Teilen der Politik und von Wirtschaftswissenschaftlern durchaus Interesse daran.

Kleiner hatte angeregt, die Jacobs Univer­sity als eine Art International Departement unter dem Dach der Universität Bremen fortzuführen und gegebenenfalls unter staatliche Trägerschaft zu stellen. Angesichts der anhaltenden Zuschussbedürftigkeit der Grohner Privathochschule findet er einen solchen Schritt konsequent. Der Forschungsexperte glaubt, dass Bremen sein Beschäftigungspotenzial im Wissenschaftsbereich noch nicht ausgeschöpft hat: „Dort besteht ein enormes Wachstumspotenzial.“

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Sein Vorschlag wird auch in der Bremischen Bürgerschaft Ende April eine Rolle spielen. Die Fraktion der Linken hat dazu eine Anfrage eingereicht. Ab 2018 muss die JUB eigentlich ohne Subventionen des Landes auskommen, zuletzt betrugen diese drei Millionen Euro pro Jahr. Damit bleibt für den etwa 50 Millionen Euro starken Etat nur noch die Unterstützung der Jacobs-Stiftung, die in diesem Jahr auf etwa 8,5 Millionen Euro reduziert wird.

Die Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt glaubt nicht daran, dass die Privatuni ohne die Hilfe Bremens auskommen kann, und findet Anregungen wie die von Kleiner legitim. „Wenn Bremen erneut finanzielle Hilfestellung leisten muss, sollten auch die öffentlichen Hochschulen etwas davon haben“, sagt Vogt. Offen gegenüber einer solchen Diskussion zeigt sich auch Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter.

Unterstützung von Wirtschaftswissenschaftler

Da die Situation der Jacobs University nach wie vor unklar sei, müsse man Fragen nach einer Veränderung immer wieder stellen. Eine Integration in die Uni Bremen wäre jedoch nur dann machbar, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen geklärt seien. Schließlich kostet das Studium an der englischsprachigen Campusuniversität in Bremen-Nord ein Vielfaches mehr als an der staatlichen Universität – je nach Studienprogramm zwischen 10.000 und 30.000 Euro pro akademisches Jahr.

„Diese Studiengebühren müssten bei einer entsprechenden College-Form weiterhin genommen werden. Ebenso wie die Förderung der Jacobs-Stiftung“, erläutert Scholz-Reiter. Unterstützung bekommt Kleiner von dem Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. „Der Senat musste in den vergangenen Jahren drei Millionen Euro pro Jahr beisteuern. Die Abwicklung des schwebenden Kredits mit mehr als 45 Millionen Euro ist ungewiss“, verweist Hickel auf das bestehende Darlehen des Landes.

„Bevor der Senat seine bisherige Teilfinanzierung fortschreibt, muss ein öffentlich verantwortbares Zukunftsmodell gefunden werden.“ Kleiner habe das ideologische Tabu von der Privatuniversität mit einer bisher unkontrollierten öffentlichen Teilfinanzierung mutig gebrochen. Die Jacobs University selbst will derartige Vorschläge nicht bewerten.

Platz für Interpretationen

Auch die Stiftung wollte ein solches Vorhaben nicht kommentieren. „Wir verfolgen mit hoher Konzentration unseren Wachstumskurs“, sagt JUB-Sprecher Thomas Joppig. Auch auf die Frage, ob die Universität 2018 wirklich ohne eine weitere Förderung der Stadt auskommen wird, lässt die Uni Platz für Interpretationen. Man befinde sich im Austausch über die Fortsetzung des Wachstumskurses. Dass Bremen ein Interesse daran hat, dass die Jacobs University auch in Zukunft eigenständig bleibt, ist bereits in der Vergangenheit deutlich geworden.

Sollte die private Hochschule Insolvenz beantragen, hängt auch die Stadt mit drin. Sie würde in diesem Fall auf einem dreistelligen Millionenbetrag sitzen bleiben, heißt es aus Behördenkreisen. Wie aus dem Wirtschaftsressort zu erfahren ist, berät derzeit ein Begleitausschuss, bestehend aus Vertretern der JUB, der Stadt und der Stiftung, über die weitere Zusammenarbeit – der Vorschlag von Kleiner spiele dabei keine Rolle.

„Die Jacobs University wird weiterhin Unterstützung brauchen, damit sie sich irgendwann selbst finanzieren kann“, sagt Behördensprecher Tim Cordßen. Ausschließen könne man eine weitere finanzielle Förderung nicht, allerdings ginge es in dem Ausschuss auch um die Bereitstellung zusätzlicher Flächen. Die JUB hat angekündigt, die Zahl der 1400 Studierenden erhöhen zu wollen.

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