Ausstellung in Unterer Rathaushalle Hochschule für Künste feiert Geburtstag der Bremer Stadtmusikanten

In der gesamten Innenstadt sollen Konzerte und Veranstaltungen an die Bremer Stadtmusikanten erinnern. Auch die Ausstellung „Destination unknown - Wo wollen wir hin?“ eröffnet am Mittwoch.
28.06.2019, 21:22
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Hochschule für Künste feiert Geburtstag der Bremer Stadtmusikanten
Von Jonas Mielke

Der Esel gibt sphärische Laute von sich, während Vasileios Panousis in der Unteren Rathaushalle seine Installation aufbaut. Vier Lautsprecher hat er aufeinandergetürmt, jeweils einen für Esel, Hund, Katze, Hahn. „Als Kind war ich immer traurig, wenn ich das ­Märchen gelesen habe“, sagt der 34-Jährige. Wegen der alten Tiere, mit denen niemand mehr etwas zu tun haben wollte. „Ich wollte, dass sie es nach Bremen schaffen und Musik machen“, sagt er.

Panousis hat eine elektronische Klangfolge komponiert, die nun aus seinem Stadtmusikanten-Lautsprecher-Turm ertönt. Er studiert Musik an der Hochschule für Künste (HfK), seine Klanginstallation ist Teil der Ausstellung „Destination unknown – Wo wollen wir hin?“, die am Mittwoch in der Unteren Rathaushalle eröffnet.

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Die Ausstellung mit Werken von Studierenden der Kunsthochschule ist Teil der großen Geburtstagswoche, mit der Bremen sein Wahrzeichen feiert. Vor 200 Jahren erschienen erstmals Grimms Kinder- und Hausmärchen mit der Geschichte der Stadtmusikanten. Zeitgleich mit der Ausstellung beginnen Konzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen in der gesamten Innenstadt.

„Die Halle ist sehr anspruchsvoll wegen des Denkmalschutzes“

Sechs Tage vor der Eröffnung steht Kuratorin Laura Baumann in der noch eher kahl wirkenden Halle. Sie erzählt, wie viel noch zu erledigen sei, aber das gehöre nun mal dazu. Seit März arbeitet sie gemeinsam mit Kollegen an der Ausstellung, bis Mittwoch haben sie noch Zeit. Wo soll welches Kunstwerk stehen? Was ist erlaubt in dem historischen Raum, was nicht? „Die Halle ist sehr anspruchsvoll wegen des Denkmalschutzes“, sagt Baumann. Die Wände, der Boden, alles empfindlich, auf alles muss geachtet werden.

Baumann muss mit ihren Kollegen viel unter einen Hut bringen. In der Unteren Rathaushalle treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite das historische Rathaus im Zentrum der Innenstadt, massentauglicher Touristenmagnet und Symbol für Historie und Herrschaft. Auf der anderen Seite der experimentelle Geist der HfK, mit Kunstwerken aus verschiedenen Fachrichtungen, deren ab­strakte Ebenen manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Ein Kunstwerk, das auch am Freitag vor der Ausstellungseröffnung schon steht, ist „Anima“ von Noriyuki Suzuki. Ein rustikaler Holztisch, auf dem sechs mit Wasser gefüllte Glasbehälter stehen, die zum Teil aussehen, als würden sie aus einem Labor kommen. Das Wasser wird durch den aufgezeichneten ­Herzschlag des Künstlers in Bewegung ­gebracht. Suzuki hat diesen digital ge­speichert, nun überträgt eine Maschine, versteckt in der Schublade des Tisches, den Rhythmus scheinbar von Geisterhand auf das Wasser in den Gläsern.

Die Ausstellung zeigt Werke von Studenten der HfK, die zum Großteil nicht extra für die Ausstellung geschaffen wurden, wie auch der Tisch von Suzuki. Die Klanginstallation von Panousis ist eine der wenigen Arbeiten, die speziell für den Anlass entstanden ist.

Zahlreiche Konzerte bis Ende August

Eine weitere Herausforderung für die Kuratorin Baumann: Auf der einen Seite ist „Destination unknown“ eine Leistungsschau der HfK, überwiegend prämierte Werke von Studenten, die gesamte Bandbreite der Hochschule: Installation, Musik, Fotografie, Film, Design. Auch das Team des Hochschulprojekts Radio Angrezi wird aus der Halle senden, bis zum Ende der Ausstellung im August sollen zahlreiche Konzerte stattfinden.

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Auf der anderen Seite sollen die Werke zusammengenommen auch etwas über die Stadtmusikanten erzählen, die Geschichte aufgreifen und weiterdenken. „Wir haben besonders das Thema Reise aufgegriffen“, sagt Baumann. Utopie ist ein weiteres Stichwort, das sie nennt. Trotzdem sollen die Kunstwerke weiterhin für sich stehen. „Da muss man aufpassen“, sagt Baumann.

Damit das gelingt, sollen noch ausführliche Texttafeln in der Halle angebracht werden. Informationen zu den einzelnen Kunstwerken, aber auch über die HfK selbst. Baumann sieht die Ausstellung im Zentrum der Stadt auch als Chance, den Menschen die HfK näher zu bringen, die das Treiben der Künstler in der Überseestadt sonst seltener wahrnehmen. Sie sagt: „Wir wollen die Vielfältigkeit der HfK zeigen.“

Weitere Informationen

„Destination unknown – Wo wollen wir hin?“ eröffnet am Mittwoch, 3. Juli, in der Unteren Rathaushalle. Die Ausstellung ist bis zum 10. August zu sehen.

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