"Wie geht das?" Rot führt die Allergie-Hitliste an

Neugierige Fragen nach dem Wie, Warum, Weshalb: Das ist nicht nur etwas für Kinder. Unsere Serie "Wie geht das?" schnuppert in unterschiedliche Bereiche hinein.
09.08.2022, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Rot führt die Allergie-Hitliste an
Von Alexandra Knief

Ist Tattoofarbe schädlich für die Haut?

Uwe Schwichtenberg: Nein, sie ist nicht grundsätzlich schädlich für die Haut, wenn wir davon ausgehen, dass professionelle Farben verwendet werden. Aber man muss sagen, dass unser Kenntnisstand begrenzt ist, weil Tattoofarben nicht wie Medikamente zugelassen sind, in dem Sinne, dass jemand systematisch nachuntersucht hat, wo die Farbe letztendlich landet und was sie dort tut. Dass sie wandert und auch im restlichen Körper, in inneren Organen, auftaucht, ist allerdings nachgewiesen. Aber solange ein Stoff dort nichts weiter veranstaltet, ist auch das kein Kapitalverbrechen. Für den Dermatologen wird es interessant, wenn es zu allergischen Reaktionen kommt.

Kommt das oft vor? 

Es ist keine Rarität. Das ist nach Farben ein bisschen unterschiedlich. Die Hitliste führt Rot an. Die bunten Farben sind insgesamt kritischer zu sehen als die schwarz-blaue. Das ist ähnlich wie auch bei Nickel oder bei Gräserpollen. Auch das sind erst einmal keine gefährlichen Stoffe, aber der menschliche Körper kommt zu der fehlerhaften Annahme, sie seien gefährlich. Da wird einem dann die Dauerhaftigkeit der Tätowierfarbe zum Verhängnis.

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Was macht man dann?

Dann wird es aufwendig. Man versucht, mit einem Laser die Farbe zu zerschießen, in der Hoffnung, dass das, was von der Farbe übrig bleibt, nicht mehr als Allergen taugt. Oder man muss versuchen, Teile mit Strom zu zerstören, aber da sind wir schon fleißig auf dem Weg zur Narbenbildung.

Gibt es Körperstellen, die empfindlicher reagieren als andere?

In Bezug auf Allergien gibt es meines Wissens keine Daten in diese Richtung zu Tätowierfarbe. Aber: Es gibt Körperstellen, die anfälliger dafür sind, Narben zu erzeugen als andere. Risikoareale sind zum Beispiel vor dem Brustbein, auf der Schulter, auf der Oberarmaußenseite oder am Ohrläppchen.

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Gibt es schonende Alternativen zum normalen Tattoo?

Gegen Klebe-Tattoos für Kinder habe ich nichts einzuwenden. Dann gibt es noch Henna-Tattoos. Da kriegt der Dermatologe das kalte Grausen. Darin enthalten ist oft Para-Phenylendiamin. Wenn man sich die Hitliste der Kontaktallergene in Deutschland anguckt, findet man den Stoff auf den ersten Plätzen. Das Fatale ist, dass Menschen das gerne am Strand machen. Wenn sie eine Kontaktallergie entwickeln und die Haut besonnen, kommt es zu Pigmenteinlagerungen. Und so wird das, was als netter Urlaubs-Gag geplant war, schnell zur dauerhaften Tätowierung.

Die Fragen stellte Alexandra Knief. 

Zur Person

Uwe Schwichtenberg ist Vorsitzender des Landesverbandes der Bremer Dermatologen, Leitender Arzt der Derma Nord Hautarztpraxen und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen.

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