110. Geburtstag von Wilhelm Wagenfeld

Wilhelm Wagenfeld Haus zeigt große Retrospektive

Bremen. Praktisch und trotzdem schön geformt, langlebig, aus innovativen neuen Materialien gefertigt und natürlich kostengünstig - geht es nicht etwas kleiner? Nein, mit weniger hat sich Wilhelm Wagenfeld nicht begnügt, diese hohen Ansprüche stellte er an seine Objekte.
15.04.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wilhelm Wagenfeld Haus zeigt große Retrospektive
Von Alexandra Albrecht
Wilhelm Wagenfeld Haus zeigt große Retrospektive

Meike Noll-Wagenfeld, Tochter von Wilhelm Wagenfeld, sah sich die Ausstellung mit Objekten ihres Vaters an.

Johannes Kühne

Bremen. Praktisch und trotzdem schön geformt, langlebig, aus innovativen neuen Materialien gefertigt und natürlich kostengünstig - geht es nicht etwas kleiner? Nein, mit weniger hat sich Wilhelm Wagenfeld nicht begnügt, diese hohen Ansprüche stellte er an seine Objekte. Eine umfassende Ausstellung im Wagenfeld-Haus erinnert zum 110. Geburtstag an den gebürtigen Bremer.

Das ganze Werk des umtriebigen Gestalters lässt sich überhaupt nicht abbilden, dazu ist es viel zu umfangreich. Aber auch so vermittelt die von Jakob Gebert, Professor an der Kunsthochschule Kassel, gestaltete Ausstellung, für die er exklusiv Vitrinen entworfen hat, einen guten Überblick über das Schaffen. Gebert, als Gestalter ein Nachfolger Wagenfelds, ist beeindruckt von der langen Zeitspanne, in der der Bremer das deutsche Design geprägt hat. 'Viele namhafte Designer haben zehn starke Jahre, aber doch nicht 60', sagt er anerkennend. Wagenfelds intensive Materialstudien, sein Wissen um Fertigungstechniken, sein frühes Bewusstsein für Marketingstrategien, das alles sei sehr ungewöhnlich, so Gebert.

Ein Designer wollte Wagenfeld nicht sein. Vielen Kunden, die seine Salz- und Pfefferstreuer Max und Moritz, die Bauhauslampe oder ein Kaffeeservice von Rosenthal gekauft haben, war sein Name kein Begriff. Wagenfeld stammte noch aus einer Zeit, als das Werk im Vordergrund stand und nicht die Person, die es schuf. Das änderte sich spätestens in den achtziger Jahren, als Design-Stars wie Philippe Starck die Bühne betraten. Dass viele seiner Objekte höchst unpraktisch waren, wurde geflissentlich übersehen. So etwas wäre Wagenfeld nicht passiert. Seine Entwürfe sind auch sehr viel zeitloser als die seiner postmodernen Nachfolger, wie die Ausstellung mit dem treffenden Titel 'Weiterwirken in die Zeit hinein' beweist.

Lehre bei Koch & Bergfeld

Nach seiner Lehre bei Koch & Bergfeld in Bremen und dem Besuch der Zeichenakademie Hanau landete Wagenfeld in der Metallwerkstatt des Bauhauses Weimar, wo er auch die berühmte Bauhaus-Leuchte entwarf. Walter Gropius war begeistert, endlich gab es für die modernen Wohnräume eine passende Lampe. Ihr großer kommerzieller Erfolg trat allerdings erst in den achtziger Jahren ein, als die Bremer Firma Tecnolumen sie in ihr Programm aufnahm.

Dem Bauhaus-Ideal, als Gestalter auch gesellschaftlich zu wirken, blieb Wagenfeld immer verpflichtet. Somit führte der Anspruch, formschöne Alltagsgegenstände für jeden Geldbeutel anbieten zu wollen, zwangsläufig zur industriellen Fertigung. Für Wagenfeld war es eine Selbstverständlichkeit, dass Unternehmen Gewinne machen müssen. Seine unzähligen Lampen, von denen in der Ausstellung eine ganze Reihe zu sehen sind, wurden beispielsweise sehr erfolgreich nach Übersee verkauft. Mit ihnen stattete die Neue Heimat jahrzehntelang alle Treppenhäuser und Eingänge ihrer Wohnanlagen aus.

Angefangen bei den am Bauhaus entstandenen Objekten zeigt die Ausstellung die berühmtesten Entwürfe Wagenfelds: das Teegeschirr aus feuerfestem Glas, Kochgeschirr, ebenfalls aus Glas, das man vom Herd zum Servieren auf den Tisch stellen konnte, das Bordgeschirr für die Lufthansa, Butterdosen und Eierbecher aus Chromagan für WMF, Services für Rosenthal und Fürstenberg. Es gibt aber auch Unbekannteres zu entdecken, etwa zwei Radios für Braun sowie Silberschalen und Platten für Hotelrestaurants.

Breiten Raum nehmen persönliche Dokumente in der Ausstellung ein. Sie will dem Besucher den Menschen Wagenfeld näherbringen, mit Fotografien, Briefen und Notizen, dazu zahlreichen Entwürfen, die die akribische Arbeitsweise des Gestalters verdeutlichen. Zwei Bremer Firmen zeigen von ihnen produzierte Objekte Wagenfelds. Neben Tecnolumen ist das die Corpus-Werkstatt Koch & Bergfeld, die außer Kerzenständern auch Serviettenringe, Weinbecher und eine Teekanne gefertigt hat. Diese Teile sind auch im Schauraum der im Europahafen ansässigen Manufaktur zu sehen.

Meike Noll-Wagenfeld, die Tochter des rührigen Gestalters, war eigens aus Genf angereist, um sich die Ausstellung am Mittwoch anzuschauen. Sie war voll des Lobes, nicht zuletzt über die Arbeit der in Bremen ansässigen Stiftung, die das Werk ihres Vaters betreut. Probleme habe es in den vergangenen Jahren wiederholt mit der Stadt Bremen um die Höhe der Zuwendungen gegeben, sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Die seien aber gemeinsam mit Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz ausgeräumt worden, sagt die auf Völkerrecht spezialisierte Juristin. Momentan geht sie davon aus, dass die Familie auch weiterhin Objekte ihres Vaters an die hiesige Stiftung geben wird - wenn Bremen seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt.

Die Ausstellung ist vom 16. April bis 12. September im Wilhelm Wagenfeld Haus zu sehen. Eine szenische Lesung zu Wagenfeld findet am Sonntag, 25. April, um 11.30 Uhr bei Koch & Bergfeld statt. Anmeldung unter Ruf 04 21/ 5590679.

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