Straßenkunst-Festival in Vegesack La Strada startet am Wasser

Auftakt für das Straßenkunst-Festival in Vegesack. An diesem Sonntag beginnen die Shows dann in Blumenthal, am Donnerstag in der Bremer Altstadt. Es gibt mehr als 180 Auftritte von Künstlern aus 18 Ländern.
08.06.2019, 06:00
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La Strada startet am Wasser
Von Justus Randt

Manche Ereignisse werfen Schatten voraus. Bei La Strada ist es eher strahlendes Licht. Das internationale Festival der Straßenkünste ist so etwas wie ein Leuchtturm der Verständigung. Auch wenn nicht alle jeden verstehen. „Unbekannte werden zu Bekannten“ – die Organisatoren setzen auf „Verbindende Erlebnisse über alle Kultur- und Sprachbarrieren hinweg, für eine Zukunft voller Akzeptanz und Toleranz.“ Der Auftakt des mittlerweile 25. Festivals ist am Sonnabend an der Weserpromenade in Vegesack über die improvisierte Bühne gegangen. Am Pfingstsonntag und -montag geht es in Blumenthal weiter. Das volle Programm gibt es dann vom 13. bis zum 16. Juni in der Altstadt.

Insgesamt werden an beiden – verlängerten – La-Strada-Wochenenden insgesamt 35 Künstlergruppen aus 18 Ländern in mehr als 180 Shows zu sehen sein mit Theater, Tanz, Musik, Clownerie, Installationen, Mobile-Acts und Performance-Kunst. Der Verein Neue Gruppe Kulturarbeit im Theaterkontor als Veranstalter ist stolz darauf, dass La Strada „auch international für sein innovatives und unkonventionelles Konzept bekannt ist“.

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„Umsonst und draußen“ lautet der Slogan des Freiluftfestivals – im Vorübergehen Atmosphäre schnuppern kostet nichts, schließlich ist es öffentlicher, frei zugänglicher Raum, den die Akteure in eine „Kulturarena“ verwandeln. Wer dabei sein will, sollte dennoch Geld einstecken: Am Ende jeder Vorstellung lassen die Künstlerinnen und Künstler den Hut herumgehen – denn Kunst ist Arbeit.

Die Sailing Clowns und die Schlick-Schipper, der kleinste Shantychor der Welt, beide aus Deutschland, kreuzten am Starttag mit als erste über die maritime Meile in Vegesack. Flankiert von riesigen Fischen mit Kettenantrieb der niederländischen Tukkersconnexion und Sailors Circus, einer „maritimen Liebesgeschichte“ der argentinischen Akrobaten des Duo un Pie. Das Teater Fusentast (Norwegen), ein Kuriositätenkabinett mit Gucklöchern für sechs Zuschauer, erzählt von einem gefährlichen Abenteuer zur See.

Kräftiger Wind in Vegesack

Zum maritim geprägten Start zählte auch der chinesische Mast, wiederum eine Art Leuchtturm, in Gestalt einer heftig schwankenden Straßenlaterne, die Noah (USA) in der Rolle als angeheiterter Seemann entert. Sehenswert, aber nichts für allzu schwache Nerven – wie so oft, wenn sich Seeleute auf ungewohntem Terrain an Land verdingen. Zumal in Vegesack, wo der Wind derart kräftig blies, dass lange unklar blieb, ob sich Noah überhaupt hinauftrauen würde.

Vegesack war erstmals Spielort des Festivals, einige der Profis werden auch auf dem Gelände der Wollkämmerei in Blumenthal zusehen sein, das bereits im dritten Jahr von La-Strada-Künstlern bespielt wird. Und natürlich an den diversen Spielorten in der Bremer Altstadt, wo sich von Donnerstag bis Sonntag auf dem Marktplatz, auf dem Liebfrauenkirchhof, dem Domshof, und in den Wallanlagen gegenüber und hinter der Kunsthalle das Hauptprogramm abspielt.

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Das beginnt am Donnerstag um 22.30 Uhr mit dem als poetisches Maskenspektakel angekündigten Walk-Act Peregrinus auf der Senkebühne. Tags darauf tritt das polnische Teatr Kto auf, um 17 Uhr am Dom. Die weiteren Shows an diesem Tag beginnen um 18 Uhr. Darunter der Tipp des Fördervereins La Strada: Charlotte van Otterloos (Niederlande) Spiele-Installation Mechatropolis – eine „interaktive Low-Tech-Installation“ am Heine-Denkmal. Zeitgleich beginnt unter anderem Natalie Reckert (Deutschland) auf dem Marktplatz akrobatisch-kunstvoll zu kleckern – als Superheldin aus Zuckerguss.

Als enorm gealterte alte Bekannte werden die Bremer Golden Flamingos (Charles und Erika mit Verstärkung), als „ein Abklatsch ihrer selbst“, in den Wallanlagen ein dramatisch-komisches Stelldichein geben. Immerhin, eine der La-Strada-Welturaufführungen – jede Show kann nur auf einem Festival gezeigt werden.

Bewertung über QR-Codes

Als Teil des europageförderten Pic-Projekts (Poetic Invasion of the Cities) kann das Publikum Künstler über QR-Codes bewerten und sie so für eines der La-Strada-Partnerfestivals in Montegranaro (Italien) und Sibiu (Rumänien) vorschlagen. Sieben Ensembles aus Argentinien, USA, Deutschland, Norwegen den Niederlanden und Rumänien beteiligen sich daran. Die Codes sind im Programm abgedruckt – der Kauf des Heftes unterstützt das Festival. Ebenso wie die etwa 100 sogenannten Engel. Ohne Einsatz der ehrenamtlichen Helfer „würde es La Strada nicht geben“, sagt Festival-Sprecherin Frederieke Behrens.

Das Jubiläum nehmen die Macher nicht allzu wichtig: „Konzeptuell ist das jedes Mal das größte Festival für uns“, sagt Behrens. Gefeiert wird doch. Mit einer Extra-Show für die Engel am Donnerstagabend, kurz vor der Eröffnung. Wie üblich bei den meist ausverkauften Galas am Sonnabend und Sonntag in der Shakespeare-Company, die als „wilder Varieté-Abend“ angekündigt sind, und, ebenfalls Sonnabendabend, auf der Wiesenbühne in den Wallanlagen mit DJ Badre – für alle.

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Zur Sache

Das Festival im Taschenformat

Ohne Programm lässt sich schwer Überblick behalten über die Straßenkunst-Festivaltermine und -orte, an denen in Blumenthal (am 9. und 10.) und in der Bremer Altstadt (vom 13. bis 16. Juni) „auf den Hut gespielt“ wird. Welche der 35 Künstlergruppen wann an welchem der vielen Spielorte zu sehen sind, ist im mehr als 60 Seiten dicken Programm nachzulesen, das in vielen Buchhandlungen und unter anderem bei der Bremer Touristik-Zentrale für drei Euro erhältlich ist. Im Internet ist das Programm unter www.lastrada-bremen.de zu finden.

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