Rhododendronpark Markt der grünen Branche

Walle·Horn-Lehe. Am Wochenende 1. und 2. Juni werden der Rhododendronpark und die Botanika zum vierten Mal zum Marktplatz der "Grünen Branche".
23.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Walle·Horn-Lehe. Am Wochenende 1. und 2. Juni werden der Rhododendronpark und die Botanika zum vierten Mal zum Marktplatz der "Grünen Branche". Schwerpunkt ist das Thema "Urban Gardening", das in Vorträgen, Exkursionen und Diskussionsforen zur Sprache kommen soll. Was darunter zu verstehen ist, das wollten die Veranstalter am liebsten mitten in einem Bremer Vorzeigeprojekt seiner Art erklären: dem Internationalen Garten Walle.

Kartoffeln anbauen ist wirklich kinderleicht, wie Anika bestätigen kann: Die Fünfjährige aus dem Viertel benötigt dazu nur einen leeren Reissack, ein paar Handvoll Erde und Kompost, eine handelsübliche Biokartoffel und ein Eckchen auf dem heimischen Balkon.

Der "Markt der grünen Branche" am ersten Juni-Wochenende wird noch eine Fülle weiterer theoretischer und praktischer Informationen bieten. Denn Stadtgärtnern – unter Insidern als "Urban Gardening" oder auch "Urban Farming" bekannt – ist ein Trend, der bereits in vielen internationalen Großstädten wächst und gedeiht. Und auch wenn Bremen vergleichsweise schon ganz schön grün ist – zu viel Natur können Städte nach Ansicht der Veranstalter nicht haben.

Bei dieser Neuigkeit werden sich viele, vor allem die Älteren unter den Stadtbewohnern, sicherlich wundern. Denn auf der eigenen kleinen städtischen Scholle ackern und die selbst gezogenen Früchte im eigenen Kochtopf zuzubereiten, das ist für Parzellisten seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Für die jüngere Generation allerdings wohl meistens nicht: "Viele Menschen haben den Bezug dazu verloren, wie Lebensmittel angebaut werden, da hat sich vieles entfremdet", erklärt Monika Baalmann vom Verein "Sozialökologie".

Selbstversorgung sei längst keine Lebensnotwendigkeit mehr, sondern eine bewusste Entscheidung: "Es wächst das Misstrauen gegenüber den Produkten, die in den Auslagen der Supermärkte zu haben sind." Wer selbst anbaue, so Monika Baalmann, habe vom Samen bis zur Ernte die Kontrolle über das Lebensmittel. Und ganz wichtig sei auch noch ein weiterer Aspekt der Tätigkeit: "Es geht auch um Entspannung, um Lust und Spaß."

Gemeinschaftsgärten beliebt

Gärtnern im kleinen Stil lässt sich sehr wohl alleine. Immer öfter entscheiden sich aber auch Menschen dafür, die Freude zu teilen. Das Ergebnis sind Gemeinschaftsgärten, die es bereits in vielen deutschen Städten gibt. Einer der bekanntesten ist der "Prinzessinnengarten" in Berlin-Kreuzberg, aus dem auch die Idee mit den Kartoffelpflanzsäcken stammt, wie Dorothea Becker erklärt.

Ein Bremer Vorzeigeprojekt ist der "Internationale Garten Walle". Auf der ehemals völlig überwucherten 2300 Quadratmeter großen Brachfläche am Rande der Waller Feldmark bauen heute rund 20 Kleinstanbauer auf ihren eigenen abgesteckten Beeten Gemüsesorten an und versorgen sich gegenseitig mit guten Tipps und neuen Geschmackserlebnissen – wie dem brasilianischen "Couve mineira", der mitten in Walle vorzüglich gedeiht, wie Dorothea Becker berichten kann.

Eine eigene Anbaufläche ist auch für die Kinder der Grundschule am Pulverberg reserviert. Sie gärtnern dort unter dem Motto "Wir pflanzen unser Essen selber", werden vom Verein "Sozialökologie" unterstützt und freuen sich bereits über die ersten zarten Sprösslinge.

Teil des "Markts der grünen Branche" am 1. und 2. Juni wird eine Messe sein, bei der grüne Unternehmen und Institutionen sich und ihre Produkte und Themen präsentieren – darunter Lebensmittel, Kosmetik, Energie und Naturschutz. In einem Projektzelt stellen Bremer Gemeinschaftsgärten sowie verschiedene Bremer Initiativen und Betriebe vor, wie "Urban Gardening" heute schon praktiziert wird. Die Veranstalter hoffen, dass auch das Programm des parallel laufenden "Urban Gardening-Kongress" viele Interessierte anzieht , sagt Peter Brodersen vom Verein "Ökostadt Bremen". Die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer können Vorträge und Diskussionsforen mit hochkarätigen Referenten erwarten, bei denen es zum Beispiel um die Wurzeln und die historische Entwicklung des landwirtschaftlichen Anbaus in der Stadt geht oder um die Zukunft der Städte zwischen Schrumpfung und Verdichtung.

In Exkursionen können unter anderem der Bremer Hafenschulgarten, ein Biohof und eine Bioland-Gärtnerei besucht werden. Und natürlich geht es auch um das Thema "Praktisch Gärtnern" mit Profi-Tipps für den Gemüseanbau.

Anika ist mit ihrem Kartoffelpflanzsack dem Trend bereits einen Schritt voraus: Wenn sie und Mama Julia Junge das zarte Pflänzchen in den kommenden Monaten gut hegen und pflegen, steht der eigenen Ernte im Oktober nichts entgegen. Mindestens zwanzig, vielleicht sogar fünfzig Kartoffeln können die beiden dann pro Pflanzsack erwarten, prophezeit Dorothea Becker. So einfach kann Ökolandbau mitten in der Stadt funktionieren.

Der "Markt der Grünen Branche" ist am Sonnabend, 1. Juni, und Sonntag, 2. Juni, jeweils ab 10 Uhr im Rhododendronpark und in der Botanika.

Für die Teilnahme an den Foren und Kongressen ist eine Voranmeldung nötig. Näheres im Internet unter www.natuerlichbremen.de

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