Mehr Hundespielwiesen in Bremen

Mehr Platz für Hunde

Die Stadt soll mehr Hundewiesen bekommen. Weil das Pilotprojekt gut läuft, will die Umweltbehörde das Konzept auf ganz Bremen ausweiten.
28.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Mehr Platz für Hunde
Von Kathrin Aldenhoff
Mehr Platz für Hunde

Das Pilotprojekt ist erfolgreich und wird von den Hundehaltern gut angenommen.

Frank Thomas Koch

Die Stadt soll mehr Hundewiesen bekommen. Weil das Pilotprojekt gut läuft, will die Umweltbehörde das Konzept auf ganz Bremen ausweiten.

Auch der Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins, Wolfgang Apel, findet: „Die eine Fläche reicht nicht aus. Hunde gibt es überall in Bremen, nicht nur in der Vahr.“ Die Beiräte müssten aufhören, solche Flächen zu blockieren. Höchste Zeit, dass etwas passiert, sagt die Ortsamtsleiterin für die Vahr, Karen Mathes. Die Behörde habe mehr versprochen, als sie momentan tue.

Die Umweltbehörde will aus mehreren Gründen mehr umzäunte Auslaufflächen für Hunde. „Es ist im Sinne aller Parknutzer, wenn es weniger Konflikte gibt“, sagt Björn Döhle, Referent beim Umweltsenator.

Auch Tier- und Umweltschutz spielen eine Rolle

Hunde können ohne Leine spielen, die Besitzer brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass ihre Hunde davon laufen, und wer Angst vor Hunden hat, der weiß, dass sie hinter einem Zaun sind. „Es ist wichtig, in einer Großstadt solche Flächen zu haben“, sagt Döhle.

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Nicht zuletzt gehe es auch um den Tierschutz und den Umweltschutz: Hunde brauchen Auslauf, Vögel und Wildtiere Schutz vor Hunden, wenn sie Junge bekommen.

Um die Kosten einschätzen zu können, wertet die Umweltbehörde seit Kurzem aus, wie die Hundewiese, die offiziell in Sebaldsbrück und nicht in der Vahr liegt, genutzt wird; wie oft gemäht werden muss, wie oft Löcher im Boden wieder zugeschüttet werden, wie oft die Mülleimer geleert werden müssen.

Außerdem befragen Mitarbeiter Nutzer und Anwohner. „Es zeichnet sich ab, dass es viele als Erfolg werten“, sagt Behördensprecher Jens Tittmann. Das Pilotprojekt sei auf vielen verschiedenen Ebenen erfolgreich. Die Hundebesitzer, die mit ihren Tieren zum Spielen kämen, fühlten sich verantwortlich für die Fläche, sie sei zum Treffpunkt geworden.

Höchste Zeit für die Behörde, zu handeln

Ortsamtsleiterin Karen Mathes sagt, es sei höchste Zeit, dass die Behörde etwas tut. Sie bekomme viele Anrufe, zum Beispiel weil Hunde wieder neue Löcher gebuddelt haben und andere diese Löcher als Gefahr sehen. Bis die Löcher dann zugeschüttet werden, dauere es.

„Es klappt nicht so, wie es sollte“, sagt Karen Mathes. „Die Behörde hat viel mehr versprochen.“ Zum Beispiel auch Sitzbänke. Oder dass Hecken und Büsche zurückgeschnitten werden; dass man sich überlegt, wie man verhindern kann, dass das Gelände zur Matschlandschaft wird, wenn es viel regnet.

Das sei alles nicht passiert. „Man hat einfach einen Zaun gezogen, ein Schild dran gemacht und Kotbeutelspender aufgestellt“, kritisiert Mathes. „Mehr steckt da bisher nicht dahinter.“

Probleme im Park werden weniger

In einem Punkt aber stimmt Karen Mathes der Einschätzung der Umweltbehörde zu: Die Fläche wird gut angenommen. „Das stärkt die Nachbarschaft, die Nutzer sind eine aktive Gruppe.“ Die Probleme im Park seien deutlich weniger geworden, sagt sie: Vorher lag viel Hundekot herum, die Hunde liefen frei, trotz Anleinpflicht.

Manche Hundebesitzer lassen ihre Tiere zwar immer noch frei im Park laufen, auch jenseits des Zauns. Aber es seien weniger als früher.

Ortsamtleiterin Karin Mathes ist voller Tatendrang.

Ortsamtleiterin Karin Mathes ist voller Tatendrang.

Foto: Petra Stubbe

2015 entstand die erste Hundeauslauffläche in Bremen an der Galopprennbahn im Carl-Goerdeler-Park – das Pilotprojekt. Schon 2011 hatten CDU, SPD und Grüne in der Stadtbürgerschaft mit einem gemeinsamen Antrag den Senat aufgefordert, sich mit dem Thema Hundeauslaufflächen zu beschäftigen und die Beiräte zu unterstützen, geeignete Flächen auszuwählen und zu gestalten. Die Bürgerschaft hatte den Antrag im September 2011 dann einstimmig beschlossen.

Hunde sollen nicht nur an der Leine geführt werden

Dass es knapp vier Jahre gedauert hat, bis die ersten Hunde ganz offiziell frei laufen durften, hat mehrere Gründe. Unter anderem den, dass die Beiräte zunächst nicht reagierten, als die Behörde um Vorschläge für Hundeauslaufflächen bat, wie Behördensprecher Jens Tittmann sagt. Es seien nur sehr wenige Vorschläge gekommen, die meisten von ihnen waren nicht umsetzbar.

„Hunde nur an der Leine zu führen, ist nicht tierschutzgerecht“, sagt Wolfgang Apel, Vorsitzender des Tierschutzvereins. In Bremen gebe es strenge Regelungen (siehe Info-Kasten), deshalb brauche Bremen dringend neue Auslaufflächen für Hunde. Er meint: „In jedem Stadtteil sollte es so eine Fläche geben.“

Die Flächen müssten so groß sein, dass sich die Hunde austoben können. „Ich wünsche mir, dass die Blockade in den Stadtteilen und Beiräten aufhört.“

Beiräte sollen selbst entscheiden

Nun sollen die Beiräte wieder eine zentrale Rolle einnehmen. Sie sollen nicht nur die Standorte vorschlagen, sondern auch festlegen, wie ihre Hundeauslauffläche aussieht: Nach dem Baukastenprinzip sollen sich die Stadtteile ihre Hundespielwiesen zusammenstellen und so den Preis mitbestimmen.

Zaun, Bänke, Wasseranschluss, Kotbeutelspender oder eine Spielsandkiste – die Beiräte sollen selbst für ihre Stadtteile entscheiden, welche Ausstattung sie für die Flächen wollen.

Jens Tittmann glaubt, dass dieses Mal mehr Vorschläge aus den Stadtteilen kommen werden. Die Resonanz der Nutzer auf das Pilotprojekt sei sehr positiv. Das führe dazu, dass das Interesse der Beiräte an Auslaufflächen inzwischen größer sei als noch bei dem Pilotprojekt. Aber er sagt auch: „Die Behörde kann nur umsetzen, was die Beiräte wollen. Die Beiräte sind nun aufgerufen, zu handeln.“

Es wird mit Kosten im unteren fünfstelligen Bereich gerechnet

Bis Ende des Jahres will die Umweltbehörde das Pilotprojekt an der Galopprennbahn ausgewertet haben. Dann sollen die Beiräte ihre Wunschflächen anmelden und es wird über die Finanzierung gesprochen. Mit Kosten im unteren fünfstelligen Bereich rechnet man in der Umweltbehörde pro Auslauffläche. Wenn alles so klappt, wie geplant, sollen die Kosten für die Hundeauslaufflächen Mitte kommenden Jahres in die Verhandlungen für den neuen Doppelhaushalt einfließen.

Hunde an die Leine Wer mit seinem Hund in stark besuchten Bereichen wie der Fußgängerzone, öffentlichen Parks, Grünanlagen und Gärten spazieren geht, der muss ihn an der Leine führen. Diese Regelung gilt das ganze Jahr.Wenn gerade Vögel brüten und Wildtiere Junge bekommen – in der Brut- und Setzzeit – dürfen Hunde auch in der freien Landschaft nicht frei laufen.
Das gilt vom 15. März bis zum 15. Juli. Und zwischen dem 1. April und dem 30. September dürfen Hunde auch auf Spiel- und Liegewiesen nicht ohne Leine laufen.
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