Kommentar über Arbeit und Familie

Mehr Teilzeit für Männer

Mehr Betreuungsplätze für Kinder sind nicht die einzige Lösung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Vielmehr muss sich die Arbeitswelt verändern, meint Lieselotte Scheewe.
19.07.2018, 20:36
Lesedauer: 1 Min
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Mehr Teilzeit für Männer
Von Lieselotte Scheewe

Der Schrei nach mehr Betreuungsplätzen für Kinder ist laut. Und er ist gut. Aber er reicht nicht aus. Damit sich wirklich etwas in puncto Vereinbarkeit von Familie und Beruf ändert, muss sich die Arbeitswelt verändern. Und dabei ist immer mehr nicht wirklich mehr.

Viel zu häufig ist das klassische Modell noch: Die Frau bleibt zu Hause oder arbeitet in Teilzeit, während ihr Mann auf der Karriereleiter nach oben klettert. Dennoch ist es verständlich, wenn sich Paare für diesen Weg entscheiden. Dass beide mit einem kleinen Kind zu Hause in Jobs mit Leistungsdruck, Verantwortung, Überstunden, Dienstreisen oder in Schichtarbeit weitermachen, ist nicht leistbar. Egal wie viele Kita-Plätze es gibt und wie lange und flexibel Kindergärten geöffnet haben.

Der einzige Weg zu einer Gleichberechtigung in der Arbeitswelt ist, dass Männer – auch in anspruchsvollen Positionen – die Arbeitszeit reduzieren und flexibel gestalten. Das muss nicht ein Halbtagsjob sein, bei dem um 12 Uhr der Stift fällt. Auch eine 35-Stunden-Regelung reicht manchmal aus und kann ermöglichen, dass für Frauen eine Teilzeitbeschäftigung nicht mehr zum Karrierehindernis wird. Damit sich etwas bewegt, müssen Männer diese Modelle fordern, und Unternehmen sie gewähren. Das muss zur Normalität werden und nicht der eine Teilzeitpapa in der Firma zum Exoten.

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