Drohender Prozess schreckt nicht ab Mittelloser Bremer Ex-Professor will erneut Luxusimmobilie kaufen

Ein früherer Bremer Jura-Professor steht bald wegen mutmaßlicher Betrugsstraftaten vor Gericht. Doch das hält ihn offenbar nicht davon ab, sich trotz hoher Schulden um den Kauf von Luxusimmobilien zu bemühen.
10.03.2019, 19:17
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Mittelloser Bremer Ex-Professor will erneut Luxusimmobilie kaufen
Von Jürgen Theiner

Ein früherer Bremer Rechtsprofessor, den die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs angeklagt hat, zieht seine Masche trotz des bevorstehenden Strafprozesses offenbar weiter ungeniert durch. Nach Informationen des WESER-KURIER hat der einst angesehene Jurist erneut versucht, ein teures Haus zu kaufen, obwohl diverse Personen noch eine Menge Geld von ihm zu bekommen haben.

Im Prozess vor dem Amtsgericht, der noch nicht terminiert ist, müssen sich der frühere Lehrstuhlinhaber und seine Frau wegen diverser mutmaßlicher Betrugs- und Untreuevorwürfe verantworten. Dem Mann wird zur Last gelegt, in mehreren Fällen Häuser gekauft zu haben und den Eigentümern den Kaufpreis schuldig geblieben zu sein. In dem Zusammenhang waren mehrere Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

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Beinahe wäre nun erneut ein Makler dem Ex-Professor auf den Leim gegangen. Andreas Bölts, Geschäftsführer der gleichnamigen Immobilienvermittlung, hat derzeit ein Wohnobjekt in Oberneuland im Angebot, das für knapp eine Million Euro den Eigentümer wechseln soll. Anfang Februar, so erinnert sich Bölts, habe der Jurist sein Interesse am Kauf bekundet. „Wir haben ein Exposé verschickt und einen Besichtigungstermin vereinbart.“

Bei dem Rundgang durch die Immobilie habe der Interessent seine Kaufabsicht unterstrichen. Das Objekt passe ideal für seine Familie. Mit einigen Nachbarn sei man bereits persönlich bekannt. Gegenwärtig, so gibt Bölts seinen Kunden wieder, wohne die Familie in Jever, doch die Kinder besuchten ein Bremer Gymnasium. Laut Bölts wurde man auch über den Kaufpreis einig.

Eine desaströse Bonität

Stutzig wurde der Immobilienkaufmann dann allerdings, als er bei der Wirtschaftsauskunftei Creditreform eine Information über die Bonität des Kunden einholte. Die war desaströs. Bölts bat den Professor deshalb um einen Finanzierungsnachweis. Bis Ende vergangener Woche lag ihm noch nichts vor.

Das Geschäft dürfte mithin kaum zustande kommen. Und so bleibt den derzeitigen Eigentümern der Oberneulander Immobilie erspart, was einem Rentnerehepaar, das früher in Borgfeld wohnte, vor einiger Zeit widerfahren ist. Die Senioren besaßen dort eine Villa auf einem gut 3000 Quadratmeter großen Grundstück. Nach dem Verkauf zog der Ex-Professor mit seiner Familie ein und begann sogleich mit der Umgestaltung der Immobilie, zahlte aber den Kaufpreis nicht. Mehrfache nachdrückliche Forderungen zur Begleichung seiner Schulden ignorierte der mutmaßliche Betrüger.

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Auch in diesem Fall war es eine Creditreform-Auskunft, die Licht in die Umstände brachte. „Die Person ist bekannt, harte Negativmerkmale“, heißt es in dem Bonitätsstatus. Bis es dem Rentnerpaar gelang, den illiquiden Käufer und dessen Familie aus dem Haus zu bugsieren, war ein sechsstelliger Schaden entstanden. Eine zivilrechtliche Schadenersatzklage haben die Eheleute wegen mangelnder Erfolgsaussichten nicht erst angestrengt. Sie setzen ihre Hoffnungen daher auf den anstehenden Strafprozess vor dem Amtsgericht.

Frau des Ex-Professors entwendete Stiftungsvermögen

Auch die Frau des Ex-Professors ist kein unbeschriebenes Blatt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, als Geschäftsführerin einer Bremer Stiftung gut 23 000 Euro für private Zwecke aus dem Stiftungsvermögen genommen zu haben. Ihr Mann soll sie zu der Tat angestiftet haben. Dass die 2017 ausgeschiedene Geschäftsführerin sich tatsächlich aus der Kasse der Grass-Stiftung bediente, ist zumindest zivilrechtlich unstrittig. Nach ihrer Abberufung durch den Stiftungsvorstand unterzeichneten die Eheleute vor einem Notar ein gemeinschaftliches Schuldanerkenntnis über einen Betrag von 23 660 Euro. Das Geld sollte spätestens zum 15. Oktober 2017 an die Grass-Stiftung zurücküberwiesen werden. Dort traf es allerdings nie ein. Der Stiftungsvorstand erstattete deshalb Strafanzeige.

Neben Immobilienbesitzern und Stiftung haben diverse Bremer Hoteliers Außenstände bei den Eheleuten. Nach Informationen des WESER-KURIER logierte das Paar in mehreren gehobenen Häusern jeweils über mehrere Wochen und ließ Teile der Rechnungen unbezahlt. Einer der geprellten Hoteliers schrieb eine Warnung an seine Berufskollegen.

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