Umfrage an beliebten Badestellen

Müllproblem trübt das Vergnügen an Bremer Weserstränden

Der Ausflug an den Weserstrand ist für die meisten Bremerinnen und Bremer ein schönes Freizeitvergnügen. Für manche wird es aber durch zu viel Müll und zu wenige oder schwer zu findende Toiletten getrübt.
27.07.2019, 19:55
Lesedauer: 5 Min
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Müllproblem trübt das Vergnügen an Bremer Weserstränden
Von Ulrike Troue
Müllproblem trübt das Vergnügen an Bremer Weserstränden

Strände und Badestellen sind während der heißen Tage sehr beliebt. An manchen Orten macht den Besuchern allerdings der Müll zu schaffen.

Frank Thomas Koch

Kaum sind die „Hundstage“ angebrochen, die heißeste Zeit in Europa vom 23. Juli bis 23. August, werden Hitzerekorde gemeldet. Wer einen Schattenplatz erwischt hat, sich am oder im Wasser aufhalten kann, wird darum beneidet. Nicht nur an den Badeseen, sondern auch am Weserufer und Werdersee tummeln sich die Menschen. Dieses Vergnügen können manche allerdings nicht in vollen Zügen genießen, wie unsere Umfrage ergab, weil Ausflügler mancherorts einfach ihren Müll zurücklassen.

Als „grenzwertig“ bezeichnet Stefan Runge die öffentlichen Toiletten am Werdersee. Darüber hinaus liege dort relativ viel Müll herum und es sei „überfüllt“, meint der Oytener. Wegen einer Fortbildung ist er nun häufiger in Bremen und frönt an diesem Nachmittag mit seiner Partnerin aus Huchting und Besuch aus den USA dem Strandleben am Café Sand. „Hier ist alles sauber, morgens sieht der Sand aus wie geharkt“, lobt der Oytener den Restaurantbetreiber.

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Auch Sherin Wolf bevorzugt den Weserstrand auf der rechten Stadtwerderseite. Er sei so sauber, es gebe Gastronomie und Toiletten und eine gute Verkehrsanbindung, zählt sie als Pluspunkte auf. Die Badestelle am Werdersee auf der anderen Stadtwerderseite gefällt der 20-Jährigen aus der Alten Neustadt weniger gut. „Das ist eine größere Fläche, und ich weiß nicht, ob es da überhaupt eine Toilette gibt“, sagt sie.

Sommer - Hitze - Wetter Feature - Badestellen Weserufer -  mit Umfrage - Werdersee - Malte Schäfter und Tochter Neri

Malte Schäfer aus der Neustadt, hier mit Tochter Neri (fünf), stört sich am ­Werdersee am Müll, den die Leute überall liegenlassen.

Foto: Frank Thomas Koch

Toiletten sind kein Qualitätsmerkmal

Malte Schäfer aus der Neustadt ist sich im letzten Punkt indes sicher: Öffentliche Toiletten gibt es hinterm DLRG-Aufsichtsturm. „Das sehe ich aber nicht als Qualitätsmerkmal“, erklärt der zweifache Vater. Er kommt regelmäßig mit Sohn und Tochter an den bewachten Werdersee-Strand, wo es auch einen Nichtschwimmerbereich gibt, und setzt seine kleinen Kinder vorher zu Hause „auf den Pott“.

Um den Toiletten-Notstand an diesem beliebten Ort zu entschärfen, könnte Malte Schäfer sich den zeitlich begrenzten Einsatz von Toilettenwagen vorstellen, auch am südlichen Ufer, wo nur ein Dixi-Klo am Deichschart-Kiosk steht . „Seit sie das bei der Breminale machen, läuft das super“, findet der Neustädter, der zudem Verständnis für Anlieger äußert, die von „Wildpinklern“ dort genervt sind. Der Müll aber stört den Vater schon. „Das ist eher das Problem, dass die Leute den einfach liegen lassen.“ Für ihn ist es nach eigener Auskunft eine Selbstverständlichkeit, seinen Müll wieder mitzunehmen.

Sommer - Hitze - Wetter Feature - Badestellen Weserufer -  mit Umfrage - Cafe Sand - Stefan Runge

Für Stefan Runge ist der Strand am Café Sand der Favorit. Denn er empfindet die einzige offizielle Badestelle in der Weser als sehr sauber.

Foto: Frank Thomas Koch

Gleiches erklären Monique Rosenberger und Jannis Wagner, die aus Frankfurt zum Studium nach Bremen gekommen sind. Die Neu-Findorffer schlendern gespannt Richtung Weseruferpark, auf den sie durch eine Suchmaschine gestoßen sind. „Ob es eine Toilette gibt, darüber denke ich vorher nicht nach“, gesteht die junge Frau, die später in Strandnähe ein hellgrünes, mobiles Örtchen unter einer Baumgruppe entdeckt.

Jenes fällt Chaline Mahn und Carolin Kuzyk erst auf den zweiten Blick auf. „Wenn ich mich länger am Strand aufhalten will, ist eine Toilette ein Kriterium“, sagt Chaline Mahn. Sie hat Semesterferien und liegt mit ihrer Freundin zum ersten Mal am Rablinghauser Strand. Bisher hätten sie nur jeden Tag sehnsüchtig aus ihren Wohnungen in der Überseestadt drauf geschaut, verraten die jungen Frauen. „Wir wollten mal eine andere Perspektive haben.“

Weil sie nur zwei, drei Stunden Zeit zum Relaxen haben, dürfte sich der Harndrang bis zur Heimkehr beherrschen lassen, glauben die gut aufgelegten Freundinnen. Steine und Schlamm halten sie nicht davon ab, sich im Fluss abzukühlen. „Schöner Strand hier“, ruft Carolin, der gleich die Nachtschicht als Maschinenführerin bevorsteht, fröhlich winkend, während sie mit einem Bein fast bis zur Kniekehle im Matsch versinkt. Wer Wasser sieht, ist ihre Überzeugung, möchte auch hinein. Deshalb ist der näher an ihrem Zuhause liegende Strandpark „Waller Sand“ am Wendebecken in der Überseestadt für Kuzyk ein schönes, aber nicht sehr reizvolles Ziel.

Sommer - Hitze - Wetter Feature - Badestellen Weserufer -  mit Umfrage - Weseruferpark Rablinghausen - vl. Chalina Mahn und Carolin Kuzyk

Chalina Mahn (l.) und Carolin Kuzyk genießen ihr Sonnenbad im Weseruferpark, den sie nicht als dreckig einstufen.

Foto: Frank Thomas Koch

Fehlende Beschilderung

Die Infrastruktur in dem neu aufgeschüttete Dünenbereich mit Waikiki-Schirmen, Wasserspielplatz, Volleyballfeldern und Holzbohlenwegen erhöht den Freizeit- und Erholungswert und gilt seitens der Stadt als vorbildliche Küstenschutzmaßnahme. Es gibt eine Aussichtsplattform, Strandbar und Toilettencontainer. Trotzdem „rennen alle Nase lang Leute hier zur Toilette“, berichtet Bäckereifachverkäuferin Kirsten Meyenborg von heißen Tagen. „Es fehlt eine Beschilderung, die öffentlichen Toiletten stehen ja etwas abseits“, formuliert sie daher als persönlichen Wunsch, schließlich muss sie auf die Sauberkeit des „Örtchens“ achten.

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Erfreulicherweise würden sich die Cafégäste durch den „Toiletten-Tourismus“ jedoch nicht gestört fühlen, beteuert sie. „Und die schleppen auch nicht viel Sand herein“. Allerdings landet nach ihrer Auskunft ein Gros des Mülls in den Behältern des Lounge-Bistros Back Stage. Das bedeutet Überstunden, weil die Verkäuferinnen der Bäckerei nach Feierabend fürs Entleeren zuständig sind.

Über zu viel Unrat ärgert sich auch Stefanie Brussa-Toi, die mit Freundin und Kindern die Habenhauser Uferaue als Badestelle ausgewählt hat. Die Flaschen im Wasser und Hundehaufen in der kleinen naturnahen Bucht ärgern sie. „Der ganze Müll hier ist mit Kindern ärgerlich“, beklagt die zweifache Mutter. „Wir nehmen immer alles wieder mit. Es gibt keine Mülleimer.“

Für Fatimah Sohbati aus Arsten ist „die fehlende Toilette das größte Problem“. Sie hat ihre Picknickdecke im Flachzonenbereich ausgebreitet und kommt regelmäßig mit der Familie mit dem Rad und ihren Eltern mit dem Bus her. Als Erwachsene müsse sie halt bis zur Heimkehr aushalten, sagt sie schulterzuckend.

Sommer - Hitze - Wetter Feature - Badestellen Weserufer -  mit Umfrage - Komplette Palette - Christian Harms und Tochter Heli

Christian Harms mit Tochter Heli (vier) lobt den Hemelinger Strand.

Foto: Frank Thomas Koch

Unmut über derlei Probleme kommt am Hemelinger Hafen gar nicht erst auf. „Ein cooles Projekt“, urteilt Christian Harms über das ausgefeilte Konzept der Kompletten Palette. Der temporäre Kunst- und Kulturort für Begegnungen von Jung und Alt am Hemelinger Sandstrand verfügt über „Pipilette“ mit drei Kabinen, überall stehen Müllsammler, sogar Tontöpfe für Zigarettenstummel. Auch deshalb ist der Hannoveraner vom Weserstrandflair schwer begeistert, der mit seiner Tochter und einem Freund Kurzurlaub in Bremen macht. „Ich glaube, dass die Leute, die das Konzept kennen, auch das Bewusstsein dafür haben, dass es ein schöner Ort bleiben soll und die Natur nicht unnötig belastet wird“, bestätigt die 22-jährige Studentin Lena aus dem Steintor diesen Eindruck. „Ich habe das Gefühl, dass das hier richtig gut funktioniert.“

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