Nach dem Aus für den Osterurlaub

„Ein rabenschwarzer Tag für den Tourismus“

Nachdem die Ministerpräsidenten in der Nacht die Möglichkeit zum Osterurlaub im eigenen Land gekippt hatten, reagiert die Branche geschockt.
23.03.2021, 11:26
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„Ein rabenschwarzer Tag für den Tourismus“
Von Marc Hagedorn

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Ablehnung von Urlaub etwa in Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen während des exponentiellen Wachstums der Corona-Infektionen am Mittwoch noch einmal bekräftigt. „Ich persönlich glaube, dass schon das Wort des kontaktarmen Urlaubs ein bisschen in die Irre führen könnte“, sagte Merkel in der Regierungsbefragung im Bundestag.

Merkel sagte: „Dass jetzt die Familien, ohne Kontakt mit einer anderen Familie zu haben, ihren ganzen Urlaub verbringen, das erschließt sich mir nicht auf den ersten Blick.“ Das möge es im Einzelfall geben. „Ansonsten gibt es aber wieder vollkommen neue Konstellationen von Kontakten, nämlich Menschen, die sich bisher nicht kannten, kommen sich sehr nah, und es gibt Mobilität innerhalb eines Bundeslandes.“ Angesichts des gegenwärtigen exponentiellen Wachstums der Corona-Fälle wäre das „das falsche Signal“ gewesen, so Merkel. Bei sinkenden Inzidenzen könne sie sich dies aber gut vorstellen.

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Die Tourismusbranche in Norddeutschland steht nach dem Aus für den Osterurlaub noch unter Schock. „Das ist ein rabenschwarzer Tag für den Tourismus im Inland. Ich bin wütend, traurig, enttäuscht“, sagte Sonja Janßen, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Nordsee. Bis zuletzt hatten sich die drei Nordländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bei der Ministerpräsidentenkonferenz für einen kontaktarmen Urlaub in Ferienwohnungen, Ferienhäusern und auf Campingplätzen eingesetzt. Am Ende vergeblich.„Man kann die Entscheidungen der Politik niemandem mehr erklären“, sagte Janßen, „sie können eine Kreuzfahrt buchen, mit 4000 Menschen tagelang auf einem Schiff unterwegs sein, aber vier Menschen aus derselben Familie dürfen sich nicht zusammen in einer Ferienwohnung aufhalten. Das macht mich sprachlos.“ Janßen glaubt, dass das Aus für den Osterurlaub im eigenen Land die Menschen animieren wird, nun ins Ausland zu fliegen. „Die Sehnsucht nach einem Tapetenwechsel ist schlicht und einfach da“, betonte die Geschäftsführerin.

Der Ausfall des lukrativen Ostergeschäfts erhöht den Druck auf die Branche. „Die ersten Ferienwohnungsbesitzer verkaufen schon ihre Häuser“, sagte Janßen, staatliche Hilfen erhielten sie bisher nicht. Sorge bereite ihr auch die Situation der Fachkräfte. Das Personal könnte in andere Bereiche abwandern, weil der Tourismus keine Perspektive mehr biete.

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„Verärgert“ reagierte Göran Sell, Geschäftsführer der Ostfriesischen Inseln GmbH, auf die Ergebnisse der Ministerpräsidenten-Konferenz. „Mich irritiert, dass die Runde es nicht geschafft hat, den Widerspruch aufzulösen, dass wir international reisen dürfen, nicht aber im eigenen Land.“ Sell hofft nun, dass bis zur nächsten Konferenz am 12. April bestimmte Regionen für Modellprojekte zugelassen werden. „Wir wollen bis dahin Konzepte ausarbeiten, damit der Branche überhaupt irgendeine Perspektive gegeben werden kann. Denn man darf speziell bei den Inseln nicht vergessen, dass man ihnen komplett die Perspektive nimmt, wenn man ihnen den Tourismus nimmt. Die Inseln leben davon.“

Frust auch im Harz. „Ich bin auch nicht dafür, ohne Wenn und Aber alles aufzumachen. Aber das ist eine ganz große Enttäuschung“, sagte die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbands, Carola Schmidt. Das Übernachtungsverbot stehe in keinem Verhältnis zum Einfluss der Branche auf die Infektionszahlen. „Das ist ganz schwer nachzuvollziehen.“

Die Geschäftsführerin rechnet damit, dass es über Ostern dennoch viele Tagesausflügler ins Grüne ziehen wird. „Die Mobilität wird es trotzdem geben. Wenn das Wetter schön ist, setzen sich die Leute ins Auto und fahren los“, sagte sie.

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