Tourismus, Kirche, Gastronomie & Einzelhandel

Die Folgen des Oster-Lockdown für Bremen

Der verschärfte Lockdown soll zu Ruhetagen führen. Keine leichte Situation für Kirchen, Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel in Bremen. Was die neuen Beschränkungen bedeuten, erzählen vier Betroffene.
24.03.2021, 05:00
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Von Nina Willborn, Sigrid Schuer, Florian Schwiegershausen und Mathias Sonnenberg
Die Folgen des Oster-Lockdown für Bremen

Sie dürfen es, wir nicht: Dicht an dicht Ostern feiern. Dieses Jahr ist das coronabedingt nicht möglich. Das #wirbleibenzuhause hat allerdings Folgen für viele Bremerinnen und Bremer.

Patrick Pleul / dpa
Maike Bialek, Sprecherin für Marketing und Tourismus der Wirtschaftsförderung Bremen.

Maike Bialek, Sprecherin für Marketing und Tourismus der Wirtschaftsförderung Bremen.

Foto: Privat

Maike Bialek: Sprecherin Marketing und Tourismus

Der harte Oster-Lockdown hat die Tourismusbranche nicht kalt erwischt. „Wir haben uns gewünscht, dass alle Einrichtungen und Hotels öffnen können, aber die Fallzahlen sind einfach zu hoch. Da geht die Sicherheit vor“, sagt Maike Bialek, Sprecherin für Marketing und Tourismus der Wirtschaftsförderung Bremen. Deshalb hatte es in den vergangenen Tagen auch keine größeren Anstrengungen gegeben, sich auf Touristen über die Ostertage einzustellen. „Da waren wir schon realistisch“, sagt Bialek. Es habe ja nicht das Ziel sein können, dass sich viele Menschen eng an eng in der Sögestraße oder dem Schnoor begegneten.

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Die Auswirkungen von Corona für den Tourismus? „Absolut dramatisch“, sagt sie. Trotzdem wird versucht, den Schalter nach erneuter Lockdown-Verlängerung umzulegen. Denn die Lust der Deutschen, Urlaub in der Heimat und damit auch in Bremen zu machen, sei ungebrochen. „Sobald es wieder losgeht, werden wir alles versuchen, um Bremen als Reiseziel zu bewerben. Die Pläne liegen bereit.“ Dazu gehört eine große Werbekampagne, die zur Wiedereröffnung von Hotels starten soll. Blogger und Influencer sollen dann die Werbetrommel rühren, besonders auf Social-Media-Kanälen und auf Werbeplakaten.

In Hannover wird auf Straßenbahnen für Bremen als Reiseziel geworben, auch in Hamburg soll Aufmerksamkeit für die kleinere Hansestadt geschaffen werden. „Wir sind bereit“, sagt Maike Bialek. Schon jetzt gebe es viele Möglichkeiten, Bremen auch von Zuhause aus zu erleben – beispielsweise mit einer Online-Stadtführung. Das habe dann einen gewissen Pandemie-Charme, wie Bialek es ausdrückt. „Wir müssen weiter flexibel sein und auf die Gegebenheiten entsprechend reagieren.“

Stephan Kreutz: Pfarrer von Unser Lieben Frauen.

Stephan Kreutz: Pfarrer von Unser Lieben Frauen.

Foto: Roland Scheitz

Stephan Kreutz: Pfarrer von Unser Lieben Frauen

Gerade jetzt in dieser bedrückenden Zeit sei es so wichtig, dass Ostern wird und dass das auch gelebt und gefeiert werde, in welcher Form auch immer, sagt Stephan Kreutz, Primarius der Kirche Unser Lieben Frauen. Denn die Passionsgeschichte führe aus dem Dunkel des Kreuzweges von Jesu Christi an Karfreitag in das Licht der Auferstehung an Ostern. Es zeige, dass Leben wieder neu werden kann. Ostern vermittele als höchstes Fest der Christenheit dieses Licht und die Zuversicht der Hoffnung, des Trostes und der Stärkung. Eine Ermutigung, die in einer schweren, bedrohlichen Zeit so wichtig für die Menschen sei, um sie weiter durchstehen zu können. Die Empfehlung der Bund-Länder-Konferenz, auf Gottesdienste zu verzichten und stattdessen digitale Angebote zu machen sei für die Kirchen sehr herausfordernd, so steht es auch in der offiziellen Pressemitteilung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK).

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„Bei allem Verständnis, das ich für die schwierige Situation habe, in der sich die Politik durch den Druck der Pandemie befindet: Ich hoffe, dass es Politik und Kirche gelingen wird, sich auf eine gemeinsame Abstimmung zu einigen“, sagt Kreutz. Er hofft ganz persönlich für seine Gemeinde, dass in den noch verbleibenden Tagen bis Ostern kreative Konzepte entwickelt werden können und dürfen, wie Auferstehungsfeiern unter freiem Himmel, selbstverständlich unter Einhaltung der strengsten Hygiene-Vorschriften, die ohnehin schon seit einem Jahr von Seiten der Kirchen praktiziert werden würden. „Anderenfalls möchten wir mit digitale Angeboten bei den Menschen sein und ihnen Tipps an die Hand geben, wie sie die hoffnungsvolle Zeit der Auferstehung auch zu Hause feiern können“.

Lothar „Barry“ Randecker: Gastronom.

Lothar „Barry“ Randecker: Gastronom.

Foto: Christina Kuhaupt

Lothar „Barry“ Randecker: Gastronom

Zwiegespalten ist das Wort, das den aktuellen Gemütszustand von Gastronom Lothar „Barry“ Randecker am besten beschreibt. „Als Gastronom würde ich am liebsten sofort alles aufmachen. Ich möchte mein normales Leben zurück haben, möchte arbeiten, Partys feiern und Menschen treffen“, sagt er. „Aber wenn ich die Inzidenzzahlen in Polen, Tschechien oder Ungarn sehe, bekomme ich Angst.“ Nach dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz ist klar, dass es über Ostern keine Außengastronomie geben wird, an den zwei „Ruhetagen“ am Gründonnerstag und Ostersonnabend wird Randeckers Meierei im Bürgerpark kein Essen zum Mitnehmen verkaufen, seit Anfang März gibt es das Angebot zumindest am Wochenende. Das Theatro ist sowieso geschlossen, „das hätte keinen Zweck“, sagt Randecker, „da hätten wir sofort Probleme mit Menschenansammlungen auf dem Goetheplatz.“

Eigentlich sei alles vorbereitet für den Start der Außengastronomie, in den nächsten Wochen würde normalerweise das Spargelgeschäft beginnen. „Wir haben Scanner für die Luca-App, können zum Beispiel mit den Palmen vor dem Theatro und Kordeln separate Bereiche schaffen. In der Meierei gibt es sowieso ausreichend große Außenflächen, wir haben Selbsttests für das Personal und wir planen ein neues System für Mehrweg-Geschirr“, sagt der Restaurantbesitzer. „Aber wir können im Moment nur abwarten, was kommt. Was aus meiner Sicht fehlt, sind Impfungen und genügend Tests. Und das finde ich schlimm.“ Dass drei Kollegen aktuell vor dem Oberverwaltungsgericht auf die sofortige Öffnung der Außengastronomie klagen, „kann ich aus geschäftlicher Sicht verstehen“, sagt Randecker. „Aber ich bin kein Virologe. Ich weiß nicht, ob man jetzt wirklich öffnen sollte.“

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Kirsten Jackenkroll: Centermanagerin der Waterfront.

Kirsten Jackenkroll: Centermanagerin der Waterfront.

Foto: Michael Lotz

Kirsten Jackenkroll: Centermanagerin der Waterfront

Kirsten Jackenkroll, die Centermanagerin der Waterfront in Gröpelingen, sieht die Entscheidungen der Ministerpräsidentenkonferenz mit gemischten Gefühlen: "Natürlich hätten wir uns weitreichendere Lockerungen gewünscht, die es allen Händlern möglich machen, schneller und gemeinsam wiederzueröffnen und das geringe Infektionsrisiko im Handel noch stärker berücksichtigen." Dass es nun zur „Ruhepause“ über Gründonnerstag und Ostersonnabend kommen wird, sei bedauerlich: Da hätten sich die Händler zumindest auf ein wenig Ostergeschäft gefreut – "die Enttäuschung über die Gesamtsituation ist bei allen groß, die teilweise auch viel Energie in die Umsetzung des ersten Öffnungsschrittes mit „click&meet“ gesteckt haben." Die Regelungen, die der Bremer Senat nun noch beschließen wird, respektiere man natürlich.

Ein Zentrum für Schnelltests gebe es in der Waterfront bisher nicht, auch wenn das andere so kommuniziert hatten. Jackenkroll sagt aber: „Wir helfen gern, auch bei der Umsetzung der Teststrategie. Wir haben bereits in mehreren von der ECE betriebenen Shopping-Centern gute Erfahrung mit der Einrichtung von Testzentren gemacht, verfügen über Kontakte zu entsprechenden Betreibern und sind gerne bereit, uns hier engagiert einzubringen.“ Möglich wäre das auf Flächen außerhalb des Einkaufszentrums.

Was das Kino bei der Waterfront angeht, sagt Cineplex-Betreiber Gunnar Burmester: „Wir werden erst im Sommer wieder öffnen, weil es vorher keine Neuerscheinungen geben wird.“ Entsprechend erteilte Burmester einem Autokino an der Waterfront, so wie er das im vergangenen Jahr betrieben hatte, eine Absage: „Auch das macht nur Sinn, wenn wir den Besuchern neue Filme zeigen können. Aber für 2022 kann ich mir das wieder vorstellen.“

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