Restauration im Haus der Bürgerschaft Neuer Lack für alte Türen

Die vier Flügeltüren des Sitzungssaales der komplett unter Denkmalschutz stehenden Bürgerschaft werden diesen Sommer wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Das heißt: Der alte Lack muss ab.
28.07.2015, 07:47
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Neuer Lack für alte Türen
Von Anke Landwehr

Das ist jetzt ein heikler Moment: Manfred Hübner treibt mithilfe von Schraubenzieher und Hammer die Stifte aus den Scharnieren; Waldemar Gottscholl umarmt die Tür mit kräftigem Griff, während seine Kollegen sie links und rechts halten. Sie wiegt irgendwas zwischen 150 und 200 Kilogramm, hat Martin Brüns, Hausverwalter der Bürgerschaft, geschätzt.

„Kann hinkommen“, sagt Manfred Hübner. Der Tischler, Restaurator und Inhaber der „Bremer Werkstatt“ („Holzschätze in sicheren Händen“) hat die ehrenvolle Aufgabe, die vier Flügeltüren des Sitzungssaales der komplett unter Denkmalschutz stehenden Bürgerschaft in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Das heißt: Der alte Lack muss ab, Kratzer müssen ausgebessert und die Türblätter dann neu lackiert werden.

Danach, das ist schon mal klar, wird das Palisanderfurnier erheblich heller aussehen als nach der einige Jahre zurückliegenden letzten Auffrischung. Der damalige Restaurator hatte dem Patinierlack vermutlich dunkle Farbpartikel beigemischt. Das lässt sich an einer der offenbar meistgenutzten Türen erahnen. Dort, wo sie mit der Hand aufgestoßen wird, hat sich ein großer heller Fleck gebildet. Das ist dann wohl die Originalfarbe.

Die erste Tür ist aus den Angeln gehoben, und weil Experten am Werk sind, hat sie keinen der Männer unter sich begraben. Warum die Flügel so schwer sind – Brüns zuckt mit den Achseln. Vielleicht befindet sich zwischen den Platten der zehn Zentimeter dicken Türen ebenfalls zusammengeballter Filzstoff, wie man ihn vor acht Jahren hinter der aus Stäben bestehenden Wandverkleidung entdeckt hat. Und nicht nur das. „Da waren Kleidermotten drin“, berichtet der Hausverwalter.

Doch an die Filztheorie glauben die Männer von der Spedition nicht so recht. Einer wirft das Wort „Blei“ in die Diskussion. „Nee“, sagt ein anderer, „dann wären die noch schwerer.“ Restaurator Hübner lässt sich auf Spekulationen lieber nicht ein. Er kann nur sagen, dass es sich um eine „Gitterrahmenkonstruktion mit aufgesetzten Platten“ handelt, die mit „irgendwas“ gefüllt sei. „Was genau das ist, gibt die Tür von außen nicht preis.“

Egal. Jetzt müssen die Schwergewichte eine nach der anderen die Treppen runtergetragen und im Transporter verstaut werden, der mit geöffneten Heckklappen vor dem Haus der Bürgerschaft auf dem Markplatz steht. An jeder Ecke der 2,25 mal 1,04 Meter großen Türen packt ein Mann an, alle spannen die Muskeln und los geht’s. Kein Zuckerschlecken zwar für das Quartett, aber die Transporteure haben schon Schwereres geschleppt. Es sieht sogar aus, als sei es für sie ein Kinderspiel, so leichtfüßig schweben sie die Stufen hinunter.

Bald darauf befinden sich die Türen in der „Bremer Werkstatt“, die sie erst in gut vier Wochen wieder verlassen werden. Die alte Lackschicht auf dem Palisanderfurnier wird mit einem Lösungsmittel eingestrichen und vorsichtig mit einem Lappen aufgenommen. Bis es „herausgetrocknet“ ist, vergehen mehrere Tage. Erst dann kann die erste von drei Lackschichten aufgesprüht werden, und auch sie brauchen Zeit zum Aushärten. Zwischendurch müssen noch die Gebrauchsspuren in Form von Kratzern beseitigt werden.

Für Hübner ist das einer von vielen Aufträgen, die er bereits für Bremen erledigt hat. Am spektakulärsten war von 1988 bis 1991 die Restaurierung der Güldenkammer im Rathaus. Damals war Hübner noch Angestellter der Firma, die ihm inzwischen gehört und die auch für Privatkunden arbeitet. Er sagt, dass es im Bremer Rathaus kaum ein Stück Holz gibt, das er noch nicht berührt hat. Oft sind es durch Abnutzung entstandene Schäden, die zu beseitigen sind.

Martin Brüns überwacht den Abtransport der Türen, die unter Denkmalschutz stehen. Für den Hausverwalter ist im Augenblick an Urlaub nicht zu denken. In der parlamentarischen Sommerpause werden die Arbeiten erledigt, die den sonstigen Ablauf stören könnten. Die Wände im Besucheraufgang werden noch neu gestrichen und der Astir-Marmor im Eingangsbereich muss neu kristallisiert und blankgeschliffen werden. „Da sind Kratzer drin“, sagt Brüns. Irgendjemand hat Stühle ohne Gleiter darüber geschoben. Die Restaurierung der Türen kostet „ein paar tausend Euro“, sagt Peter Schulze als Sprecher von Immobilien Bremen, die diese Aufträge vergibt. Zur Marmorpolieraktion konnte er noch keine Zahlen nennen.

Ab Ende August wird sich dann auch Martin Brüns erholen – auf Usedom, seiner Lieblingsinsel. „Da werde ich vor allem viel Rad fahren.“

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