Innere Mission plant Unterstand Neuer Treff für Wohnungslose geplant

Am Bremer Hauptbahnhof soll ein neuer Szenetreff für hilfsbedürftige Menschen entstehen. Dafür setzt sich der Verein für Innere Mission ein.
02.04.2018, 17:34
Lesedauer: 3 Min
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Neuer Treff für Wohnungslose geplant
Von Kristin Hermann

Zwischen 100 und 150 Menschen treffen sich unregelmäßig an den Bus-und S-Bahn-Haltestellen am Bremer Hauptbahnhof. Einige von ihnen sind alkoholisiert, drogenabhängig oder wohnungslos. Seitdem der alte Skater-Platz auf dem Bahnhofsvorplatz der Großbaustelle gewichen ist, trifft sich die Szene in den Wartehäuschen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG).

Weil sich Passanten und Anlieger dadurch immer wieder gestört fühlen, will der Verein für Innere Mission am Hauptbahnhof nun einen neuen Treffpunkt für diese Menschen schaffen. Die Finanzierung dafür steht bisher allerdings nur zum Teil. Der Träger hofft deshalb auf Spenden und die Unterstützung der Stadt. Ein Platz für das Projekt ist bereits gefunden, sagt Bertold Reetz, der den Bereich Wohnungslosenhilfe beim Verein für Innere Mission leitet.

Die Verantwortlichen favorisieren den Abschnitt an der Fußgängerbrücke rechts neben dem Intercity Hotel. „Es muss ein Ort sein, von dem man weiterhin das Geschehen am Hauptbahnhof verfolgen kann. Das ist für diese Menschen ganz wichtig“, betont Reetz. Der Bahnhof sei als Treffpunkt besonders beliebt, weil man dort mitbekomme „was so los ist“ und ein Stück weit ein Teil der Gemeinschaft sei. „Außerdem hat man dort schnell den Zugang zu alkoholischen Getränken“, sagt Reetz.

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Die Fläche neben dem Intercity Hotel liegt nur einige Meter weit von den Wartehäuschen entfernt. Ein Teil davon ist bereits eingezäunt. Hier sollen im Sommer Treppenstufen entstehen, auf denen man sitzen und das Geschehen beobachten kann. Die Fußgängerbrücke soll als Überdachung dienen, sodass die Besucher vor allem auch vor Regen geschützt sind. Außerdem will die Innere Mission dort eine behindertengerechte Toilette bauen lassen und kostenlosen Kaffee ausschenken.

Die Betreuung in dem neuen Szenetreff soll laut Reetz ein Streetworker übernehmen, der dafür neu eingestellt wird. Die Stelle sowie ein Teil der Baukosten werden durch die Aktion Mensch finanziert – von dort hat die Innere Mission entsprechende Mittel für drei Jahre bewilligt bekommen. Angedockt ist der Treffpunkt an die Bahnhofsmission, die ebenfalls nur ein paar Meter weiter im Bahnhof sitzt. „Dort sollen Beratungsgespräche stattfinden, falls einer der Besucher Hilfe in Anspruch nehmen will“, sagt Reetz.

Behörde steht neuem Szenetreff wohlwollend gegenüber

Das Geld von der Aktion Mensch steht der Inneren Mission bereits seit Januar dieses Jahres zur Verfügung. Doch bevor die Bauarbeiten tatsächlich beginnen können, muss auch die restliche Finanzierung geklärt werden. Für die Bauarbeiten und die Errichtung der Toilette hat der zuständige Architekt laut Reetz etwa 164.000 Euro veranschlagt.

„Einen Großteil davon müssen wir mit Spenden und hoffentlich mit der Hilfe der Stadt finanzieren“, sagt Reetz. Erste Gespräche mit den zuständigen Behörden, dem Ortsamt, der Bremer Straßenbahn AG und dem Intercity Hotel habe es bereits in den vergangenen Monaten gegeben. „Eigentlich sind alle Beteiligten offen für das Projekt“, sagt Reetz.

Das bestätigt auch der Sprecher der Baubehörde, Jens Tittmann. Aktuell warte man die Ergebnisse des Planungsbüros ab und entscheide dann über den Bauantrag und eine Baugenehmigung. Generell stehe die Behörde dem neuen Szenetreff wohlwollend gegenüber und könne sich vorstellen, einige der benötigten Baumaßnahmen zu übernehmen, sagt Tittmann. Auch das Intercity Hotel befürwortet den neuen Szenetreff. Das Hotel hat immer wieder damit zu kämpfen, dass Passanten an die vordere Fensterfront urinieren.

Streetworker bis Juli

„Wobei das schon besser geworden ist. Allerdings haben wir jede Woche noch Ausreißer dabei“, sagt Hotelmanager Oliver Steding. Der anvisierte Platz neben dem Gebäude könne die Lage weiter entspannen. „Das kann eine gute Möglichkeit sein, gerade wenn es eine professionelle Betreuung gibt. Allerdings sollte es optisch zum Hotel passen“, so Steding weiter. Die Innere Mission hofft, bis Juli den Streetworker einstellen zu können. Er soll schon vor der Öffnung Werbung bei potenziellen Besuchern dafür machen.

Bis zum Spätsommer will die Innere Mission dann den eigentlichen Treffpunkt eröffnen. "Die Zeit drängt. Wenn die beiden Gebäude auf dem Vorplatz erst einmal fertig sind, wird es an den Haltestellen noch voller werden", sagt Reetz. Zu Beginn soll der Treff nur so lange geöffnet sein, wie auch der Streetworker da ist. „Wenn das Angebot gut angenommen wird, kann man darüber nachdenken, die Zeiten mit der Hilfe von Freiwilligen zu erweitern“, hofft Reetz. Der Leiter der Wohnungslosenhilfe erhofft sich auch eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei. "Wir wollen nicht, dass dort ein illegaler Drogenumschlagplatz entsteht und begrüßen es, wenn die Polizei regelmäßig kontrolliert."

Laut der Inneren Mission ist der Szenetreff vor dem Hauptbahnhof nur einer der Brennpunkte in Bremen, an denen sich die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und Armut ablesen lassen. Schätzungen zufolge leben in Bremen derzeit zwischen 500 und 600 Obdachlose. Neben verschiedenen Angeboten wie dem Café Papagei oder der Bahnhofsmission gibt es in Bremen bereits zwei Szenetreffs: einen in Bremen-Nord, den anderen in Gröpelingen. Auch dort arbeiten Streetworker, die unter anderem von der Bremischen Evangelischen Kirche finanziert werden.

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