Neuer Eigentümer ist OHB-Chef Norddeutsche Landesbank verkauft Landhaus am Rüten

Es ist ein geschichtsträchtiges Haus in Bremen, das nun einem neuen Eigentümer gehört. Die NordLB hat das Landhaus am Rüten an den Bremer Unternehmer Marco Fuchs verkauft.
21.02.2020, 20:18
Lesedauer: 3 Min
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Norddeutsche Landesbank verkauft Landhaus am Rüten
Von Jürgen Hinrichs

Dieses Haus hat viel gesehen. Große Feste, kleine Abendgesellschaften, Vorträge, Kunst und Kultur. Es hat Familien erlebt, Herrschaften, die etwas zu sagen hatten in Bremen. Ein Haus voller Freuden und Dramen, voller Geschichten, die nicht alle wahr sein müssen, die aber wahr sein können.

Es ist das Landhaus am Rüten, ein Kleinod auf der Grenze zwischen Horn-Lehe und Oberneuland. Zuletzt gehörte die Immobilie der Norddeutschen Landesbank (NordLB), die es vor gut drei Jahren von der aufgelösten Bremer Landesbank (BLB) übernommen hatte. Nun ist auch dieses Kapitel vorüber. Die NordLB hat das Anwesen mit Herrenhaus, Tenne und Orangerie an einen Privatmann verkauft. Neuer Eigentümer ist Marco Fuchs, Chef des Raumfahrtunternehmens OHB.

Verkauf aus wirtschaftlichen Gründen

Die NordLB hat wirtschaftliche Gründe, sich von der Immobilie und dem parkähnlichen Grundstück zu trennen. „Erwartungen an Rendite konnte das Landhaus schwerlich erfüllen“, sagt Christian Veit von der NordLB, der das Geschäft abgewickelt hat. Veit ist Regionalvorstand seiner Bank für die Standorte in Bremen und Oldenburg. Eine kommerzielle Nutzung des Anwesens sei schwer darstellbar gewesen, erklärt er. In besten Zeiten sei es an 50 Tagen im Jahr genutzt worden, häufiger nicht. Darum der Verkauf. „Wir haben für Bremen eine sehr gute Lösung gefunden“, freut sich der Vorstand. Über den Kaufpreis schweigt er.

Marco Fuchs betont, dass er das Landhaus privat erworben habe. Sein Unternehmen OHB sei nicht involviert. Wohl aber werde es in die Nutzung einbezogen. Auch die NordLB solle weiterhin Zugang bekommen. „Ich wollte sicherstellen, dass alles so bleibt, wie es ist“, sagt Fuchs. Ein Gästehaus, das mit seinem vornehmen Stil und der langen Historie den idealen Rahmen abgibt, wenn Kunden eingeladen werden oder Feiern anstehen. Die NordLB hatte dort zu verschiedenen Themen auch Fachforen veranstaltet.

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Am 10. Juni 2016 war das Landhaus Schauplatz eines Treffens von Politikern und anderen Aufsichtsräten, bei dem das Ende der BLB besiegelt wurde. Die Bank hatte sich mit Schiffsfinanzierungen verhoben und kam an dem Tag unter die Fittiche der Muttergesellschaft NordLB, wenngleich es mit dem Vollzug noch einige Monate dauern sollte. Ein Drama auf offener Bühne, weil die Medien vorm Haus standen.

Fuchs lässt die jüngere Vergangenheit beiseite und benennt das Anwesen um. Es soll wieder heißen wie früher: Gut Landruhe. Die Bezeichnung stammt von Konsul Carl Philipp Cassel, einem Schiffskapitän, Kaufmann und Reeder. Er kaufte das Grundstück im Jahr 1795, riss das Fachwerkgebäude ab, mit dem es bebaut war, und errichtete das Herrenhaus. Seit 1973 gilt für das gesamte Ensemble Denkmalschutz.

Cassel legte auch den Park drumherum an. Der größte Teil davon ist heute öffentlich zugänglich. Der Name Menke Park rührt vom letzten Eigentümer, bevor die Bremer Landesbank auf den Plan trat. Lange wurde deshalb im Zusammenhang mit dem Herrenhaus auch von der Menke-Villa gesprochen.

Die Geliebte Cassels aus Stein

Eine der Geschichten, die sich um das Gut ranken, macht sich an der Skulptur fest, die auf dem Grundstück steht. Bei der Frau, die in Stein gemeißelt wurde, soll es sich um die Geliebte Cassels handeln. Angeblich eine Schauspielerin am Bremer Theater. Sie liegt in souveräner Pose auf einem verzierten Podest.

Eine andere Geschichte handelt von Brigitte Bardot. Die Menkes sollen mit ihr bekannt gewesen sein. Sie besaßen neben dem Gut in Bremen ein Sommerhaus an der Côte d’Azur, so jedenfalls hat es ein früherer BLB-Vorstand erzählt. Bei den Menkes habe sich die Schauspielerin gerne aufgehalten und am liebsten in einem Liegestuhl gesessen, der später im Bremer Landhaus auf dem Dachboden gelandet ist und dort möglicherweise immer noch steht.

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Andere Hinterlassenschaften sind der Familie Kulenkampff zu verdanken, der das Gut gehörte, bevor die Menkes kamen. Es sind die Spuren eines Worpsweders. Heinrich Vogeler soll im Herrenhaus zum Beispiel die weißen Kachelöfen gestaltet haben, auch das Speisezimmer und die Veranda am Kaminzimmer. Der Künstler war dem Kaufmann zu Diensten.

Marco Fuchs hat also viel zu erzählen und zu zeigen, wenn er seine Gäste durch das Haus führt. Allein der Eingang mit seiner breiten Diele und dem Terrazzoboden. Die auf Hochglanz polierten Schränke in dunklem Holz. Die Landschaftsgemälde an den Wänden. Die orientalischen Teppiche auf den alten Holzdielen. Die großen Fenster mit Blick auf hohe Bäume, Rhododendren und Hortensien.

Eindrücke wie aus alten Filmen, und tatsächlich ist auf dem Gut mal gedreht worden, Szenen für „Sommer in Lesmona“. Noch so eine Geschichte. Ein romantischer Stoff mit Liebe und Leid. Das passt zu einem Haus dieser Statur, auch wenn es fortan wieder Gut Landruhe heißt.

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