Aktualisiert: Mit Kommentar Nordwestbahn bleibt S-Bahn-Betreiber im Großraum Bremen

Bremen und Niedersachsen verlängern ihren Vertrag mit der Nordwestbahn für den Betrieb des Regio-S-Bahn-Netzes im Großraum Bremen. Das Unternehmen kündigt im Gegenzug Verbesserungen bei den Verbindungen an.
27.03.2019, 11:40
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Nordwestbahn bleibt S-Bahn-Betreiber im Großraum Bremen
Von Jürgen Theiner

Die Nordwestbahn (NWB) bleibt langfristig Betreiberin des Regio-S-Bahn-Netzes im Großraum Bremen. In einer europaweiten Ausschreibung hat sich das Osnabrücker Unternehmen gegen die Deutsche Bahn AG durchgesetzt, die nun zehn Tage Zeit hat, Einspruch gegen das Ergebnis zu erheben. Sofern es wirksam wird, werden die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) Niedersachsen und die Bremer Verkehrsbehörde einen neuen Verkehrsvertrag mit der NWB abschließen, der eine Laufzeit von 2022 bis 2036 haben wird und diverse Verbesserungen für die Bahnkunden mit sich bringen soll. Der alte Vertrag läuft 2021 aus.

Zu den geplanten Neuerungen zählt ein 30-Minuten-Takt in den Stoßzeiten zwischen Bremen und Oldenburg sowie Bremen und Bremerhaven, von dem insbesondere Pendler profitieren sollen. Die Änderungen werden mit Inkraftreten des neuen Vertrages im Dezember 2022 greifen. Vorziehen lassen sie sich nicht, sagte NWB-Sprecher Steffen Högemann auf Anfrage des WESER-KURIER. „So etwas hat einen langen Vorlauf, der unter anderem die Beschaffung neuer Fahrzeuge und die Ausbildung und Einstellung zusätzlichen Personals umfasst“, so Högemann.

Bundesweit zu wenig Lokführer

Gegenwärtig verkehren im Regio-S-Bahn-Netz 35 Züge, 2022 sollen es dann 51 sein. Mit dem neuen Verkehrsvertrag wächst das Fahrtenvolumen der NWB auf jährlich rund 6,25 Millionen Zugkilometer. Das Angebot wird dann auch eine neue Verbindung nach Wilhelmshaven und einen Expresszug zwischen Bad Zwischenahn und Bremen umfassen.

Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) begrüßt die mit dem Zuschlag an die Nordwestbahn verbundenen Verbesserungen und Taktverdichtungen im Nahverkehr rund um Bremen. Damit werde „der Umstieg vom Auto auf die Bahn noch attraktiver“. Und weiter: „Damit zukünftig auch Qualität und Service stimmen, haben die Aufgabenträger im neuen Verkehrsvertrag strenge Vorgaben für einen ausreichenden Bestand an Personal und Fahrzeugen gemacht.“

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Lohse spricht damit ein Problem an, mit dem viele deutsche Bahnunternehmen zu kämpfen haben. Bundesweit gibt es zu wenige Lokführer, was immer wieder zu Zugausfällen führt. Eine sarkastische Note ist nicht zu überhören, wenn Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, diesen Missstand mit Blick auf die NWB beklagt: „Wenn sie fährt, fährt sie pünktlich.“ Auch das Osnabrücker Unternehmen habe in der Vergangenheit nicht genügend für die Nachwuchsgewinnung getan, weshalb die Personaldecke zu kurz sei.

Ansonsten ist man bei Pro Bahn mit der Nordwestbahn aber „durchaus zufrieden“, sagt Naumann. In Schulnoten ausgedrückt, würde er dem Nahverkehrsunternehmen „eine Zwei bis Drei“ geben. Naumann befürwortet die angekündigten zusätzlichen Leistungen ab 2022. Außerdem regt er an, dass Bremen und Niedersachsen gemeinsam mit der NWB eine Integration der Bahnstrecke von Bremen nach Worpswede ins S-Bahn-Netz prüfen. Der reguläre Personenverkehr wurde auf dieser Strecke schon vor 40 Jahren eingestellt, heute verkehren dort zwischen Mai und Anfang Oktober Touristik-Züge als „Moorexpress“. Aus Sicht des Pro-Bahn-Funktionärs würde diese Strecke aber mehr hergeben.

"Wir sind schon enttäuscht"

Für die Deutsche Bahn AG ist die Niederlage im Bieterwettbewerb ein erneuter Rückschlag. Nach Darstellung der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen lagen „die Angebote der Unternehmen sehr nahe beieinander, die NWB hatte am Ende mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis die Nase vorn“, so LNVG-Chefin Carmen Schwabl. Für die DB AG ist das ein schwacher Trost. Sie war schon 2008 unterlegen, als Bremen und Niedersachsen das Regio-S-Bahn-Netz aufgebaut und einen Betreiber gesucht hatten. Überhaupt war die DB in den vergangenen Jahren regelmäßig zweiter Sieger, wenn deutsche Metropolräume den Betrieb schienengebundener Nahverkehrsnetze ausschrieben. In der Regel kamen kleinere private Anbieter wie die Nordwestbahn zum Zuge.

Ob die Deutsche Bahn Rechtsmittel gegen den Zuschlag an die Konkurrenz einlegen wird, lässt Sprecher Egbert Meyer-Lovis offen. „Wir sind schon enttäuscht, denn wir hatten ein gutes Angebot abgegeben“, so Meyer-Lovis. Fachleute des Konzerns würden den Bescheid in den nächsten Tagen bewerten.

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