Restaurantbesprechung

Pades in Verden: Eine erholsame Oase mit feinster Küche

Über dem Pades leuchtete bis vor einigen Jahren zurecht ein Stern. Hier erhält der Gast Kochkunst in einem idyllischen Garten. Dieser Ausflug nach Verden lohnt sich absolut.
04.07.2018, 20:01
Lesedauer: 3 Min
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Pades in Verden: Eine erholsame Oase mit feinster Küche
Von Marcel Auermann

Die Sonne schien noch goldgelb in den satt grünen Baumwipfeln, als wir durch das alte, schön geschwungene Tor in den Garten traten, der von einer Mauer umgeben ist und ihn nach draußen abschirmt. Wir standen in einem gepflasterten Rund, dem die Bäume Schatten spendeten. Aus großen Kübeln wuchsen üppige Pflanzen. Es zwitscherten die Vögel. Das Gemurmel der Gäste war nicht unangenehm, sondern bildete einen leisen, wolkigen Teppich.

Wir nahmen Platz an einem robusten Holztisch und auf schweren Holzstühlen. Zu blumig beschrieben? Zu idyllisch? Nein, wir fühlten uns wie im Kurzurlaub in der Toskana oder der Provence. Eine kleine, schöne, ruhige, erholsame Welt für sich. Dabei fuhren wir nur eine knappe halbe Stunde mit dem Auto und landeten im Hof von Pades.

Es muss an dieser ausgelassenen Stimmung gelegen haben, weshalb wir uns zu einer Flasche Weißwein (22 Euro) hinreißen ließen. Oder an den Heimatgefühlen, weil wir einen Rebensaft vom Gut Neipperg in der Nähe von Heilbronn auf der Karte entdeckten. Ein Haus, von dem man fast alle Tropfen empfehlen kann. So auch dieser spritzig-leichte und fruchtige Wein, der alle Gerichte des Abends gut begleitete, ohne je ins Hintertreffen zu gelangen.

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Zu diesem Sommergefühl passte unsere Wahl der Speisen. Meine Begleitung startete mit einer luftigen und moussigen Terrine vom Asendorfer Bio-Ziegenfrischkäse mit Paprika und Rucolasalat (15,50 Euro). In einem kleinen Schälchen daneben lag allerdings der Clou: Eine Oliveneiscreme, die wir zusammen aßen und unsere Geschmacksknospen herrlich anregte. Was für eine gewagte, aber gelungene Kombination.

Ich holte mir ein bisschen Spanien ins niedersächsische Gärtchen. Die Gazpacho hatte es mir angetan. Aber nur eine Gazpacho aus aromatischen Tomaten, das wäre fürs Pades wohl zu einfach. Zu gewöhnlich. Zu normal. Also handelte es sich um eine Gazpacho vom Kopfsalat, der richtig satt zum Vorschein kam. Damit lag die Vorspeise weit vom ursprünglichen kalten, spanischen Süppchen entfernt.

Diese ganz eigene Interpretation fand ihre Perfektion mit dem, was im tiefen und für 11,50 Euro gut gefüllten Teller lag: eine Wildgarnele, Serranoschinkenstreifen und Brandy. Bei der Hauptspeise kabbelte ich mich beinahe mit meiner Begleitung. Wir beide wollten den marinierten Thunfisch mit eingelegten Gurken und schwarzem Rettich (22 Euro).

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Denn Thunfisch in 1a-Qualität, der auch noch einwandfrei angerichtet und zubereitet wurde, gibt es viel zu selten. Im Pades traf alles zu. Die Portion hätte gar nicht groß genug sein können. Denn – natürlich – hab’ ich mir den einen und anderen Bissen von diesem butterweichen Fischfleisch genehmigt. Dazu reichte die Küche einen sanft gewürzten und noch lauwarmen Couscoussalat, neben dem sich kleine Krönchen einer genialen Thunfisch-Kokoscreme auftürmten.

Nicht nur meine Begleitung war hin und weg. Nichtsdestotrotz zeigte ich mich mit meinem gegrillten Steak vom Ibericoschwein (26 Euro) überaus glücklich. Das Fleisch war mit einer feinen Fettschicht durchzogen, das sich als wunderbarer Geschmacksträger erwies. Die Kruste aus Wiener Butter gab dem Ganzen den letzten Pfiff, wobei ich mir das Fleisch am Rand etwas weniger kross und weniger trocken gewünscht hätte.

Das hätte die feine Konsistenz, die es im Innern durchaus hatte, noch mehr zur Geltung gebracht. Die Beilage überraschte mich – wohlgemerkt positiv. Der Manchego-Reis mit Olive, Aprikose, Kapern, Röstzwiebeln und Serranoschinken vereinte viele Geschmäcker, die erst einmal unvereinbar erschienen. Doch alles harmonierte grandios und führte zu ungeahnten Erlebnissen von süß über salzig zu würzig.

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Schön während der Hauptspeise sahen wir an anderen Tischen die Kellner mit den Desserts umherflitzen. Fast alle trugen das Gleiche an die Tische. Es handelte sich um Spaghettieis, und wir fragten uns schon, was daran so toll sein soll, dass in einem Restaurant dieser Kategorie bei fast allen die Wahl darauf fiel. Aber es waren Himbeersorbet, pochierter Pfirsich, Vanilleeis, Pistaziensoße und geröstete Mandeln getarnt als Spaghettieis (8,50 Euro).

Gerne hätten wir davon probiert. Leider war diese süße Versuchung aus, als wir zur Bestellung schreiten wollten. Stattdessen nahmen wir das einzige weitere Dessert auf der Karte: Ein Ricottaparfait (8,50 Euro), an dessen Seite ein eher geschmackloses Erdbeer-, dafür aber ein umso kräftigeres und schaumiges Topfenmousse mit süß marinierten Erdbeeren, Mispeln und Pistaziensoße lag.

Fazit: Über dem Pades leuchtete bis vor einigen Jahren zu Recht ein Stern. Hier erhält der Gast Kochkunst in einem idyllischen Garten. Dieser Ausflug nach Verden lohnt sich absolut.


Pades, Grüne Straße 15, 27283 Verden, Telefon: 0 42 31 / 30 60, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 18 bis 22 Uhr und Sonntag von 18 bis 21 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.pades.de

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