Restaurantbesprechung

Wo sich der Gast willkommen fühlt

Beachtet man die fairen Preise, dann liefert das Geerdes am Sendesaal gute Küche, die man sich durchaus öfter gönnen kann.
20.06.2018, 19:33
Lesedauer: 3 Min
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Wo sich der Gast willkommen fühlt
Von Marcel Auermann

Am meisten verdutzten uns die Öffnungszeiten. Ein Restaurant, das selbst am Wochenende nur bis 21 beziehungsweise 21.30 Uhr geöffnet hat, da muss sich der Gast sputen und darf nicht nach südländischer Manier erst spät am Abend zum Essen aufbrechen. Aber an diesem Punkt zeigte sich sehr schnell, dass das Servicepersonal keine gespielte Freundlichkeit an den Tag legte, sondern die Kellnerin jedes nette Wort und jede liebe Geste auch so meinte.

Wir aßen erst kurz vor 21.30 Uhr den Nachtisch. Wir tranken erst nach 21.30 Uhr den letzten Schluck des herrlich parfümierten, fruchtigen und gut gekühlten grauen Burgunders (0,5 Liter für 11,50 Euro) vom Weingut Rieger aus Baden. Und wir verließen das Geerdes am Sendesaal erst kurz vor 22 Uhr.

Dennoch kam nicht nach und nach eine sich steigernde Hektik auf, die darin mündete, dass das Personal eine ungemütliche Stimmung verbreitete, die zum Gehen aufforderte. Nein, bis zur letzten Minute waren wir willkommene Gäste. Ja, die Kellnerin geriet sogar in Plauderlaune. Es machte also rein gar nichts, dass wir die Öffnungszeiten etwas überzogen, was in der Natur der Sache lag, weil wir drei Gänge aßen.

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Das Geerdes machte Eindruck. Wer sich den grauen Würfelanbau am Sendesaal, dazu den gelben Schriftzug und die Inneneinrichtung mit Mut zur Farbe anschaut, der könnte wirklich mehr vermuten als ein gutes Restaurant mit unglaublich annehmbaren Preisen. Selbst die Hauptgerichte kosten nicht mehr als 19,50 Euro. Hier geht der Daumen beim Preis-Leistungs-Verhältnis nach oben. Es handelt sich um ein Restaurant, das man sich auch mal zwischendurch gönnen kann.

Meine Begleitung startete mit einer Zucchinischaumsuppe mit Safran, Crème fraîche, confierter Garnele und gerösteten Kürbissen (7,50 Euro). Die viereckige Schale mit der Suppe, die noch einen Tick würziger und vor allem bei dem Namen schaumiger hätte sein dürfen, kam auf einer langen Platte, auf der zwei Spieße mit Garnelen lagen. Optisch opulent kam auch meine Vorspeise des Drei-Gänge-Menüs (32 Euro) an.

Die Gazpacho stand auf einer langen, rechteckigen Porzellanplatte, auf der neben dem Glas noch ein Schälchen Pesto lagerte, das ich zum Dippen fürs knackige Baguette nutzte, weil die spanische kalte Gemüsesuppe eher nicht mit Pesto gegessen wird. Die Gazpacho selbst fand ich toll, auch wenn die Tomaten dominierten und das andere Gemüse kaum zur Geltung kam. Aber dennoch ein guter Einstieg an einem warmen Sonnabendabend.

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Es ist Matjeszeit. Das nahm sich meine Begleitung zu Herzen und bekam eine monströse Portion an Fisch, Bratkartoffeln und einem Salatbett (14,40 Euro). Dazu reichte die Küche Apfelspalten und eine Quark-Sahnecreme, die man selten so schmackhaft und luftig-frisch erhält. Die machte den Matjes erst vollends rund. Mal davon abgesehen, dass die Bratkartoffeln auch die Geschmacksknospen kitzelten.

Das Menü sah entweder Kalbsmedaillons mit Salbeikruste oder gebratenes Filet vom Nordsee-Steinbutt vor. Ich entschied mich für Fisch, der durchaus im Innern noch glasiger hätte sein dürfen, aber einen satten Kräutergeschmack besaß. Das Safranrisotto aus Arborio-Reis machte farblich natürlich richtig was her, geschmacklich hätte es noch etwas mehr Würze sein dürfen.

Daneben lagen kleine Flusskrebse, über die der Koch eine Weißweinschaumsoße träufelte, die noch ein Weilchen länger hätte reduzieren müssen, weil sie zu flüssig war, deshalb davonschwamm und sich über den Teller verteilte. Das Einkochen hätte ihr zudem noch mehr Aroma verliehen. Die Zeit wäre da gewesen, weil das Geerdes eine arg übersichtliche Karte mit einer Handvoll Hauptgerichten führt und so sich eigentlich jeder einzelnen Komponente auf dem Teller intensiver widmen könnte.

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Die belgischen Waffeln (sechs Euro) meiner Begleitung waren grandios. Leider lagen nur drei Stück auf dem Teller, sodass ich mich zusammenreißen musste, nicht mehr als einmal meine Kuchengabel auf den anderen Teller wandern zu lassen. Das Vanilleeis passte bestens dazu. Und auch das in den Restaurants inzwischen schon obligatorische Weck-Glas kam wieder zum Einsatz. Auf der viereckigen Platte stand es, gefüllt mit Grütze.

Mein Menü schloss mit einem hausgemachten Orangenparfait, das ein tolles Fruchtaroma versprühte. Dazu gab es Erdbeeren, die mit Rhabarber-Likör mariniert gewesen sein sollen. Doch hätte ich es nicht gelesen, hätte ich es nicht bemerkt. Die Panna Cotta, natürlich auch im Weck-Glas präsentiert, schmeckte mir zu wenig sahnig. Fazit: Beachtet man die fairen Preise, dann liefert das Geerdes gute Küche, die man sich durchaus öfter gönnen kann. Und legen die Experten hinterm Herd noch eine Schippe drauf, lässt sich das Niveau ziemlich leicht steigern.

Geerdes am Sendesaal, Bürgermeister-Spitta-Allee 47, 28329 Bremen, Telefon: 336 30 31 01, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 12 bis 21 Uhr, Sonnabend von 14 bis 21.30 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr, barrierefrei, Internet: www.geerdesamsendesaal.de.

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