Erste Mini-Rakete soll 2023 offshore starten

Pläne für "Weltraumbahnhof" in der Nordsee kommen voran

Von Bremerhaven ins Weltall - bereits 2023 könnte die erste Mini-Rakete von einer Plattform in der Nordsee aus starten. Die Pläne für den Offshore-"Weltraumbahnhof" sind ein Stück vorangekommen.
06.09.2021, 16:13
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa
Pläne für "Weltraumbahnhof" in der Nordsee kommen voran

Die Illustration zeigt, wie der Start einer Mini-Rakete von einer Plattform auf einem Schiff in der Nordsee aussehen könnte.

German Offshore Spaceport Alliance GmbH (GOSA)

Die Pläne für einen deutschen "Weltraumbahnhof" in der Nordsee sind ein Stück weit vorangekommen. Vier europäische Raketenhersteller unterzeichneten in Berlin Absichtserklärungen für die Zusammenarbeit mit der German Offshore Spaceport Alliance (GOSA), zu der Firmen wie das Raumfahrt- und Technologieunternehmen OHB gehören. Ziel der Allianz ist es, im Jahr 2023 den ersten Start eines „Microlaunchers“, so werden die Mini-Raketen genannt, aus der Nordsee zu realisieren. Heimathafen solle Bremerhaven sein.

Der nächste Schritt ist nun eine Machbarkeitsstudie, die zur Hälfte von der Bundesregierung finanziert wird. Geklärt sollen rechtliche und regulatorische Fragen einer Startplattform.

Den geplanten deutschen „Weltraumbahnhof“ muss man sich nicht vorstellen wie Cape Canaveral in den USA oder Baikonur in Kasachstan. Stattdessen ist eine schwimmende Startplattform in der Nordsee geplant: Von einem Spezialschiff mit Startrampe soll es möglichst bald abgehen ins All - für kleine Trägerraketen, die kleine Satelliten von der Größe eines Schuhkartons transportieren. Die sind Bestandteil des neuen, milliardenschweren „New Space“-Marktes. „New Space“ bezeichnet die zunehmende Kommerzialisierung der Raumfahrt. Denn Daten werden immer wichtiger.

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Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, sagte, vor allem Start-ups und mittelständische Unternehmen würden von einem vereinfachten und flexiblen Zugang ins All profitieren. „New Space“ sei ein Schlüssel für neue Technologien und datenbasierte Geschäftsmodelle wie das autonome Fahren in großen Flotten - dazu braucht man präziseste Daten.

Die Unterzeichnung der Absichtserklärungen sei ein „echter Meilenstein“, sagte Russwurm. Deutschland habe jetzt die einmalige Chance, eine eigene „New Space“-Kette aufzubauen - Microlauncher, Trägerraketen und eine Startplattform. Microlauncher könnten die große europäische Trägerrakete Ariane ergänzen. In Deutschland gibt es mehrere Start-up-Firmen, die kleine Raketen entwickeln.

Vor zwei Jahren hatte der BDI einen „Weltraumkongress“ organisiert und ein Konzept für einen deutschen „Weltraumbahnhof“ vorgestellt. Nach Darstellung der Allianz GOSA werden bis zum Jahr 2028 viermal mehr Satelliten ins All gebracht werden als in den vergangenen zehn Jahren - 86 Prozent davon würden aus dem Klein- und Kleinstsatellitensegment kommen. Ganze Wirtschaftszweige hingen von satellitenbasierten Navigationsanwendungen oder der Satellitenkommunikation ab. Der „Spaceport“ solle die Weiterentwicklung vieler wirtschaftsnaher Raumfahrtanwendungen begünstigen.

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigte eine „New-Space-Kleinsatelliten-Initiative“ an. Damit solle die deutsche Raumfahrtindustrie gezielt gestärkt und Spitzentechnologie in die Anwendung gebracht werden. Kleinsatelliten gehöre die Zukunft, sagte der Minister in Berlin. Ziel: von der Phase des Experimentierens in die Phase des Realisierens kommen.

Der Weltraum sei ein „dynamischer Wachstumsmarkt“, sagte Altmaier. Durch Kleinsatelliten könnten zum Beispiel Daten zum Klima- und Umweltschutz sowie zum Katastrophenschutz gewonnen werden - der Staat könne daher „Ankerkunde“ einer Startplattform werden.

Der Vorteil der Kleinsatelliten: Sie bewegen sich in einer vergleichsweise geringen Entfernung zur Erde - und ermöglichten deswegen äußerst schnelle Kommunikationsverbindungen, zum Beispiel für den Internetzugang in entlegenen Gebieten, wie die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Analyse schrieb. Angesichts der Konkurrenz etwa aus den USA müsse Europa bei Microlaunchern schnell handeln, um noch mitmischen zu können.

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