Umfrage

Jugendliche aus Bremen und Niedersachsen über die Wahl

Junge Menschen verlieren laut Umfragen das Vertrauen in die Politik. Anlässlich der Bundestagswahl sprechen fünf Jugendliche aus Bremen und Niedersachsen über Ängste, Parteien und Hoffnungen für die Zukunft.
25.09.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Jugendliche aus Bremen und Niedersachsen über die Wahl
Von Antonia Blome

Alexander Fritsch aus Bremen, 21 Jahre, Student

Meiner Meinung nach hat Politik so viel ungenutztes Potenzial. Wenn Diskussionen nicht so unsachlich geführt werden würden, könnte es auch positive Veränderungen geben. Außerdem sollten unabhängige Kontrollsysteme etabliert werden, die einen Missbrauch von Ämtern in Regierungen und anderen staatlichen Instituten verhindern und eingrenzen. Durch faktenbasierte und gleichberechtigte Diskussionen könnten wir künftig auf einen Kurs kommen, der weniger von kapitalistischen Interessen und mehr von wissenschaftlichen Erkenntnissen gesteuert ist. Ich hoffe, dass diese Wahl uns in diese Richtung bringen wird.

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Zwar entspricht keine der Parteien vollends meiner politischen Ansicht, aber das sollte ja auch gar nicht der Punkt für eine Wahl sein. Es geht für mich darum, den bestmöglichen Kompromiss zu finden. Ich blicke optimistisch in meine Zukunft und tue alles, was in meiner Macht steht, um der Welt eine gute Perspektive zu geben.

Pauline Westphal aus Verden, 19 Jahre, Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin

Mit der Flüchtlingskrise begann mein Vertrauen in die Politik zu bröckeln. Da hatte ich das Gefühl, dass die Regierung meine Interessen nicht unterstützt und ohne klare Linie handelt. Es hat mich außerdem enttäuscht, dass starke Bewegungen wie Fridays for Future von der Regierung ignoriert wurden. Auch in den Bereichen LGBTQ-Rechte und Feminismus ist viel zu wenig geschehen. Ich fühle mich zwar von der FDP vertreten, ich kann aber nachvollziehen, dass es vielen anders geht.

Ich finde das Wachstum der AfD besorgniserregend und ich habe Angst vor der politischen Situation in 50 Jahren. Außerdem habe ich nicht das Gefühl, dass im Alter gut für mich gesorgt sein wird. Ich finde nicht, dass die derzeitige Regierung junge Menschen ernst genug nimmt. Das fängt schon beim Wahlalter ab 18 Jahren an. Ich bin der Meinung, dass man dieses auf 16 Jahre herabsetzen könnte, um den jungen Menschen eine Stimme zu geben.

Leonard Bertram aus Bremen, 17 Jahre, Schüler

Es gibt Parteien wie die Grünen oder die Linke, mit denen ich mich identifizieren kann. Die SPD hat viel Potenzial und wir könnten sie gerade nach der Pandemie gebrauchen, jedoch enthalten sich die Mitglieder zu häufig und haben viele innere Konflikte. Sozialdemokraten regieren außerdem seit Jahrzehnten in Bremen und tun immer noch nicht genug dafür, den ÖPNV günstiger zu machen. In die Union hatte ich aufgrund einiger schlechter Entscheidungen noch nie richtiges Vertrauen.

Wenn ich an meine Zukunft denke, sehe ich verschiedene Möglichkeiten. Die Grünen könnten an Macht gewinnen und beispielsweise die höhere CO2-Bepreisung durchsetzen. Bei diesem Thema sind sie die einzige Partei mit einem Konzept, das keine starken Nachteile für die Gesellschaft mit sich bringt. Mit ihnen sehe ich eine Chance für die Zukunft. Die Union ignoriert die Interessen junger Menschen dagegen und setzt sich nur alibimäßig für Klimaschutz ein.

Yannis Meyer aus Dörverden, 21 Jahre, Student

Mein Vertrauen in das politische Wesen und die Demokratie an sich ist nicht erschüttert, sondern eher in Politiker und Parteien. Gerade Vorfälle wie die Maskenaffäre lassen einen an den zuständigen Autoritäten zweifeln. Ich wäge derzeit ab, welche Partei noch am vertrauenswürdigsten ist, und bei welcher ich am wenigsten Angst habe.

Ich fand insbesondere die vergangenen zwei Jahre politisch gesehen schlimm. Gerade der Klimawandel und die Zukunft der Umwelt machen mir große Sorgen. Unsere Aufgabe ist es, den Schaden für die kommenden Generationen zu minimieren. Dafür muss die Politik aber in eine nachhaltigere E-Mobilität und erneuerbare Energien investieren. Die Fridays-for-Future-Bewegung hat zwar Veränderungen mit sich gebracht, aber die Politik scheint davon nicht nachhaltig beeindruckt worden zu sein. Damit die Regierung ihre Lehren aus solchen Protesten zieht, bräuchten wir einen Generationenwechsel in der Politik.

Nathalie Pawliczak aus Bremen, 23 Jahre, Studentin

Es gibt derzeit keine Partei, die ich voll unterstütze. Die meisten großen Parteien priorisieren wirtschaftliche Ziele und vernachlässigen Sozial- und Klimapolitik. Die Corona- und Klimakrise haben mir in den vergangenen Jahren außerdem gezeigt, dass unsere Politikerinnen und Politiker nicht dazu in der Lage sind, mit solchen Problemen umzugehen, geschweige denn, sie zu lösen.

Während der Pandemie wird die junge Generation vernachlässigt. Wir mussten auf vieles verzichten, wurden finanziell kaum unterstützt und sind die letzten, die geimpft werden. Das scheiternde Homeschooling hat außerdem nur noch deutlicher gemacht, wie schlecht Deutschland in der Digitalisierung aufgestellt ist. Aufgrund des Klimawandels mache ich mir Sorgen um meine Zukunft und die meiner späteren Kinder. Das Thema Klimaschutz wurde zwar auf die politische Agenda gesetzt, die festgelegten Regelungen und Gesetze sind jedoch kaum ernst zu nehmen.

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