SPD-Politiker favorisieren Martin Schulz Der nächste Kanzlerkandidaten-Kandidat

In der SPD soll Anfang kommenden Jahres die Kanzlerkandidatenfrage entschieden werden. Zur Zeit sind neben dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel zwei weitere Spitzenpolitiker im Gepräch.
08.10.2016, 00:00
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Von Thomas Kröter

In der SPD soll Anfang kommenden Jahres die Kanzlerkandidatenfrage entschieden werden. Zur Zeit sind neben dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel zwei weitere Spitzenpolitiker im Gepräch.

Eine gute halbe Stunde darf Sigmar Gabriel ausschließlich Wirtschaftsminister sein. Dann holt ihn auch bei der Vorstellung der regierungsamtlichen „Herbstprojektion 2016“ sein Nebenjob als SPD-Vorsitzender ein. „Martin Schulz könnte SPD-Kanzlerkandidat werden“, hat „Spiegel-Online“ kurz vor Beginn der Veranstaltung behauptet.

„Über alle Flügel und Landesgruppen hinweg gibt es eine breite ‚Bloß-nicht-Gabriel‘-Bewegung“ wird ein „einflussreicher Abgeordneter“ zitiert. Seitdem überschlagen sich die Spekulationen im Internet. Der 60-jährige Schulz, der mit seiner Abwahl als EU-Parlamentspräsident rechnen muss, ist in der Partei wegen seiner unverblümten Wortgewalt beliebt.

Mit für seine Verhältnisse mildem Spott kontert Gabriel, die Medien wechselten ja ziemlich häufig ihre Meinung, und versichert mit treuherzigem Blick: „Ich, jedenfalls, ich bin ganz entspannt. Dabei ruhen seine Hände fest auf dem Podium im Saal der Bundespressekonferenz. Die Finger sind ineinander gefaltet. Nur die Daumen rotieren immer wieder heftig umeinander. Sieht so Entspannung aus?

In solchen Situationen hebt im politisch-journalistischen Komplex der Hauptstadt sogleich ein heftiges Telefonieren an. Der Ertrag bleibt an diesem Freitagnachmittag jedoch eher dürftig. Jedenfalls, was den öffentlich zitierbaren Teil der Gespräche mit SPD-Politikern „über alle Flügel und Landesgruppen hinweg“ angeht.

Parteivize Ralf Stegner schweigt

„Dazu sage ich nichts“, antwortet der linke Parteivize Ralf Stegner auf die entsprechende Frage des WESER-KURIER. Johannes Kahrs wird nur wenig ausführlicher „Das kann alles später entschieden werden“, sagt der Vormann des rechten „Seeheimer Kreises“. „Ich glaube nicht, dass es eilt.“

Wenn zwei Politiker so einsilbig bleiben, die normalerweise um kein knackiges Wort verlegen sind, darf man jedenfalls davon ausgehen, da ist was dran – mindestens. Er kenne solche Diskussionen, sagt einer, der wieder nicht namentlich zitiert werden möchte, aber sie hätten „keine breite Basis“. Wirklich nicht? „Steinbrück war beliebt, bevor er Kanzlerkandidat wurde, dann hat er Fehler gemacht und wurde unbeliebt“, lautet eine andere namenlose Einlassung. „Gabriel ist es jetzt schon.“

Begonnen hat das Ganze vor ein paar Tagen. Gabriel hatte zwei halbwegs erfolgreiche Landtagswahlen überstanden und im Parteikonvent für das umstrittene Handelsabkommen Ceta eine Mehrheit bekommen. Jetzt sei er durch als Kanzlerkandidat hieß es. Aus Nordrhein-Westfalen, dem größten Landesverband, verlautete, er sei „der richtige Mann.“

Bundestagsabgeordnete sprechen Misstrauen aus

Doch dann sprachen ihm die Bundestagsabgeordneten seines Heimatverbandes Niedersachsen das Misstrauen aus: Nicht geeignet. Ihr Vorsitzender Lars Klingbeil twitterte nach einer TV-Talkshow: „Starker Auftritt von Martin Schulz!“ Und nun rumort es weiter.

Aber es melden sich erste Pro-Gabriel -Stimmen. Der Vorsitzende sei der „geborene Spitzenkandidat“ für die Bundestagswahl, meint Torsten Albig. Der Ministerpräsident aus Kiel schwimmt normalerweise gerne mal gegen den Strom. Und aus der Bundestagsfraktion gibt der stellvertretende Vorsitzende Axel Schäfer zu Protokoll: „Der Vorsitzende muss es machen.“

Ob der es machen will, darüber schweigt Sigmar Gabriel an diesem Freitag. Seine Partei sei doch in einer komfortablen Lage, erklärt er, wenn sogar drei ihrer Spitzenpolitiker als Kanzlerkandidaten im Gespräch seien. Gemeint sind außer ihm EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Die Union dagegen wisse noch nicht einmal, ob sie die amtierende Kanzlerin vorschlagen solle. Nach der in der SPD so wichtigen „Beschlusslage“ soll Anfang kommenden Jahres in der Kandidatenfrage entschieden werden. Aber Gabriel deutet an, dass es auch früher sein könne. Ein prominenter Schweiger sollte nicht vergessen werden: Martin Schulz. Öffentlich jedenfalls. Intern, wird berichtet, mache er aus seinen Ambitionen keinen Hehl.

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