31-Jährige bewirbt sich um Landesvorstand Kai-Lena Wargalla will Bremer Grünen-Chefin werden

Bisher blieb offen, wer Nachfolgerin von Henrike Müller an der Parteispitze werden könnte. Nun gibt es eine Antwort: Kai-Lena-Wargalla bewirbt sich um den Posten. Am 17. Januar wird gewählt.
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Kai-Lena Wargalla will Bremer Grünen-Chefin werden
Von Wigbert Gerling

Bisher blieb offen, wer Nachfolgerin von Henrike Müller an der Parteispitze werden könnte. Nun gibt es eine Antwort: Kai-Lena-Wargalla bewirbt sich um den Posten. Damit scheint eine Doppelspitze mit Parteichef Ralph Saxe wahrscheinlich. Am 17. Januar wird gewählt.

Wenn die Grünen den künftigen Landesvorstand wählen, können sie das angestammte Prinzip beibehalten: Eine Frau, ein Mann. Längst war klar, dass Parteichef Ralph Saxe für zwei weitere Jahre kandidiert, aber es blieb offen, wer Nachfolgerin von Henrike Müller an der Parteispitze werden könnte. Nun ist auch diese Frage beantwortet. Die 31-jährige Kai-Lena Wargalla, die für die Grünen ein Mandat in der Bildungsdeputation der Bürgerschaft hat, bewirbt sich um die weibliche Führungsposition der Partei.

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Die Einladung für die grüne Landesmitgliederversammlung am 17. Januar um 14 Uhr in den Räumen der Shakespeare Company an der Schulstraße ist unterwegs. Im Mittelpunkt, so der dazugehörige Hinweis gleich nach der Anrede für die „lieben Freundinnen und Freunde“, stehe der Tagesordnungspunkt 4: „Wahlen zum Landesvorstand“.

Ralph Saxe tritt wieder an

Ralph Saxe, der männliche Teil der Doppelspitze, hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass er erneut antritt, nachdem er vor rund zwei Jahren erstmals in den Landesvorstand gewählt worden war. Der Grüne, Jahrgang 1959, hat seit Mitte 2011 einen Sitz in der Bürgerschaft. Der gebürtige Bremerhavener ist unter anderem Mitglied in der Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung, Energie und Landwirtschaft.

Seine bisherige Partnerin im Landesvorstand, Henrike Müller, hatte angekündigt, dass sie im Januar nicht wieder für die Führungsposition bei den Grünen antritt. Sie war nach der Bürgerschaftswahl am 10. Mai dieses Jahres ins Parlament eingezogen. Zwei Parlamentarier an der Parteispitze, Müller und Saxe – das wollen die Grünen vermeiden. Die Partei hatte zudem die ursprünglich für das Ende dieses Jahres geplante Vorstandswahl verschoben, weil sie zunächst über die Satzung diskutieren und klären wollte, ob dem künftigen Vorstand die private Zeit vergütet werden sollte, die für die Parteiarbeit investiert werde.

Ein Vorschlag liegt auf dem Tisch: ein künftiges Mitglied im Landesvorstand könnte demnach rund tausend Euro geltend machen. Ein Abgeordneter wie Ralph Saxe käme aber für eine solche Zahlung nicht in Frage, weil er für seine Parlamentsarbeit bezahlt werde. Ein Satzungsbeschluss, mit dem eine Vergütung für Vorstandsmitglieder aus der Parteikasse untermauert werden müsste, steht noch aus. Er wird voraussichtlich ebenfalls am 17. Januar gefasst.

Nachdem die noch amtierende Landesvorsitzende Henrike Müller erklärt hatte, sie stehe für eine Wiederwahl in den grünen Landesvorstand nicht zur Verfügung, hatte die Partei nach weiblichen Bewerbern Ausschau gehalten. Das nahm offenbar Zeit in Anspruch, jedenfalls rückte der Wahltermin näher, ohne dass eine Kandidatin ins Gespräch kam, der eine führende Rolle in der Partei zugetraut wurde. Jung und dennoch schon mit politischer Erfahrung – das gehörte zum Profil der gesuchten „Unbekannten“.

Wargalla: Mitgründerin der "Occupy"-Bewegung

Ab sofort kann ein Name zugeordnet werden. Es gibt eine Bewerberin, die Henrike Müller politisch beerben möchte. Kai-Lena Wargalla arbeitet nicht nur parlamentarisch als Deputierte, sondern gehört unter anderem den grünen Landesarbeitsgemeinschaften für Bildung und Medien an. Die Studentin, die derzeit ihr Masterstudium absolviert, war unter anderem rund zwei Jahre in der britischen Metropole London. Sie gehörte dort zu den Mitgründerinnen der „Occupy“-Bewegung, die sich international gegen soziale Ungleichheiten und Spekulationsgeschäfte von Banken wendet. Neben ihrem Studium arbeitet Wargalla als Angestellte im Bio-Kaufhaus Alnatura, wo sie derzeit die Gründung eines Betriebsrats durchsetzen möchte.

Wargalla bestätigte am Freitag, dass sie für den grünen Landesvorstand kandidiert: „Ja, ich trete an. Ich kann mir das gut vorstellen.“ Sie sei mehrfach gefragt worden, ob sie sich für das Amt an der Spitze der Grünen bewerben wolle – und sei zu dem Schluss gekommen, dass sie diese Frage mit einem Ja beantwortet. Die Entscheidung träfen die Mitglieder am 17. Januar. Falls sie gewählt würde, wolle sie an ihre bisherigen politischen Erfahrungen anknüpfen. Sie wolle den Kontakt von politischen Bewegungen, die nicht parteigebunden seien, zu den Grünen ausbauen. Zudem wirbt sie für eine enge Verzahnung mit der Parteibasis.

Die Kandidatin Wargalla, Tochter der früheren grünen Bürgerschaftsabgeordneten Lisa Wargalla, fordert unter anderem „weniger industrielle Agrarwirtschaft und Massentierhaltung“ sowie eine „Verteidigung unserer Bürgerrechte im Netz“. Und generell: „Mehr Bock auf Politik bei den Menschen, die das bisher nicht hatten.“

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