Auftrag für Bremerhavener Werft

Russischer Oligarch rettet Lloyd-Werft

Die Zukunft der Bremerhavener Lloyd-Werft ist offenbar durch einen spektakulären Neubau-Auftrag vorerst gesichert. In der Seestadt soll ab 2017 eine neue Luxusjacht für den Milliardär Roman Abramowitsch entstehen.
04.11.2016, 11:09
Lesedauer: 3 Min
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Russischer Oligarch rettet Lloyd-Werft
Von Peter Hanuschke
Russischer Oligarch rettet Lloyd-Werft

Vor ein paar Monaten sah die Auftragslage für die Lloyd-Werft noch großartig aus. Doch durch die Übernahme der drei Werftstandorte von Nordic Yards in Mecklenburg-Vorpommern durch die malaysische Genting-Gruppe änderte sich das schlagartig.

dpa

Die Zukunft der Bremerhavener Lloyd-Werft ist offenbar durch einen spektakulären Neubau-Auftrag vorerst gesichert. In der Seestadt soll ab dem kommenden Jahr eine neue Luxusjacht für den russischen Milliardär Roman Abramowitsch entstehen.

Das bestätigten Unternehmenskreise dem WESER-KURIER. Die Verträge seien bereits unterschrieben. Offiziell wollte die Geschäftsführung der Lloyd-Werft dies nicht bestätigen. Die Werft ist dringend auf Aufträge angewiesen. Seit dem Jahreswechsel gehört sie komplett dem malaysischen Genting-Konzern, der ehrzeizige Pläne zum Bau von Kreuzfahrtschiffen in Deutschland hat. Im Sommer war allerdings bekannt geworden, dass sämtliche Neubauten an den Genting-Standorten in Wismar, Stralsund und Warnemünde gefertigt werden sollen. Zuletzt war daher unklar gewesen, wie es in Bremerhaven weitergeht. Inzwischen sind bereits etwa 100 von insgesamt 430 Mitarbeitern der Lloyd-Werft in Kurzarbeit.

Die Produktion der neuen Megajacht soll dem Vernehmen nach in der zweiten Jahreshälfte 2017 beginnen. Die Lloyd-Werft muss daher einen relativ langen Zeitraum überbrücken – voraussichtlich mit längerer Kurzarbeit. Zuletzt war das Unternehmen hauptsächlich im Reparaturgeschäft tätig gewesen. „Ich gehe aber davon aus, dass sie in den nächsten Wochen und Monaten auch in diesem Bereich wieder neue Aufträge aquirieren wird“, sagte Karsten Behrenwald, Geschäftsführer der IG Metall Bremerhaven.

Reparaturaufträge könnten auch aus dem eigenen Konzern kommen. Die ebenfalls zu Genting gehörende Kreuzfahrtreederei Crystal Cruises hat inzwischen angekündigt, dass sie ihre beiden Schiffe „Crystal Serenity“ und „Crystal Symphony“ – beide mit Platz für 1000 Passagiere – erneut umfassend renovieren will. Die beiden Schiffe hatten ihre letzten größeren Werftzeiten in Hamburg bei Blohm + Voss beziehungsweise in Cádiz in Spanien. Nun sollen unter anderem mehr Suiten eingebaut werden. Welche Werft diese Arbeiten übernehmen soll, teilte die Reederei nicht mit.

Abramowitsch zählt zu den reichsten Männern der Welt

Der letzte Neubau bei der Lloyd-Werft war 2014 das Rohrverlegeschiff „Ceona Amazon“ gewesen. Abramowitsch hat schon einmal eine Jacht in Bremerhaven bauen lassen. 2010 lief dort die damals schätzungsweise 480 Millionen Euro teure, 115 Meter lange „Luna“ vom Stapel. Das neue Schiff des Oligarchen soll nun eine Länge von 140 Metern haben – und dürfte entsprechend teurer sein. Keine Konkurrenz wird das Schiff allerdings der aktuell längsten Jacht der Welt machen, der „Azzam“ von Scheich Chalifa Bin Zayed Al Nahyan, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate.

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Das von der Bremer Lürssen-Werft gebaute und 2013 fertiggestellte Schiff kommt auf 180 Meter. Roman Abramowitsch gehört zu den reichsten Männern der Welt, sein Vermögen wird in der Milliardärsliste des amerikanischen Wirtschaftsmagazins „Forbes“ auf mehr als acht Milliarden Dollar geschätzt. Mehrfach hatte sich der russische Unternehmer, dem unter anderem der britische Fußballclub FC Chelsea (London) gehört, in der Vergangenheit kostspielige Megajachten gekauft.

IG-Metall Geschäftsführer Behrenwald begrüßte den Auftrag als Chance für die Beschäftigten. Auch Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung in Bremerhaven, sprach von einer „Perspektive“. Nach einem Bericht der „Nordsee-Zeitung“ stimmte der malaysische Eigner zu, die neue Megajacht in Bremerhaven und nicht an der Ostsee zu bauen. Erst kürzlich war Genting-Chef Tan Sri Lim Kok Thay zur Abnahme eines neuen Kreuzfahrtschiffs in der Seestadt gewesen.

Der russische Milliardär und Fußballclub-Besitzer Roman Abramowitsch (FC Chelsea) will seine neue Luxusjacht in Bremerhaven bauen lassen.

Der russische Milliardär und Fußballclub-Besitzer Roman Abramowitsch (FC Chelsea) will seine neue Luxusjacht in Bremerhaven bauen lassen.

Foto: Imago

Genting investiert in Mecklenburg-Vorpommern

Zuletzt hatte Genting massiv in seine Standorte der MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern investiert. Crystal Cruises plant dort den Bau zwei weiterer Expeditions-Kreuzfahrtschiffe. Das teilte die Genting-Tochter mit. Die Schiffe sollen baugleich mit der für 2019 geplanten „Crystal Endeavour“ sein, die in Wismar entstehen soll. Die Fertigstellung der beiden zusätzlichen Expeditionsschiffe mit einer Kapazität für 200 Passagiere ist für 2020 und 2021 geplant. Verzögern wird sich damit der Bau des ersten von insgesamt drei geplanten größeren Kreuzfahrtschiffen für insgesamt 1000 Passagiere („Crystal Exclusive-Klasse“). Dieses wird wohl erst Anfang 2022 in Fahrt kommen.

Alleine 13 Millionen Euro fließen in eine neue Kabinenfertigung in Wismar. Auf 22.000 Quadratmetern will das Unternehmen künftig komplette Kabinen für Kreuzfahrtschiffe bauen. Die Gründung dieses Werks sei ein „wichtiger strategischer und auch logischer Schritt“, sagte Jarmo Laakso, Geschäftsführer der MV Werften. „Große Kreuzfahrtschiffe können nur mit Fertigkabinen kosten- und zeiteffizient gebaut werden.“ Bereits im kommenden Jahr sollen die ersten Kabinen ausgeliefert werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe sprach von einem Bekenntnis für den Standort. „Es werden Hunderte Arbeitsplätze im Land gesichert, und zusätzlich entstehen neue Jobs.“ Insgesamt investiert Genting in Wismar, Rostock und Stralsund über 160 Millionen Euro. Alleine 75 Millionen Euro soll eine in Rostock geplante neue Laser-Hybrid-Schweißanlage kosten.

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