Restaurantbesprechung

Restaurant Medio am Wall: Jeder Gang besitzt seinen besonderen Pfiff

Im Medio kann der Gourmet sicher sein, dass er eine Küche vorfindet, die hohen Ansprüchen genügt. Wer hier mit Gästen hingeht, kann den Abend beruhigt genießen.
28.02.2018, 19:26
Lesedauer: 3 Min
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Restaurant Medio am Wall: Jeder Gang besitzt seinen besonderen Pfiff
Von Marcel Auermann

Nur ein Stoß, ein ganz kleiner Stoß der Kellnerin mit der Karaffe beim Servieren des Rotweins genügte, und das Malheur war geschehen. Das langstielige, hauchdünne Glas zersprang in unzählige kleine Splitter, die über den Tisch spritzten. So etwas passiert. Kein Drama – wenn der Kellner weiß, wie er gekonnt reagiert.

Denn ob der Gast guten Service geboten bekommt oder man lieber gar nicht darüber sprechen sollte, weil er sich als unterirdisch herausstellt, zeigt sich immer in brenzligen Situationen. Also dann, wenn etwas schief läuft. Und hierbei schneidet das Restaurant Medio erstklassig ab. Es gibt gar keine Diskussion. Die Kellnerin platzierte meine Begleitung und mich sofort um.

Immerhin könnten sich ja kleine Glasteile im Wasser befunden, sich in den Ritzen der Stühle versteckt haben. Es ging an einen Tisch in der ersten Etage im hinteren Teil des Raumes, was sich als viel lauschiger, ungestörter und geräumiger erwies. Für die bereits halbleere Flasche Wasser (5,90 Euro) gab es ebenfalls ohne eine Anmerkung Ersatz. Missgeschicke können doch auch etwas für sich haben.

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Darauf erst einmal einen Schluck Wein. Prost! Wir griffen auf die Weinempfehlung zurück und nahmen einen herrlich kräftigen Sangiovese (8,90 Euro) mit einem schönen würzigen Aroma und einen fruchtigen Rosé (7,90 Euro). Beide begleiteten uns wunderbar durch den Abend und stellten sich als Ergänzung zum Essen heraus.

Der Gruß aus der Küche kam im Medio in einem kleinen Gläschen daher: ein asiatischer Salat mit Bambussprossen und Zwiebeln, der eine schöne Säure und einen leichten Geschmack von Sojasoße besaß. Dazu reichte die Kellnerin Baguette, das ich mir französischer, krosser gewünscht hätte. Obligatorisch, weil schon beim ersten Besuch im Dezember erlebt, scheint der Schuss eines pikanten Öls auf den Brotteller zu sein und das Schüsselchen Fleur de Sel. Ein guter Start, dem Jacobsmuscheln auf einem Couscous-Salat (15,90 Euro) folgten.

Ideenreiche Beilage

Die Jacobsmuscheln zergingen wie Butter auf der Zunge und waren auf den Punkt gegart, also noch schön glasig. Der Couscous-Salat mit seinen Kräutern war eine wahre Frischefreude. Die Riesengarnele (13,90 Euro) meiner Begleitung lagerte in einer Schale Pepperoni-Öl. Sehr pfiffig. Wer ein etwas sanfteres Mundgefühl wünscht, dippt die Garnele in die Sherry-Cocktail-Soße, die jeder probiert haben sollte, um den Unterschied zu diesem pampigen Gemisch aus den handelsüblichen Flaschen zu erkennen.

Als ideenreich erwies sich die Beilage zur rosa gegrillten Oldenburger Entenbrust (26,90 Euro): ein angenehm süßliches Weintrauben-Rahmsauerkraut und ein Püree von der Knollenwinde, was nichts anderes als ein Süßkartoffelpüree ist. Aber was für eins! Jeder einzelne Happen sollte moussierend über die Zunge gezogen werden, damit er jede Geschmacksknospe erreicht.

Vielleicht ging aufgrund dieser intensiven Beilagen die Entenbrust unter. Um hier Schritt zu halten, hätte sie unbedingt eine krossere Haut benötigt, die noch einmal Aromen geliefert hätte. Zugleich hätte sie noch einen Tick mehr rosa sein dürfen. Vielleicht schielte ich deshalb etwas neidisch auf die Roulade Hoch² (27,90 Euro) meiner Begleitung. Dahinter verbarg sich ein geschmortes Kohl-Pilzröllchen und eine geschmorte Kalbsroulade.

Das gewisse Etwas bei jedem Gang

Das mag nach Hausmannskost klingen. War es aber nicht. Das Ganze – und jetzt kommt′s – lagerte an einem Trüffelsoßenspiegel, der einem das Herz aufgehen ließ. Diese Soße! Traumhaft reduziert, schön dunkel, gehaltvoll – und ein Aroma. Da wünschte sich der Gast eine Minisauciere, um von dieser kostbaren Flüssigkeit noch nachkippen zu können.

Es waren diese Kleinigkeiten, die jedem Gang das gewisse Etwas verliehen. Beim Dessert setzten die selbst gemachten gebrannten Mandeln das i-Tüpfelchen, die der Koch über den fast künstlerisch gestalteten Teller mit dem lauwarmen Schokoladensoufflé (9,90 Euro) streute. Fazit: Im Medio kann der Gourmet sicher sein, dass er eine Küche vorfindet, die hohen Ansprüchen genügt. Wer hier mit Gästen hingeht, kann den Abend beruhigt genießen. Das Servicepersonal tut alles, damit man sich wohlfühlt.

Restaurant Medio, Am Wall 149/150, 28195 Bremen, Telefon: 0421 33652065, Dienstag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr (Küche bis 14.30 Uhr) und ab 18 Uhr (Küche bis 22.30 Uhr), samstags ab 12 Uhr, Sonntag und Montag sind Ruhetag. Internet: www.restaurant-medio.de

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