Bremer Traditionsgeschäft Roland-Kleidung macht dicht

Das im Jahr 1950 gegründete Bekleidungsgeschäft "Roland-Kleidung" in der Bremer Sögestraße muss schließen. Seit mehreren Jahren warf der Laden keinen Gewinn mehr ab, sagt der Eigentümer.
18.01.2018, 15:14
Lesedauer: 3 Min
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Roland-Kleidung macht dicht
Von Jürgen Hinrichs

Roland-Kleidung, ein Traditionsgeschäft für Damen- und Herrenmode in der Sögestraße, wird Ende des Jahres schließen. Das hat am Donnerstag der Geschäftsführer des Unternehmens auf Anfrage des WESER-KURIER bestätigt. „Das Geschäft wirft seit mehreren Jahren keinen Gewinn mehr ab“, sagt Joachim Hauser. Der Eigentümer habe deswegen die Reißleine gezogen und wolle das Gebäude, das weit in die Lloydpassage hineinragt, von Grund auf sanieren und danach mit anderen Mietern besetzen.

Das Projekt läuft parallel zu den Plänen des Bremer Unternehmers Kurt Zech, der das gesamte Areal rund um das Parkhaus-Mitte entwickeln will. Das Parkhaus soll abgerissen werden, geplant ist auch eine neue Passage, die von der Obernstraße zur Lloydpassage führt. Platz dafür entsteht, wenn der Anbau des denkmalgeschützten Karstadtgebäudes verschwindet.

Roland-Kleidung gibt es nur in Bremen. Gegründet wurde das Modegeschäft, das für sein hochpreisiges Segment bekannt ist, im Jahr 1950. Vom Aus sind 45 Mitarbeiter betroffen, für sie wird nach Darstellung von Hauser, der sich selbst auch einen neuen Job suchen muss, ein Sozialplan erstellt.

Alle Mieter müssen das Haus verlassen

Eigentümer der Immobilie ist die Familie Brinkmann aus dem ostwestfälischen Herford, die unter anderem mit der Bekleidungsmarke Bugatti bekannt geworden ist. „Sie hat für unser Geschäft die Zuversicht verloren“, erklärt Hauser. Außerdem sei das mehr als 60 Jahre alte Gebäude in der Sögestraße stark sanierungsbedürftig und entspreche auch bei den Verkaufsflächen nicht mehr dem modernen Standard. „Unsere mehr als 1000 Quadratmeter verteilen sich über fünf Voll- und Halbebenen.“

Zusammen mit Roland-Kleidung müssen bis Ende des Jahres auch alle anderen Mieter das Haus verlassen. Zwölf Wohnungen, die aufgelöst werden. Sechs Gewerbebetriebe im Ganzen, die sich ein neues Domizil suchen müssen oder wie Roland-Kleidung ihr Geschäft aufgeben.

„Wir haben hoffentlich gute Aussichten“, sagt Angela Walter vom „Bremer Juwelier“. Das Unternehmen hat sich auf den An- und Verkauf von Schmuck, Edelmetallen, Markenuhren und Bestecken spezialisiert. Es hat seine 170 Quadratmeter großen Verkaufsräume auf der 2. Etage des Eckhauses. „Die Leute haben sich an den Standort gewöhnt, wir wollen nicht in den Weserpark“, erklärt Walter, die zusammen mit ihrem Mann das Juweliergeschäft führt.

Früherer Name "Bremer Schmuckhaus"

Der Laden hieß früher „Bremer Schmuckhaus“ und war 15 Jahre lang in der Sögestraße 34 angesiedelt. Seit 17 Jahren firmiert es zusammen mit Roland-Kleidung und den weiteren Mietern unter einer anderen Adresse in der Sögestraße. „Wenn wir in der Nähe keinen Ersatz bekommen, können wir dicht machen“, so die Geschäftsfrau. Sie sieht aber durchaus Chancen. Schräg gegenüber, auf einer Etage über dem Fischrestaurant „Nordsee“, sei etwas frei. „Wir verhandeln, es sieht gut aus.“ Die Fläche sei mit 90 Quadratmetern zwar deutlich kleiner, immerhin könnten sie mit ihrem Geschäft aber in der Sögestraße bleiben. Neben dem Ehepaar Walter sind in dem Schmuckladen noch zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt.

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Das Haus an der Ecke zur Lloydpassage hat eine Grundfläche von mehr als 600 Quadratmetern und erstreckt sich über sieben Etagen. Es soll Hausers Angaben zufolge gleich nach dem Auszug der Mieter komplett saniert und umgebaut werden. „Nach meinen Informationen werden die Arbeiten rund anderthalb Jahre dauern“, so der Geschäftsführer.

Einzelhandel werde es danach nur noch im Erdgeschoss geben, in hohen Räumen, die zwei Ebenen einnehmen. Vorgesehen seien drei Geschäfte. Inwieweit die Pläne mit Kurt Zech abgestimmt werden, konnte Hauser, der auch Vorstandssprecher der Lloydpassage ist, nicht sagen. „Ich weiß nur, dass die Familie Brinkmann bis vor einer Woche keinen Kontakt zu Zech hatte.“

Hauser wollte mit der Information über das Ende von Roland-Kleidung eigentlich noch nicht an die Öffentlichkeit und wurde von der Anfrage des WESER-KURIER überrascht. Er legt wert darauf, dass alle seine Mitarbeiter bis zum Schluss bezahlt würden. Der Geschäftsbetrieb werde in den nächsten Monaten ganz normal weitergeführt. „Und selbstverständlich bezahlen wir auch alle unsere Rechnungen.“

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