Umweltschutz

Warum Bremens Luft 2020 sauberer war

Im Bundesland Bremen sind im Jahr 2020 rund 30 Prozent weniger Schadstoffe in die Luft freigesetzt worden als zuvor. Ein Hauptgrund: die Corona-Pandemie. Doch was noch? Und wo gibt es Verbesserungsbedarf?
22.03.2021, 21:58
Lesedauer: 4 Min
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Warum Bremens Luft 2020 sauberer war
Von Pascal Faltermann

Die Qualität der Bremer Luft ist besser als in den Jahren zuvor. Im Bundesland wurden 2020 rund 30 Prozent weniger Schadstoffe in die Luft freigesetzt als im Vorjahr. Alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte – für Schadstoffe und Feinstaub – sind 2020 eingehalten worden. Das geht aus einer vorläufigen Kurzauswertung der Luftmessung und einem Deputationsbericht der Umweltbehörde hervor. Ein Grund für die bessere Luftqualität ist der Einfluss der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Doch was hat zudem dazu beigetragen? Fragen und Antworten.

Welche Werte werden gemessen?

An den Messstationen werden die Werte für Stickstoffdioxid (NO2), Schwefeldioxid (SO2), Ozon (O3) und Kohlenmonoxid (CO) sowie Feinstaub erfasst.

Wo wird gemessen?

Insgesamt gibt es im Bundesland neun Luftmessstationen. Diese befinden sich in Bremerhaven (Hansastraße), Bremen-Nord (Aumunder Feldstraße), Bremen-Oslebshausen (Menkenkamp), Bremen-Hasenbüren (Glockenstein), Bremen-Mitte (Kennedyplatz), Bremen-Ost (Osterholzer Heerstraße) sowie die verkehrsnahen Anlagen am Dobben, der Nordstraße und der Cherbourger Straße in Bremerhaven. Hinzu kommt eine Mobilstation. Mit der dazugehörigen Technik ergibt das einen materiellen Wert von etwa einer Millionen Euro.

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Was sagen die ermittelten Daten aus?

Eine EU-Richtlinie und das Bundes-Immissionsschutzgesetz schreiben Grenzwerte vor, die die menschliche Gesundheit schützen sollen. Diese sind in Bremen eingehalten worden. Erstmalig wurden auch an allen Messstationen die Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub eingehalten. An den drei verkehrsnahen Messstationen sanken laut dem Umweltressort die Jahresmittelwerte für Stickstoffdioxid auf die niedrigsten seit der Aufzeichnung. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft.


Warum ist die Luftqualität besser?

Die gesellschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie (Lockdown, Homeoffice) beeinflussten laut Umweltressort insbesondere in den Monaten März bis Juni die Belastung mit Luftschadstoffen deutlich. Entscheidend für die Reduktion von Stickstoffdioxid und Feinstaub seien aber auch sauberere, modernere Fahrzeuge, mehr Tempo-30-Zonen und der Einsatz schafstoffärmerer Busse. Die Luftverbesserung ist zudem auf technologische Nachrüstungen, beispielsweise durch Filter in der Industrie, zurückzuführen.

Was sagt die Umweltsenatorin?

„Bremens Luftqualität ist sehr gut, das zeigen aktuelle Messwerte. Die Luftbelastung ist in den Vorjahren schon stetig zurückgegangen, aber im vergangenen Jahr lag sie in allen Bereichen deutlich unter den Grenzwerten und zwar in allen Stadtteilen", sagt Senatorin Maike Schaefer (Grüne). Zurückzuführen seien diese Werte vor allem auf die Corona-Krise und den damit verbundenen Rückgang im Straßenverkehr und den Einschränkungen in der Industrieproduktion.

Kann bei so guten Werten auf die Umweltzone verzichtet werden?

"Mitnichten ist dies nun das Signal, die Umweltzone wieder abzuschaffen, denn europaweit werden die Grenzwerte demnächst verschärft", sagt Schaefer. "Diese aktuellen Werte zeigen uns schonungslos auf, woher die Hauptbelastungen kommen. Wir müssen darum das Fahrradwegenetz ausbauen und den ÖPNV im Angebot und bei den Tarifen stärken. Homeoffice, als Angebot an die Arbeitnehmerseite, gilt es fortzuschreiben.“

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Wie bewerten Umweltschützer die Ergebnisse?

„Einmal mehr zeigt sich, dass der im Zuge der Corona-Krise dauerhaft verminderte Autoverkehr, der etwa 30 Prozent geringer ausgefallen ist als in den Vorjahren, auch deutlich zu einer Verringerung der Luftschadstoffbelastung hat“, sagt Martin Rode, Geschäftsführer des BUND Landesverbandes Bremen. Auch wenn das ohne Zweifel gut sei, bleibe zu befürchten, dass sich diese Entwicklung nach Ende der Corona-Krise wieder umkehre, so Rode. „Jetzt kommt es darauf an, möglichst viel der Qualitätsgewinne hinüber in die nach Corona-Zeit zu bringen. Dazu kann zum Beispiel die Etablierung von regulären Homeoffice-Tagen in der normalen Arbeitswoche, dort wo dies möglich ist, beitragen.“ Eine Reduktion des Autoverkehrsanteils insbesondere mit Verbrennermotoren sei zudem zwingend, wenn man dauerhaft bessere Atemluft haben wolle.

Was sagt der Vorsitzende der Klima-Enquete?

„Es stellt sich die Frage, welchen Einfluss Bremen und das Handeln der Umweltbehörde auf die Werte hat“, sagt Martin Michalik (CDU). Er sei nicht davon überzeugt, dass es die Leistung Bremens sei, sondern vielmehr der Einfluss des Bundes und von privaten Unternehmen, die für effizientere Technologien bei Kraftfahrzeugen oder in der Industrie gesorgt hätten. „Der Anspruch Bremens sollte höher sein“, so Michalik. Er sieht großen Nachholbedarf beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, bei der Sanierung von öffentlichen Gebäuden und bei den Stahlwerken als einen der größten Emittenten.

Info

Zur Sache

Bundesweite Belastung

Die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid in deutschen Städten ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Einer vorläufigen Auswertung zufolge haben 2020 so wenige Städte wie noch nie den durchschnittlich erlaubten Grenzwert überschritten. Das geht aus den bisher ermittelten Daten der Bundesländer und des Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die die Behörde am Dienstag vorgestellt hat. Demnach registrierten nur rund drei bis vier Prozent der 400 bislang ausgewerteten Messstationen Überschreitungen des Jahresmittelwerts von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft.

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