Nach der Randale am Samstag Schlachte-Wirte überdenken Sicherheitskonzept

Nach der Randale am vergangenen Samstag an der Schlachte überdenken die dortigen Gastwirte das Sicherheitskonzept der Gastromeile.
07.10.2019, 20:07
Lesedauer: 4 Min
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Schlachte-Wirte überdenken Sicherheitskonzept
Von Imke Wrage

Sie ist das Aushängeschild an der Weser: Mitten in Bremen und nur wenige Schritte vom Marktplatz und den Stadtmusikanten entfernt, erstreckt sich die Schlachte. Mit zahlreichen Restaurants, Bars und Kneipen zieht sie Touristen und Einheimische gleichermaßen an. Sie gilt als sicheres Pflaster – zumindest bisher. Ein Überfall, bei dem am vergangenen Sonnabend sechs Männer mit Stühlen und Flaschen angegriffen wurden, wirft Fragen, aber auch Sorgen auf: Was, wenn die Schlachte gar nicht so sicher ist, wie bisher angenommen?

Der besagte Vorfall ereignete sich am späten Abend. Mehrere Unbekannte hatten, das geht aus einem Polizeibericht hervor, gegen 23 Uhr vor einem Lokal an der Schlachte randaliert. Nach einem Notruf rückten die Beamten mit einem Großaufgebot an. Weitere Störungen konnten so verhindert werden. Bei dem Vorfall, so hieß es, wurden zwei unbeteiligte Frauen leicht verletzt, während sie versuchten, sich im Inneren der Bar in Sicherheit zu bringen. Insgesamt, so schien es zunächst, ein relativ harmloses Delikt.

Neuere Erkenntnisse

Doch neuere Erkenntnisse zeichnen ein mögliches anderes Bild. Polizeiangaben zufolge könnte es sich bei dem Vorfall um eine politisch motivierte Tat gehandelt haben. Demnach sei die unbekannte Gruppe von Tätern – alle laut Polizeiangaben dunkel gekleidet, zum Teil auch vermummt, Anzahl noch unbekannt – gezielt und mit Gegenständen bewaffnet auf sechs Männer im Alter zwischen 27 und 48 Jahren losgegangen. Die Angriffsopfer hielten sich zu dem Zeitpunkt demnach im Außenbereich der Bar auf. Sie konnten vor den unbekannten Tätern davonlaufen und wurden wenig später durch die Einsatzkräfte der Polizei auf dem Domshof angetroffen. Alle sechs Männer blieben den Beamten zufolge unverletzt.

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Weder über die Täter noch die sechs Angriffsopfer gibt die Polizei derzeit nähere Informationen heraus. Ob und warum es sich um eine politisch motivierte Tat gehandelt haben könnte, bleibt also unklar. Nur so viel ist bekannt: Der Staatsschutz, der für derartige Straftaten zuständig ist, hat die Ermittlungen nun wegen Landfriedensbruch aufgenommen. Das TV-Magazin „Buten un Binnen“ berichtete am Abend mit Verweis auf ein Online-Portal, dass die Opfer möglicherweise aus der rechten Bremer Szene stammen könnten und unter Umständen von einer größeren Gruppe Linker angegriffen worden seien. Die Polizei teilte dazu mit, sie habe entsprechende Hinweise auch wahrgenommen.

Wie konnte es überhaupt zu der Tat kommen?

Offen bleibt die Frage, wie es überhaupt zu der Tat an der Schlachte kommen konnte. „Eigentlich ist das Areal hier total sicher“, sagt Henrike Neuenfeldt. Sie arbeitet seit 2013 als Projektleiterin für das Schlachte-Marketing und den Service-Verband. Gemeinsam mit den an der Schlachte ansässigen Gastronomen, sagt sie, werde seit Jahren ein gemeinsames Sicherheitskonzept entwickelt.

Soll heißen: Es werden private Sicherheitsdienste beauftragt, das Areal zu überwachen. Immer zwei Mitarbeiter seien demnach pro Schicht im Einsatz. Je nach Wochentag und Öffnungszeiten laufen sie die Schlachte, gekennzeichnet durch spezielle Arbeitskleidung, von 19 oder 20 Uhr bis Mitternacht oder ein Uhr auf und ab, um dort für Ordnung zu sorgen.

Einer von ihnen ist Ashley Williams. So zumindest nennt sich der Sicherheitsmann bei Facebook, der unter einem Beitrag des WESER-KURIER kommentiert, dort noch vor einer Woche im Einsatz gewesen zu sein. „Ich bin von Ende April bis Ende September an der Schlachte fast jedes Wochenende Streife gelaufen.“ Gröberen Ärger habe er dort nie erlebt, schreibt er. Nur kleinere Bagatellen.

Ausgerechnet eine Woche, nachdem sein Auftrag endete, nun der besagte Vorfall. „Das sollte doch ziemlich deutlich machen, dass wir dort nicht nur zeitlich begrenzt präsent sein sollten“, kommentiert der Sicherheitsmann – und entflammt damit eine neue Diskussion. Der Einsatz von Sicherheitspersonal hätte den Übergriff möglicherweise verhindern können.

Der private Sicherheitsdienst jedoch, bestätigt Neuenfeldt, arbeitet bisher nur in den Sommermonaten. Das Publikumsaufkommen ist dann hoch, die Biergärten voll. Ende September, wissen die Betreiber aus Erfahrung, ebbt die Anzahl der Besucher wieder ab. Die Biergärten schließen dann, die Kunden halten sich vermehrt im Inneren der Bars, Kneipen und Restaurants auf. Bisher, sagt Neuenfeldt, sei Sicherheitspersonal deshalb nicht länger nötig gewesen. „An der Schlachte hat es nie einen Vorfall gegeben, höchstens eine Rüpelei oder Wildpinkler.“ Der Übergriff am vergangenen Sonnabend, da ist sie sich sicher, sei eine Ausnahme, nicht aber die Regel.

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Das bestätigt auch die Bremer Polizei. „Die Schlachte ist kein Schwerpunkt von Kriminalität“, sagt eine Sprecherin. Ein Blick in die Pressemitteilungen des vergangenen Jahres bekräftigt das: Zwischen Juli 2018 und Oktober 2019 gab die Polizei fünf Meldungen mit der Ortsangabe Schlachte heraus – darunter zwei kleinere Einbrüche in der Nacht, eine Gewässerverunreinigung durch Dieselkraftstoff und ein Diebstahl von Fahrradtaschen.

Ihrem Ruf als sicheres Pflaster wird die Schlachte also offenbar gerecht. Den Vorfall, sagt Neuenfeldt, wolle man trotzdem ernst nehmen. „Das hat uns schon aufgerüttelt.“ Das Thema Sicherheit soll auf der nächsten Gastrorunde, einem regelmäßigen Treffen von Gastronomen und Beteiligten an der Schlachte, ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Konkret, sagt Neuenfeldt, soll diskutiert werden, ob auch in den Wintermonaten noch Sicherheitspersonal gebraucht wird. „Wir wollen, dass sich an der Schlachte wieder alle sicher fühlen.“

Weitere Informationen

Die Polizei Bremen bittet Zeugen, die am Sonnabend gegen 23 Uhr an der Schlachte verdächtige Beobachtungen gemacht haben und Hinweise zu Tätern, Tathandlungen oder Zeugen geben können, sich unter 0421 3623888 beim Kriminaldauerdienst zu melden.

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