Waltötung auf Faröer-Inseln Sea-Shepherd-Mitglieder wieder in Bremen

Seit Dienstag sind drei der festgenommen Sea Shepherd-Aktivisten wieder in Bremen, wo die Organisation seit diesem Monat ihr deutsches Hauptquartier hat. Die Faröer-Inseln hatten sie abgeschoben.
18.08.2015, 19:00
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Sea-Shepherd-Mitglieder wieder in Bremen
Von Jan Raudszus

Sie haben die Gegend gerade erst verlassen. Jetzt findet genau dort ein „Grind“ statt. Das Sea-Shepherd-Schiff „Brigitte Bardot“ fährt sofort los. Große Hoffnung macht sich die Besatzung nicht, dass sie die Bucht noch erreicht, bevor das traditionelle Töten von Grindwalen begonnen hat. Vor Ort gehen zwei Besatzungsmitglieder mit einem Beiboot ins Wasser. Kurze Zeit später werden sie von der färöischen Polizei gestoppt und verhaftet. Es kommt zu insgesamt vier Festnahmen. Nach Angaben von Sea Shepherd werden an diesem Tag 250 Grindwale getötet.

Am Dienstag waren drei der festgenommen Sea Shepherd-Aktivisten in Bremen, wo die Organisation seit diesem Monat ihr deutsches Hauptquartier hat. Die Faröer-Inseln haben sie abgeschoben. Marianna Baldo war in dem Beiboot, das von der Polizei aufgebracht wurde. „Wir waren ziemlich frustriert“, sagt die Aktivistin. Durch die lange Anfahrt hätten sie nur noch das Töten dokumentieren können. Die „Brigitte Bardot“ habe sich bewusst an das Gesetz gehalten, das vorschreibt, dass die Aktivisten einen bestimmten Abstand vom „Grind“ halten müssen. Im Beiboot sei die Entfernung aber schwer einzuschätzen gewesen. Sie hätten es zwar versucht, aber ohne GPS sei das eben schwer.

Die insgesamt vier verhafteten Aktivisten wurden zu Geldstrafen verurteilt. Ersatzweise ist auch eine Gefängnisstrafe möglich. Genau diese wollten die Sea Shepherd-Mitglieder nach eigenen Angaben antreten. Davon hielten die Behörden jedoch offenbar nichts. „Vermutlich wollten sie die öffentliche Aufmerksamkeit nicht“, sagt Rosie Kunneke. Stattdessen wurde die Ausweisung der Aktivisten verfügt, einem Einspruch nicht stattgegeben. Am Abend des 13. August wurden sie erneut festgenommen und von Beamten in Zivil morgens um 3.30 Uhr auf die Fähre nach Hirtshals in Dänemark gebracht, erzählt Rosie Kunneke. Verbunden mit der Ausweisung sei ein Einreiseverbot, das für ein Jahr gelte, so die Südafrikanerin. „Also werden wir nächstes Jahr am 2. September wieder da sein.“

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Seit dem 20. Juli hat die Polizei auf den Faröer-Inseln zwölf Aktivisten der Umweltorganisation festgenommen. Darunter die beiden Deutschen Tom Strerath aus Bremen und Tobias Böhm aus Frankfurt.

Seit 14. Juni betreibt Sea Shepherd seine Walschutzkampagne „Sleppid Grendini“ in den Gewässern um die Faröer-Inseln. Es ist die sechste Kampagne dieser Art. Die Organisation hat angekündigt, alle legalen Mittel zu nutzen, um das Töten aufzuhalten. Sie kritisiert außerdem die Regierung von Dänemark, die durch den Einsatz von Marineschiffen die Waltötungen oft vor den Aktivisten schütze.

Die Grindwal-Jagd ist auf den Faröer-Inseln eine Jahrhunderte alte Tradition, bei der die Wale in eine Bucht getrieben und dann erschlagen werden. Für Sea Shepherd ein „blutiges Massaker“.

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