Neue Serie: die wachsende Stadt

Senat will mehr günstige Wohnungen schaffen

Rot-Grün in Bremen will die Zahl der neu gebauten Wohnungen mehr als verdoppeln – von bisher 1400 im Jahr auf über 3000. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Positionspapier der SPD-Fraktion hervor.
14.11.2015, 00:00
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Senat will mehr günstige Wohnungen schaffen
Von Jürgen Hinrichs
Senat will mehr günstige Wohnungen schaffen

Rot-Grün denkt an Erleichterungen für Investoren, verändertes Baurecht und weitere Flächen.

dpa

Rot-Grün in Bremen will die Zahl der neu gebauten Wohnungen mehr als verdoppeln – von bisher 1400 im Jahr auf über 3000. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Positionspapier der SPD-Fraktion hervor und entspricht in groben Zügen auch den Äußerungen von Bausenator Joachim Lohse (Grüne). Weitere 3000 Wohneinheiten sind als Übergangslösung vorgesehen und sollen bereits im nächsten halben Jahr in Containerdörfern und als einfache Holzrahmenbauten entstehen. So hat es Lohse in einem Gespräch mit dem WESER-KURIER angekündigt.

Die beiden Regierungsparteien reagieren damit auf die hohe Zahl von Flüchtlingen, die nach Bremen kommen, aber auch auf den Mangel an günstigem Wohnraum in der Stadt: „Die neuen Wohnungen sind kein Sonderprogramm nur für Flüchtlinge, sondern eines, das sich an alle Menschen wendet, die auf preiswertes Wohnen angewiesen sind“, erklärt der Bausenator.

Die Investoren für sein Projekt will Lohse mit einer neuen Art der Förderung gewinnen. Bisher müssen sich die Unternehmen verpflichten, zu 25 Prozent Sozialwohnungen zu bauen, wenn sie von den Hilfen der Stadt profitieren wollen. Weil mit dem neuen Paket ein wesentlich höherer Anteil solcher Wohnungen angestrebt wird und dies für die Investoren bei den üblichen 6,50 Euro pro Quadratmeter wenig profitabel wäre, dürfen sie nach Angaben des Senators mit einer Miete von rund acht Euro pro Quadratmeter rechnen. Entschieden wurde darüber aber noch nicht.

Bremen werde sich wandeln müssen, um den Herausforderungen beim Wohnungsbau gerecht zu werden, betont Lohse. „Wir müssen aus der Komfortzone raus.“ Durch Änderungen im Baurecht müsse zum Beispiel nicht mehr streng zwischen Gewerbe- und Wohngebiet unterschieden werden, auch das Bauen entlang von Verkehrsachsen sei in Zukunft einfacher zu handhaben. Flächen gäbe es in der Stadt also genug.

Die SPD in Bremen sieht das weiterhin anders. „Die Flächen werden nicht reichen, um den Bedarf zu decken“, sagt der baupolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jürgen Pohlmann. Nachdenken müsse man deshalb auch über die Randbereiche der Osterholzer Feldmark und über Brokhuchting. Die Fraktion fordert in ihrem Positionspapier ein eigenes kommunales Wohnungsbauprogramm. Pohlmann: „Dass Bremen eine wachsende Stadt ist, ist schon seit einigen Jahren klar. Aber nun wächst sie noch stärker, und wir müssen dies berücksichtigen.“

Die wachsende Stadt – das ist der Titel einer sechsteiligen Serie, die von diesem Tag an jeden Sonnabend in unserer Zeitung erscheint. Die Redaktion hat sich Ortsteile vorgenommen, die exemplarisch zeigen sollen, mit welcher Dynamik und welchen Problemen sich Bremen entwickelt.

>>>LESEN HIER EIN INTERVIEW MIT BAUSENATOR LOHSE<<<

Den Anfang macht die Überseestadt, das bedeutendste Projekt der Stadtentwicklung, wie SPD und Grüne in ihrer Koalitionsvereinbarung für die laufende Legislaturperiode erklären. Vor 15 Jahren hatte die Bürgerschaft einen Masterplan für das 300 Hektar große Gebiet beschlossen. Seitdem entsteht für rund 350 Millionen Euro eine neue Infrastruktur, flankiert von den Projekten der privaten Investoren. Es sind Hunderte von Wohnungen gebaut worden, die meisten im hochpreisigen Segment, was mittlerweile kritisch gesehen wird. Die Zahl der Unternehmen hat sich in dem Zeitraum mehr als verdoppelt und liegt jetzt bei knapp 700.

Nach 25 Jahren, so die Hoffnung der Stadt zu Beginn der Entwicklung, sollten die Privaten rund eine Milliarde Euro für neues Wohnen und Gewerbe aufgebracht haben. Tatsächlich wurde dieses Ziel bereits nach 15 Jahren erreicht.

Weitere Folgen der Serie beschäftigen sich mit den Chancen der Bahnhofsvorstadt, wo unter anderem Appartements für Studierende entstehen sollen, und mit der Gartenstadt Werdersee, einem geplanten Neubaugebiet mit 570 Wohnungen, das mit viel Grün durchsetzt werden soll und zu 25 Prozent aus Sozialwohnungen bestehen wird. Vorgestellt werden ferner mit dem Cambrai-Dreieck ein Stadtentwicklungsgebiet in Huckelriede, das neue Hulsberg-Quartier auf dem Gelände des Klinikums Mitte und zuletzt auch die Innenstadt mit ihren Themen Verkehrsanbindung, Wohnen und Einzelhandel.

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