Illegales Parken Sorgen um Bäume vor dem Weserstadion

Nach Angaben von Naturschützern sind die alten Bäume vor dem Weserstadion in Gefahr, da durch parkende Pkw unmittelbar vor den Bäumen der Boden stark verdichtet wird.
23.06.2019, 22:12
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Von Jörn Hildebrandt

Vor dem Stadion mit dem bedeutenden Grün, auf dem Werders Kicker spielen, sorgen alte Bäume für jenes Grün, das für die Stadt nicht minder bedeutend ist. Und dieses ist nach Angaben von Naturschützern nun offenbar in Gefahr. Es geht konkret um drei hohe Eichen an der Südostseite des Weserstadions, direkt vor dem Stadionbad. Ursprünglich standen die Eichen dort einmal auf einem breiten Grünstreifen.

Als das Gelände um das Weserstadion herum ab 2016 eine neue Gestaltung im Zuge des Hochwasserschutzes erfuhr, fiel der Grünstreifen um einige Bäume weg. „Direkt vor ihnen wird illegal geparkt, bis dicht an die Bäume heran, obwohl es in der Nähe viele asphaltierte Stellplätze für Autos gibt“, sagt Gunnar Oertel, Sprecher des Naturschutzbeirats in Bremen. Oertel monierte diesen Missstand im Juli 2018 bei der Bremer Weser-Stadion GmbH. Diese reagierte im August und ließ Halteverbotsschilder aufstellen. Diese sind nach Auffassung von Gunnar Oertel allerdings wirkungslos. Das illegale Parken werde nicht überwacht, teilt er mit.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Oertel sprach dazu auch im Beirat Östliche Vorstadt, im November 2018. Sein Vorschlag damals: Statt der Schilder Radständer vor den gefährdeten Bäumen anzubringen, die das Parken von Autos unmöglich machen. Baumschutzexperte Ralf Möller vom Umweltbetrieb Bremen hält diesen Vorschlag für geeignet: „Durch Pkw unmittelbar vor den Bäumen wird der Boden stark verdichtet. Mit einer Überfahrsperre durch Fahrradbügel schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Man hält den Autoverkehr vom Standort fern und verhindert zugleich die Bodenverdichtung“, sagt Ralf Möller.

„Seitdem ist rein gar nichts passiert“, sagt Oertel. Dies sei keine Lappalie, sondern symptomatisch für den Umgang mit Bäumen in der Stadt. Er nennt weitere „Defizite im bremischen Baumschutz“: Am Sielwall seien zum Beispiel einige Bäume bis heute nicht durch Poller geschützt, wie die letzte alte Kastanie gegenüber vom Körnerwallplatz. Bei zahlreichen Neubauprojekten würden zwar einzelne Bäume stehen gelassen, doch ihre nähere Umgebung werde so stark versiegelt und zugebaut, dass diese Bäume kaum Überlebenschancen hätten.

Wichtig für den Umwelt- und Klimaschutz

Auch die aktuellen Baupläne im Hulsbergviertel geben demnach Anlass zu Bedenken. Bäume des alten Klinikparks, die bisher optimal in eine grüne Kleinoase eingebettet sind, würden zur Fällung freigegeben, obwohl sie und die Vegetation rund um die Bäume von enormer stadtökologischer Bedeutung seien.

„Wenn Bremen nicht einmal in der Lage ist, nach einem Jahr Bemühung die drei Bäume am Stadion zu schützen, wie will die Stadt dann die Klimakrise mildern?“, fragt Oertel.

Bäume seien wichtig für den Umwelt- und Klimaschutz: Sie kühlten durch ihre Transpiration die Luft und sorgten für Beschattung, filterten Staub und Schadstoffe. „Ein alter Baum ist nicht so leicht ersetzbar“, sagt Oertel. „Keiner weiß, ob Neupflanzungen dem zunehmendem Klimastress überhaupt noch gewachsen sind.“

Die Bremer Weser-Stadion GmbH indes hat angekündigt, dass die drei Eichen am Stadionbad künftig besser geschützt werden könnten. „Derzeit wird seitens der Grünen versucht, an der Stelle neue Fahrradständer unterzubringen“, sagt Wilfried Rehling. „Deshalb halten wir im Moment still. Wir haben auch vor, an der hinteren Gehwegkante Bänke aus Beton aufzustellen, doch die Finanzierung ist derzeit noch ungeklärt.“

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