Weshalb Geld des Sozialressorts nicht reicht Geld für stadtteilübergreifende Projekte

Uli Bade, Mastermind vieler Jugendförder-Projekte, begrüßt zwar die von der Sozialsenatorin für 2021 bewilligten Fördergelder. Er weist aber auch darauf hin, dass sie nicht ausreichen werden.
30.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Geld für stadtteilübergreifende Projekte
Von Sigrid Schuer

Die Pressemitteilung aus dem Sozialressort klingt wie eine Erfolgsstory. Darin heißt es, dass stadtteilübergreifende Bewegungs- und Sportangebote sowie Projekte der Offenen Jugendarbeit 2021 erstmals mit 700 000 Euro finanziert werden. Der Jugendhilfeausschuss hat dafür der Verteilung der Mittel auf 27 Projekte zugestimmt. „Wir honorieren mit diesen Mitteln Projekte, die deutlich über den eigenen Stadtteil hinauswirken“, heißt es in einer Verlautbarung von Anja Stahmann (Grüne), Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport. Das sei ein Beitrag, die Attraktivität der Offenen Jugendarbeit insgesamt zu steigern, so Stahmann weiter.

Etwas von dem Geldregen bekommt auch der Sportgarten in der Überseestadt ab. Er soll 2021 knapp 60 000 Euro erhalten. Beantragt worden waren 70 000 Euro. Das Postamt 5 mit dem Projekt Urban Sports erhält 54 000 Euro, das Projekt Medienkompetenz im Postamt 5 soll 45 000 Euro erhalten. So weit, so gut. Für Uli Bade, Mastermind dieser Jugendprojekte, ein zweischneidiges Schwert. „Einerseits freue ich mich sehr, dass es nun gelungen ist, die Mittel bereitzustellen. Andererseits lässt mich der Förderbescheid doch ratlos zurück. Das hat mir schon zugesetzt“, resümiert er.

Es fehlen 30 000 Euro

Das Postamt 5 habe 2020 für beide Projekte für ein halbes Jahr rund 62 000 Euro erhalten. Es fehlen also summa summarum rund 30 000 Euro, wenn man die Fördersumme auf ein Jahr hochrechnen würde. Denn dann hätten insgesamt 124 000 bewilligt werden müssen. So seien es aber lediglich 99 000 Euro. Die Auswirkungen seien gravierend: Ein Posten, der in der Jahreskalkulation fehle, seien beispielsweise 5000 Euro für die Honorarkräfte. „Da brauchen wir schon einige Übungsleiter für die einzelnen Sportarten wie BMX und Parkour. Übungsleiter, die sich auskennen und die Schnupperkurse und regelmäßige Trainingsgruppen leiten können. Es geht darum, qualifizierte Mitarbeiter und Fachkräfte zu halten“, betont Bade.

Sein Fazit: „Die Dinge, die wir aufbauen konnten und ausbauen wollten, werden wir vor diesem Hintergrund im nächsten Jahr nicht finanzieren können.“ Bei jedem Projekt sei der Zugang niedrigschwellig. Ähnliches gelte für das Spacelab, das Projekt Medienkompetenz im Postamt 5. Dabei sei die Entwicklung von Medienkompetenz gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie doch der Schlüssel zu mehr Teilhabe, betont Bade.

Wie er und seine Teams überhaupt seit Beginn der Pandemie unglaublich viel positive Resonanz erfahren hätten von Seiten der Eltern wie auch von Seiten der Kinder und Jugendlichen. „Schließlich haben wir in der Corona-Krise auch die Verantwortung, generell die Jugend zu fördern, aber auch deren Gesundheit. Gerade während der Pandemie gebe es doch viel Bedarf“, sagt Bade. So hätten sie im Sportgarten ein coronakonformes Buchungssystem entwickelt, mit dem der trotz des Lockdowns noch erlaubte Individualsport weiterhin praktiziert werden könne. Außerdem hätten sie für die Schulen die Anlagen geöffnet.

Jugendhilfeausschuss entscheidet

Zum Hintergrund: Die Senatorin für Soziales, Integration und Sport hat stadtteilübergreifende Bewegungs- und Sportangebote sowie Projekte der Offenen Jugendarbeit erstmals im laufenden Jahr finanziert, allerdings mit einer Summe von 350 000 Euro und nur für die fünf Monate nach den Haushaltsbeschlüssen, heißt es in der Mitteilung des Sozialressorts. Während die rund acht Millionen Euro der Offenen Jugendarbeit bislang ausschließlich in den Stadtteilen verwaltet wurden, entscheidet über die überregionalen Mittel in Höhe von 700 000 Euro jährlich der Jugendhilfeausschuss der Stadtgemeinde Bremen, in den die Bürgerschaftsfraktionen sowie die Träger der Jugend- und Wohlfahrtsverbände Mitglieder entsenden.

In der Mitteilung des Sozialressorts heißt es weiter, dass überregionale Angebote der Kinder- und Jugendförderung mit zwei Schwerpunkten unterstützt werden: Für Bewegungs- und Sportangebote stehen 2021 400 000 Euro zur Verfügung, für Angebote der offenen Jugendarbeit 300 000 Euro. In beiden Fördersträngen sollen neue, innovative Projekte gefördert werden. Der Jugendhilfeausschuss hat dazu unter Beteiligung der freien Träger der Jugendhilfe, der Beirätekonferenz und des Amtes für Soziale Dienste ein Vergabeverfahren sowie Kriterien zur Förderung der überregionalen Angebote beschlossen.

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