DM der Lateinformationen Die Reißleine gezogen

Nachdem die Grün-Gold-Formation die Bundesliga nicht gewinnen konnte, will das Team von Trainer Roberto Albanese mit einer komplett neuen Choreografie im November Deutscher Meister werden.
19.10.2019, 19:20
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Die Reißleine gezogen
Von Ruth Gerbracht

Wieder einmal unterliegt alles der strengsten Geheimhaltung. Roberto Albanese, Trainer der erfolgreichen Lateinformation des Grün-Gold-Club Bremen, ließ sich beim Weser-Kurier-Talk im Gespräch mit Moderatorin Bärbel Schäfer nur eine kurze Bemerkung über die neue Choreografie entlocken. Sie sei sehr lebendig und dynamisch, und die Schwierigkeit bestehe darin, die vielen Bilderwechsel leicht und elegant aussehen zu lassen. Kein Wort über das neue Thema, über die neue Musik. Abwarten bis zur Premiere am 9. November in Hamburg, wenn die deutschen Formations-Meisterschaften ausgetanzt werden.

Grundsätzlich tanzt die Mannschaft des Grün-Gold-Club ein Thema über zwei Jahre. Diese Lebensdauer ist den immens hohen Kosten für Musik und Outfits geschuldet. Doch in diesem Jahr haben die Verantwortlichen in Bremen nach der verlorenen Bundesligasaison die Reißleine gezogen und die Choreografie „It‘s me“ ad acta gelegt. Das Risiko, mit einer in Deutschland bei den Wertungsrichtern nicht sehr angesehenen Choreografie möglicherweise bei der Deutschen Meisterschaft im November durchzufallen, war dem Club einfach zu hoch. „Der Wind hat sich gedreht“, glaubt Jens Steinmann, Vorsitzender des Grün-Gold-Club, „das war schon bei den Titelkämpfen im vergangenen Jahr zu spüren.“

Tatsächlich konnte Albaneses Team in Braunschweig zwar knapp gewinnen, doch die Zuschauer zeigten sich unzufrieden. Es gab Pfiffe. Die Stimmung war spannungsgeladen, der Dauersieger aus Bremen erhielt wenig Applaus. Es hatte fast den Eindruck wie in der Fußball-Bundesliga. Jeder wartet, dass endlich mal eine andere Mannschaft Meister wird – egal wie die Leistungen zu bewerten sind.

Dass die Bremer Lateinformation anschließend in China erneut Weltmeister wurde, spielte in der anschließenden nationalen Bundesligasaison keine Rolle. Der Grün-Gold-Club verlor vier von fünf Turnieren und verpasste als Zweiter hinter Velbert die direkte WM-Qualifikation. Bei internationalen Wettbewerben würden andere Maßstäbe angesetzt, sagt Jens Steinmann. Bestes Beispiel: Bundesligasieger Velbert wurde bei der WM in China nur Vierter, aber in Deutschland anschließend gefeiert.

Nach der verpassten WM-Qualifikation waren für Trainer Roberto Albanese und den Verein die Würfel gefallen. Eine neue Choreografie, neue Musik und ein neues Outfit sollen die Wende bringen. „Wir haben aus der Saison gelernt und werden aus unseren Fehlern lernen“, erklärte Roberto Albanese bereits nach Abschluss der Bundesligasaison. Was genau die Bremer – oder ob sie überhaupt was falsch gemacht haben, sagt der Coach nicht.

Seit Ende März wird hinter den Kulissen hart gearbeitet und trainiert. Die Mannschaft hat sich ein wenig verändert. Unter anderem ist mit Kevin Berger einer der erfolgreichsten Tänzer wieder zurück im Team. Sechs Paare sind bereits gesetzt, wie die anderen zwei Duos aussehen werden, steht noch nicht fest. Erst kurz vor der Meisterschaft steht die Mannschaft, die – nach Meinung der Trainer – am perfektesten die Choreografie umsetzen könnte.

Doch es werden am 9. November in der Hamburger Sporthalle nicht nur tänzerische Höchstleistungen gefragt sein, sondern auch ein stabiles Nervenkostüm. Schließlich will sich die Bremer Lateinformation unbedingt für die Weltmeisterschaft vor eigenem Publikum im Dezember qualifizieren. Es wäre für den Verein schon ein herber Schlag, sollte bei der vom Grün-Gold-Club ausgerichteten Heim-WM der Lokalmatador fehlen. Das hat es schon seit vielen Jahren nicht mehr gegeben. Und auch in diesem Jahr will die Grün-Gold-Formation erneut um den Titel tanzen. Dafür müsste sie entweder am 9. November Deutscher Meister werden oder zweiter hinter dem Tanzsportzentrum Velbert. Die Satzung besagt nämlich, sollten Deutscher Meister und Bundesligasieger identisch sein, qualifiziert sich der deutsche Vizemeister. Aber nicht nur Velbert will bei den Titelkämpfen auftrumpfen, auch die Lateinformation von Blau-Weiss Buchholz hofft auf den großen Sprung. Erstmals richtet der Verein die DM aus und setzt beim Wettkampf schließlich auch auf die Unterstützung des heimischen Publikums. Doch abseits der einzelnen Zielsetzungen der drei favorisierenden Teams, alle drei kommen mit neuen Choreografien aufs Parkett, was die Meisterschaften umso spannender werden lässt. Zumal sich bislang keine Formation in die Karten hat schauen lassen und nichts öffentlich geworden ist.

Weniger geheimnisvoll geht es dann schon beim B-Team des Grün-Gold-Club zu. Die Mannschaft ist nach zwei Jahren Abstinenz wieder zurück in der 1. Bundesliga und tanzt dementsprechend bei den Deutschen Meisterschaften. Geplant sei das nicht gewesen, sagt Jens Steinmann, doch die Mannschaft habe eben so erfolgreich getanzt, dass der Aufstieg die logische Konsequenz gewesen sei. Eigentlich sollte der Rückzug in die Regionalliga dazu dienen, Nachwuchstänzer für die erste Mannschaft zu akquirieren. Nun aber geht es für die Mannschaft von Trainer Angelo Adler zunächst darum, sich in der 1. Liga durchzusetzen. Der Coach musste zwar einige Tänzer ans A-Team abgeben, doch noch immer kann er auf eine Mannschaft setzen, die für die Aufgaben im Oberhaus gerüstet ist. Experimentiert wird allerdings nicht. Die Lateinformation wird ihre Erfolgschoreografie der 2. Bundesliga, „Noises, Voices, Melodies“, in neuen Outfits weiter tanzen.

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