Benjamin Eta Was macht der Trainer des Jahres?

Mit dem Bremer SV feierte Benjamin Eta große Erfolge, seither ist er ohne neuen Trainerjob. Viel zu tun hat er trotzdem, im Fußball, aber auch außerhalb. Und bald dürfte es auch wieder ein Traineramt geben...
21.09.2022, 18:24
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Was macht der Trainer des Jahres?
Von Jean-Julien Beer

Erst neulich wurde er im Stadion am Panzenberg wieder lauthals besungen. „Benni Eta, du bist der beste Mann!“ schallte es von den Rängen, als Benjamin Eta ein Spiel seines früheren Vereins Bremer SV besuchte. Ihm ist das „fast schon ein bisschen unangenehm“, sagt er, schließlich solle ja die aktuelle Mannschaft des BSV im Vordergrund stehen und nicht ihr vormaliger Trainer. „Aber mein Verhältnis zum Bremer SV ist einfach gut“, betont er, „ich freue mich immer, wenn ich mal wieder dort bin. Da gibt es keinerlei Groll, warum auch? Wir hatten doch zwei tolle gemeinsame Jahre.“

Zwei Lottopokalsiege und den Aufstieg in die Regionalliga schafften sie zusammen, hinzu kam das Jahrhundertspiel im DFB-Pokal gegen den FC Bayern. All das brachte Eta eine große Bekanntheit ein, in Bremen wurde er als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Mit dem Aufstieg in die Regionalliga verabschiedete er sich vom Bremer SV, er wollte dem Verein damals nicht frühzeitig für eine neue Saison zusagen, solange nicht klar war, dass man die Bremen-Liga diesmal wirklich verlassen würde. Also trennten sich die Wege, der BSV verpflichtete den Ex-Profi Torsten Gütschow als neuen Trainer.

Seither ist es ruhiger geworden um Eta, der aber weiterhin oft auf dem Fußballplatz steht und der in vielen Stadien unterwegs ist. Zuletzt sah man ihn beim Spitzenspiel der Regionalliga Ost zwischen Erfurt und dem Berliner AK, in Süddeutschland schaute er sich Partien in Nürnberg und Ingolstadt an. In der Regionalliga Nord ist er ohnehin ständig präsent, von seinem Wohnort Bremen aus nutzt er die kurzen Wege. „Ich schaue ziemlich viel Fußball“, erzählt der 42-Jährige.

Nach den Erfolgen beim Bremer SV hatte Eta im Sommer mehrere Anfragen vorliegen, nahm aber nichts davon an. „Ich wollte keinen Schnellschuss machen“, betont er, „es waren Anfragen, die nicht gepasst haben.“ Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, etwas anderes als das Bremen-Liga-Niveau machen zu wollen. Niedersächsische Oberligisten oder Vereine aus der Oberliga Hamburg sind für ihn im Moment nicht interessant. Wenn schon ein Oberligist, dann müsste es weiter weg sein. „Wenn ich rausgehe aus Bremen, bedeutet das einen neuen Wohnort und ein neues berufliches Umfeld“, weiß er, „es muss dann eine Anfrage sein, die nachhaltig ist und wo sich der Aufwand lohnt. Bisher war das Optimale für mich noch nicht dabei.“ Weil aber gerade wieder Anfragen herein kämen und es viele Kontakte gebe, dürfte es demnächst auf eine neue Aufgabe als Cheftrainer hinauslaufen.

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Auch wenn er es im Moment genießt, abends weniger Termine zu haben, dreht sich in seinem Leben weiter viel um Fußball. In Bremen betreibt Eta seine Fußballschule, in Zusammenarbeit mit dem Bremer SV und in Schwachhausen. Ob Einzelunterricht oder Einheiten mit kompletten Jugendmannschaften – Eta gibt hier sein Wissen ebenso weiter wie an der Sportbetonten Oberschule an der Ronzelenstraße, mit deren Mädchenmannschaft er gerade in Berlin war bei den Bundesentscheiden von „Jugend trainiert für Olympia“.

Auch einen Abstecher zum Hockey hat er hinter sich. Am Rande seiner Auszeichnung zum „Trainer des Jahres“ kam es zum Treffen mit dem „Mr. Hockey“ des Bremer HC, Martin Schultze. Zwei leidenschaftliche Trainer, dazu zwei Sportarten, die beide mit elf gegen elf antreten – da war es nicht verwunderlich, dass sie ihre Gedanken vertieften. Eta schaute beim Training der Hockey-Damen zu und leitete eine Einheit. „Das war eine tolle Erfahrung“, berichtet der Fußballtrainer, „auch ich konnte ein paar Ansätze mitnehmen, weil das Feld kleiner ist und man schnelle Lösungen auf engem Raum braucht.“ Die Rolle des Torwarts fand er besonders interessant. Im Hockey spielt ein solcher, auch wegen der schweren Ausrüstung, kaum mit. „Vielleicht ändert sich das mal“, meint Eta, „beim Fußball gab es das lange auch nicht, und heute ist der Torwart hier ganz wichtig im Spielaufbau.“

Seine Hospitation beim FC Bayern steht noch aus, der Münchner Trainer Julian Nagelsmann hatte ihm diese nach dem Pokalduell im Weserstadion zugesagt. Wegen Terminschwierigkeiten hatte der Rekordmeister das verschoben; in einem Jahr mit einer Winter-WM scheint das nicht so einfach zu sein. Hinzu kommen die sportlichen Schwierigkeiten des Meisters. Kontakt zu den Bayern bestehe weiterhin. „Ich hoffe, dass sich die Gelegenheit noch ergibt“, sagt Eta.

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Dem Bremer SV drückt er derweil die Daumen für das Abenteuer Regionalliga. „Sie haben sich gut verstärkt und können den Klassenerhalt schaffen“, meint er. Man dürfe sich nur nicht von den bisher geholten zehn Punkten blenden lassen. „Im Moment stehen sie damit auf einem Abstiegsplatz, es muss also noch was kommen. Ich bin aber ganz zuversichtlich, weil die Qualität stimmt.“

Die nächste Hospitanz wird ihn wohl zum Hamburger SV führen; Eta pflegt gute Kontakte zum Trainer der zweiten HSV-Mannschaft, die wie der Bremer SV in der Regionalliga Nord spielt. Auch dort würde er gerne ein paar Tage reinschauen und sich weiterbilden. „Trainer des Jahres“ in Bremen soll schließlich nicht sein letzter Titel gewesen sein.

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